Vox-Show

Xavier Naidoo beleidigt Kollegen bei „Sing meinen Song“

Sängerin Annett Louisan stand im Mittelpunkt der jüngsten Folge von „Sing meinen Song“. Von sich reden machte allerdings ein Anderer.

Von Nadine Gewehr
Mit der kreativen Wortneuschöpfung „Fratzen-Gulasch“ quittierte Xavier Naidoo den Auftritt des Soul-Sängers Seven.

Mit der kreativen Wortneuschöpfung „Fratzen-Gulasch“ quittierte Xavier Naidoo den Auftritt des Soul-Sängers Seven.

Foto: VOX / Markus Hertrich

Berlin.  Das hat gesessen. Für einen kurzen Moment wich jegliche Regung aus dem Gesicht des Sängers Seven. Und wer den Schweizer kennt, der weiß: In Sachen Gesichtsakrobatik macht ihm eigentlich niemand so schnell etwas vor. Doch genau diese, nennen wir sie ausgeprägte Mimik, wurde dem Sänger am Dienstagabend bei der sechsten Folge der Vox-Show „Sing meinen Song“ zum Verhängnis.

Er hatte gerade „Du fehlst mir so“ ins Mikro gefleht. Doch statt des wohl erwarteten Lobes kassierte Seven eine Beleidigung von Gastgeber Xavier Naidoo. Mit der kreativen Wortneuschöpfung „Fratzen-Gulasch“ quittierte dieser den Auftritt des Soul-Sängers.

Das war respektlos

Es mag eine unbedarfte Äußerung und nicht böse gemeint gewesen sein. Trotzdem kam sie recht respektlos daher. Ein Sänger wie Xavier Naidoo sollte um Wirkung und Macht von Worten wissen. Und dass die Leidenschaft manchen Sänger den eigenen Gesichtsausdruck vergessen machen lässt, dürfte ihm hoffentlich auch bekannt sein.

Vielleicht ist Naidoo auch einfach der Versuch missglückt, etwas Stimmung in die Runde zu bringen. Denn die war in der sechsten Ausgabe der aktuellen Staffel von Melancholie geprägt. Sängerin Annett Louisan stand am Dienstag im Mittelpunkt der Sendung. Ihre Kollegen – neben Xavier Naidoo und Seven sind das in dieser Staffel Sängerin Nena, Rapper Samy Deluxe, BAP-Mann Wolfgang Niedecken, sowie die Cowboy-Rocker von The BossHoss – nahmen sich die Hits der 39-Jährigen vor. Und sie griffen dabei fast ausschließlich zu ruhigen Balladen und traurigen Herzschmerz-Songs.

Annett Louisan gibt Einblicke in ihr Seelenleben

Dabei wollte die zierliche Chansonette doch die Vox-Show nutzen, um zu zeigen, wie facettenreich sie ist. Doch Balladen bleiben Balladen, auch wenn ein Wolfgang Niedecken („Wenn man sich nicht mehr liebt“) sie in ein Reibeisen-Gewand hüllt oder ein Samy Deluxe („Stell dir vor, dass unten oben ist“) sie rappig pimpt. „Ich hab’ wirklich auch lustige Lieder“, versicherte Annett Louisan fast schon entschuldigend.

Nötig hatte sie die Entschuldigung nicht. Denn sie ist, was sie ist: eine Sängerin voll Gefühl und Kreativität, ausdrucksstark und sensibel. Mit ihrem Lied „Meine Kleine“, in dem sie in die Rolle ihrer eigenen Mutter schlüpft, trieb sie am Dienstag Wolfgang Niedecken Tränen in die Augen, Samy Deluxe hat den Song „krass gefühlt“ und war „mega berührt“.

Doch vielleicht hat sie immer noch nicht zu sich selbst gefunden, vielleicht hindert sie ihr Perfektionismus daran, ihre Stärken zu erkennen und anzunehmen. Klar wollte sie mal klingen wie Aretha Franklin, erzählte Louisan ihren Kollegen. Aber als Sängerin müsse sie zu dem stehen, was sie ist. Und das habe sie lernen müssen.

Es gab aber auch lustige Momente in der Show. Wolfgang Niedecken erzählte zum Beispiel, wie er zu seinem Namen kam: Eigentlich sollte der Kölner Robert heißen. Seine Mutter wollte ihn nach seinem leiblichen Vater nennen. Der neue Lebensgefährte sollte Klein Wolfgang beim Amt anmelden – und hatte offenbar etwas gegen die erste Wahl der Mutter. „Isch hab’ den Namen verjessen, hab’ den Jung’ Wolfgang jenannt.“

Auch für Xavier Naidoo ist Bescheidenheit nur eine Zier

Für einen weiteren Lacher sorgten die singenden Country-Cowboys von The BossHoss. Sie interpretierten mit „Das Spiel“ den Song, mit dem Annett Louisan 2004 der Durchbruch gelang. Doch nach den ersten Takten brach Sänger Alec Völkel ab – Texthänger. Geschadet hat es dem Duo nicht. Am Ende vergab Annett Louisan eine Blume an The BossHoss – für den besten Song des Abends.

Eine weitere Blume gab es trotz allem für Gastgeber Xavier Naidoo. Die anderen Auftritte des Abends seien möglicherweise ergreifender gewesen, gab der am Ende zu. Wie Recht er doch hatte: Nena ist mit „Läuft alles perfekt“ mal wieder über sich hinaus gewachsen, auch die Beiträge von Wolfgang Niedecken und The BossHoss waren so viel liebevoller und intensiver als Naidoos pseudo-fetzige „Das geht auf die Zwölf“-Version von „Das Gefühl“.

Aber sei es drum: Die Blume habe er sicherlich bekommen, weil die Annett auch sonst immer so viel Spaß an ihm habe. Bescheidenheit ist für Xavier Naidoo bekanntlich auch nur eine Zier.