TV-Talk

„Hart aber fair“: Plasberg präsentiert Vorzeige-Zuwanderer

Funktioniert die Integration nur mit Gesetzen – oder eher mit positiven Beispielen? Frank Plasberg hatte in der ARD beides zu bieten.

Von Aaron Clamann
Moderator Frank Plasberg diskutierte am Montag mit seinen Gästen in seiner Sendung über das Thema „Gekommen um zu bleiben – wie werden aus Einwanderern Deutsche?“

Moderator Frank Plasberg diskutierte am Montag mit seinen Gästen in seiner Sendung über das Thema „Gekommen um zu bleiben – wie werden aus Einwanderern Deutsche?“

Foto: imago stock&people

Berlin.  Mit einem Integrationsgesetz will die Bundesregierung den Aufenthalt von Flüchtlingen in Deutschland regeln. Das Prinzip von „Fördern und Fordern“ soll damit in ein Gesetz gegossen werden. Da aber nicht nur Flüchtlinge aus Krisengebieten nach Deutschland kommen, sondern auch Arbeitssuchende, die nicht verfolgt werden, hat der SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Thomas Oppermann, im Interview mit unserer Redaktion ein zusätzliches Einwanderungsgesetz für diese Migranten gefordert. Gleichzeitig hat der Sozialdemokrat damit die Vorlage für die Ausgabe von „Hart aber fair“ am Montagabend geliefert. Der Moderator Frank Plasberg fragte in seiner Sendung: „Gekommen um zu bleiben – wie werden aus Einwanderern Deutsche?“

Die Macher des ARD-Talks hatten für die Sendung Gäste eingeladen, „die sich schon integriert haben und die jetzt mittendrin sind“. Wer nun Bürokaufleute, KFZ-Mechaniker und Supermarktkassiererinnen erwartet hatte, wurde enttäuscht. Stattdessen diskutierten Musikstars, Fernsehmoderatoren und Fußballhelden über ihre Integration – also eine Gruppe von Menschen, die zwar mittendrin sind, aber wohl nur in den CD-Fächern unserer Stereoanlagen und auf unseren Fernsehbildschirmen. Aber wer hat schon täglich private Kontakte mit Rocksänger Peter Maffay, TV-Moderatorin Nazan Eckes oder Fußballprofi Neven Subotic?

Nazan Eckes berichtet über Schweinefleisch-Lüge

Dennoch schilderten die Gäste sowohl glückliche wie auch problematische Integrationsgeschichten. Nazan Eckes sagte in Bezug auf die Generation der Gastarbeiter: „Viele sind mit dem Gedanken gekommen, Geld zu verdienen, die Familien in der Türkei zu versorgen und dann wieder nach Hause zurückzukehren.“ Für sie selbst habe es immer wieder Probleme im Alltag gegeben: „Ich habe mir die dollsten Geschichten einfallen lassen, um zu erklären, warum ich kein Schweinefleisch esse.“ Das seien Alltagssituationen gewesen, in denen man gemerkt habe, dass man nicht dazugehöre. Auch wenn Eckes eine der jüngeren Personen in der Runde war, haben sich die Umstände zwischen der Ankunft ihrer Familie und heute stark verändert. Vor allem die allgemeine Diskussion um Zuwanderung.

Mit Zuspitzungen auf Wirtschaftsflüchtlinge und Auswanderungen aus Afrika lenkte Gastgeber Frank Plasberg die Diskussion immer wieder in eine Richtung, die vom Thema der Sendung – der Frage nach geregelter Zuwanderung – wegführte. Zum einen ging es plötzlich wieder um die Frage nach Kriegs- und Hungerflüchtlingen. Zum anderen mussten die Gäste nun über Regionen diskutieren, in denen sie nun wirklich nicht mittendrin sind.

Fußballprofi und Anwalt sprechen vom Glück als Faktor

Auch wenn Plasberg einen anderen Plan gehabt haben dürfte. Genau das spielte dem bayerischen Finanz- und Heimatminister Markus Söder (CSU) in die Karten. „Wir haben tolle Beispiele von Integration hier am Tisch. Aber wir haben auch schlechte Beispiele. Und deshalb ist es harte Arbeit“, sagte Söder.

Wie hart die Arbeit aus Sicht der Zuwanderer sein kann, schilderte der Profifußballer Neven Subotic, dessen Eltern im Schwarzwald von Tür zu Tür gegangen seien, um nach Arbeit zu fragen. Einen Asylantrag haben sie erst stellen können. als eine Frau aus der Nachbarschaft ihnen einen festen Wohnsitz ermöglichte. Gleichzeitig sagte Subotic aber auch: „Wir hatten viel Glück.“ Genau so viel Glück hatte wohl auch der Anwalt Mehmet Daimagüler. „Wir mussten die Mitarbeiterin der Ausländerbehörde anbetteln“, zudem habe seiner Familie eine Nachbarin geholfen.

Neben dem Glück spielt für viele Zuwanderer aber auch die Zeit eine Rolle. Markus Söder muss auf eine Nachfrage von Frank Plasberg zugeben: „Auch ich finde es blöd, wenn Verfahren so lange dauern.“ Denn genau an dieser Stelle entstehen die alltäglichen Probleme, wie es Neven Subotic schilderte. Denn ohne einen Zeitplan, ohne eine Gewissheit über die Aufenthaltsdauer in Deutschland wird es geradezu unmöglich eine Wohnung zu mieten oder eine feste Arbeitsstelle zu finden.

Eckes wünscht sich mehr private Initiative

Während Markus Söder sich stets auf eine zahlenmäßige Obergrenze beruft, mahnte Maffay an, dass es auch eine qualitative Grenze gebe: Irgendwann könne auch der einzelne nicht mehr helfen. Selbst sein finanziell gut ausgestattetes Projekt, das 19 Flüchtlinge aufgenommen habe, könne nicht mehr Menschen aufnehmen.

Nach diesem Beispiel forderte Nazan Eckes, dass mehr Leute ein, zwei oder 15 Flüchtlinge aufnehmen sollten. Doch muss private Initiative so ausbügeln, was die Politik versäumt hat? Laut Mehmet Daimagüler ja. „Wir haben Jahrzehnte verloren, weil wir keine konstruktive Politik haben“, sagte der Anwalt.