RTL-Show

„Let’s Dance“: Streit über Erics „Macarena“ bei 90er-Special

In der vierten Show waren sich die Juroren bei den Favoriten uneins. Nicht so beim Wendler: Der tanzte auf seinem Pferd nach Dinslaken.

Zurück auf dem Parkett: Sportmoderator Ulli Potofski, der die vorige Sendung kurzzeitig aus Sorge um seine Frau verlassen hatte. Er führt hier Profitänzerin Kathrin Menzinger.

Zurück auf dem Parkett: Sportmoderator Ulli Potofski, der die vorige Sendung kurzzeitig aus Sorge um seine Frau verlassen hatte. Er führt hier Profitänzerin Kathrin Menzinger.

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Berlin.  Ach ja, die Neunziger. Was hatten die nicht alles Tolles zu bieten. Bauchfreie Tops, Plateau-Schuhe, Tamagotchis – und natürlich Eurodance. Wohl kein Jahrzehnt hat es geschafft, so viele Hits ohne erkennbaren künstlerischen Anspruch hervorzubringen. Wer erinnert sich nicht an Songtext-Perlen wie „Boom Boom Boom Boom“, „Blue (dabe di dabe dei)“ oder „The Rigga-Ding-Dong-Song“?

Da ist es nur folgerichtig, diese Sternstunden der Popkultur noch mal angemessen zu würdigen. Mit einem 90ies-Special in der vierten „Let’s Dance“-Show. Denn auch wenn es den Hits von damals an sprachlicher Elaboriertheit mangelte, eines waren sie in jedem Fall: absolut tanzbar. Also für denjenigen, der tanzen kann, versteht sich.

Gefühlt mehr Werbung als Tanzen

Allerdings schien das Tanzen für RTL an diesem Freitagabend eher nebensächlich zu sein. Hauptsächlich hatte man den Eindruck, die vierstündige Werbung würde gelegentlich von ein bisschen Show unterbrochen. Und auch dann ging es weniger um Sportliches denn um rührselige Erinnerungen an das vorvergangene Jahrzehnt. „Let’s Dance“ goes DSDS – jeder durfte mal auf die Tränendrüse drücken.

Traurig etwa das Bekenntnis von Michael Wendler, dass ihm nicht klar war, dass eine Firmenübernahme vom Papa auch heißen kann, dass man Schulden übernimmt. Zum Glück bastelt RTL in diesem Moment an einer Spendenhotline. Ebenso tragisch: Victoria Swarovskis dreijährige Fernbeziehung. Ihr Lamenti darüber garnierte der Kölner Privatsender mit Bildern, in denen sie auf Bahnschienen sitzt. Um die Entfernung zu verdeutlichen, nicht als Handlungsempfehlung – hoffen wir jetzt einfach mal.

Jana Pallaske tanzt Walzer auf Metallica

Einer, der in diesen Tagen wirklich Grund zur Sorge hatte, war Ulli Potofski. Parallel zur letzten Show hatte seine Frau einen Herzinfarkt erlitten, weswegen der Sportmoderator die Sendung zunächst verlassen hatte, um ins Krankenhaus zu eilen, später auf Wunsch seiner Frau, der es inzwischen wieder besser geht, aber zurückkehrte – und es trotz Talentfreiheit eine Runde weiter schaffte. Das gleiche Kunststück schaffte er auch in der vierten „Let’s Dance“-Sendung. Ein langsamer Walzer, der eher wie ein Spaziergang aussah, aber was soll’s, dachten sich wohl die Zuschauer. Er ist doch so knuffig.

Ganz anders Jana Pallaske. Nicht, dass sie nicht auch total knuffig ist, aber dazu beherrscht sie tatsächlich diese eine Sache. Dieses Dings, um das sich die Show eigentlich dreht. Was war das noch gleich? Ach, ja: Tanzen. 27 Punkte sahnte sie mit ihrem Wiener Walzer auf Metallicas „Nothing else matters“ ab (ja, richtig gelesen, Walzer). Während sich James Hetfield leise in den Schlaf weinte, setzte es zwei Mal 10 Punkte von Jorge Gonzalez und Motsi Mabuse. Nur Joachim Llambi hatte wie so oft etwas zu mäkeln. Seine Begründung dafür: „Wir haben noch acht Shows.“ Es klang wie eine Drohung.

Wendler gesteht mangelndes Taktgefühl ein

Dezente Uneinigkeit in der Jury herrschte auch nach dem Auftritt von Mitfavorit Eric Stehfest. Seine Samba auf „Macarena“ war Llambi zu wenig Samba: „Das war mit Abstand dein schlechtester Tanz!“ Jorge widersprach heftig und auch Motsi meinte: „Samba Rolls, Macarena, Rhythmus – das war alles super.“ Von den Juroren gab’s zusammen 21 Punkte, vom Publikum den inzwischen schon obligatorischen stehenden Applaus.

Den hatte sich der Wendler mit seiner Performance zu „Verdammt, ich lieb mich... äh dich“ nicht verdient. „Ich habe Schwierigkeiten, den Takt zu verinnerlichen“, sagte der Mann, der in seinem richtigen Job zum Glück kein Taktgefühl braucht. Weil man das dem Tanz dann doch irgendwie angesehen hatte, hielt Llambi mit seiner Kritik nicht hinterm Berg: „Michael, ich weiß nicht, was ich mit dir anfangen soll. Du machst hier auf dicke Hose und ich denke, der Typ tanzt auf seinem Pferd nach Dinslaken.“

Sonja Kirchberger scheidet aus

Historisch wurde es dann noch mal zum Ende der Sendung. Im ersten Battle der „Let’s Dance“-Geschichte traten die „Girls“ gegen die „Boys“ an. Und weil das hier das 90ies-Special war, natürlich auf Songs von den Spice Girls („Wannabe“) und den Backstreet Boys („Backstreet’s Back“). Die Promi-Jungs schlugen sich dabei so gut, dass Motsi ihnen ein verlockendes Angebot machte: „Ich habe am Montag Geburtstag, es fehlt noch ein Showact.“

Ob es an den fehlenden Punkten aus dem Battle lag, dass sich diesmal Sonja Kirchberger verabschieden musste? Ihre Performance zu „Would i lie to you?“ taugte jedenfalls nicht fürs Weiterkommen. Wohl aber für einen Ohrwurm.