Trauerfall

Mit Mut bis zum Schluss – Serienstar Hendrikje Fitz ist tot

Die Schauspielerin Hendrikje Fitz ist gestorben. Millionen Menschen bewunderten sie für ihren offenen Umgang mit der Krebserkrankung.

Sie hatte die Krankheit akzeptiert: Hendrikje Fitz starb mit 54 Jahren an Krebs.

Sie hatte die Krankheit akzeptiert: Hendrikje Fitz starb mit 54 Jahren an Krebs.

Foto: Tobias Hase / dpa

Berlin.  Hendrikje Fitz hat schon einmal Abschied genommen: In der ARD-Serie „In aller Freundschaft“ hatte sie kürzlich Leipzig, ihre geliebte Klinik und ihre Familie, verlassen. Ist in die Toskana gegangen, um etwas Abstand zu gewinnen, wie es hieß. Der Zuschauer sieht in den jüngsten Folgen, wie Pia Heilmann unter einem Olivenbaum sitzt, ein Glas Wein trinkt, ein Buch liest. Sie sieht glücklich aus und nur ein bisschen wehmütig. Hendrikje Fitz, von Anfang an in der Erfolgsserie dabei, wusste, dass sie nicht mehr lange leben würde. Und was tat sie? Sie lebte das Leben in vollen Zügen. Bis zuletzt. Jetzt ist sie mit 54 Jahren gestorben.

Es war schon verblüffend, wie offen sie mit ihrer Brustkrebserkrankung umgegangen ist. In vielen Interviews hat sie in einem Ton darüber gesprochen, als ob sie sich einen Schnupfen eingefangen hätte. Fast fröhlich sagte sie: „Ich hatte ein so schönes Leben. Ich hatte auch gute Lovestorys. Da kann ich mich wirklich nicht beschweren.“

Auch in der Serie war sie an Brustkrebs erkrankt

Für die Kraft, die von ihr ausging, für diese Liebe zum Leben, das am seidenen Faden hing, bewunderten sie Millionen. Und längst nicht nur die, die jeden Dienstag um 21.05 Uhr seit schon fast zwanzig Jahren die „Sachsenklinik“ einschalteten. Pia, erst Friseurin, dann Physiotherapeutin, vor allem aber Frau des Chefarztes Dr. Roland Heilmann, hatte immer heilende Worte, glättete die Wogen. Einmal erhielt das Wohltemperierte einen Knacks. Es war, als sie in der Serie an Brustkrebs erkrankte. Sie spielte es so glaubwürdig, dass man als Zuschauer berührt war.

In der Realität aber wollte sie niemanden zu Tränen rühren. Da tröstete sie diejenigen, die vor ihr standen, und es nicht fassen konnten, dass diese Person, die aussah, als wollte sie das Leben nie loslassen, schon bald nicht mehr sein würde. Denn der Krebs, der zunächst bekämpft schien, brach im vergangenen Jahr wieder aus. Es kamen Hirnmetastasen dazu, eine Chemo, die ihr die Haare ausgehen ließ und wie ein Raubtier an ihren Kräften zerrte – doch Fitz blieb stark. Mit diesem warmen Blick sagte sie im Dezember, dass es ihr letztes Weihnachtsfest sein wird. Ein „erwachsenes Weihnachtsfest“. „Nur mit Freunden, die auch alle Einzelplaneten sind“ wollte sie feiern. Sie hat sich selbst Mut gemacht, diesen Tag auch psychisch zu überstehen. „Es wird ja auch nicht so sein, dass ich dann dasitze und mir denke: O Gott, das ist vielleicht mein letztes Weihnachten. Dann ist es halt mein letztes …“

Solche Worte klangen wie Sätze aus einem Film. So taff ist doch kein Mensch. Doch Hendrikje Fitz hat jenseits von Begriffen wie Tapferkeit etwas Neues entdeckt, etwas, das für viele höchst irritierend war: eine neue Lebensqualität. „Es ist ein bisschen wie Narrenfreiheit. Die Freiheit der Todgeweihten.“ Das meinte sie nicht zynisch, sondern sagte so etwas mit einem offenen Strahlen. Was sie damit meinte, wurde sie oft gefragt. Sie erklärte es so: Niemand würde ihr als Kranke mehr etwas verübeln, und sie traue sich mehr. Wichtig sei, dass sie die Angst vor einem qualvollen Ende verloren hätte. „Durch den Zuspruch der Ärzte kann ich meine Situation nicht nur annehmen, sondern ich erlebe sie vielmehr als eine der intensivsten überhaupt in meinem Leben“, sagte sie.

Trauer der Kollegen

Auch wenn den Schauspielkollegen klar war, wie krank Hendrikje Fitz war – die Nachricht von ihrem Tod hat sie tief erschüttert. Serienehemann Thomas Rühmann (Roland Heilmann): „Ich bin einfach nur traurig. Ich habe eine gute Freundin verloren, eine wunderbare Kollegin, eine Komödiantin auf der Bühne. Und eine Partnerin. 18 Jahre Fernsehehe sind eine lange und gute Zeit.“

Und MDR-Fernsehspielchefin Jana Brandt fügte hinzu: „Hendrikje ist nicht zu ersetzen. Mit ihrem Tod werden die Fans und wir uns auch von Pia Heilmann verabschieden müssen. Ihre Serienfamilie, Freunde und Kollegen in der Sachsenklinik werden nun ihre Wege leider ohne sie weitergehen.“

Den Kollegen und Fans hatte Hendrikje Fitz, Tochter des Schauspielers Peter Fitz und die Schwester des Schauspielers Florian Fitz, kürzlich erst gesagt: „Es gibt Ereignisse im Leben, die kommen daher wie eine kleine Naturgewalt, wirbeln alles durcheinander, stellen alles auf den Kopf und plötzlich ist nichts mehr, wie es vorher war.“