Drama

Organspende-Film in Sat.1: Annette Frier kann auch ernst

Im Sat.1-Film „Zwei Leben. Eine Hoffnung“ kämpft Annette Frier als Chirurgin um Leben. Der Film ist ein packendes Organspende-Drama.

Dr. Hellweg (Annette Frier, l.) und ihr Patient Frank (Valentino Fortuzzi) mit Mutter (Carina Wiese).

Dr. Hellweg (Annette Frier, l.) und ihr Patient Frank (Valentino Fortuzzi) mit Mutter (Carina Wiese).

Foto: Sat.1/Hardy Spitz

Essen.  Für diesen Film gebührt dem Sender Sat.1 großer Respekt: weil das Thema – es geht um Organspende – alles andere als bequem ist. Die Versuchung ist groß, sich der Sentimentalität hinzugeben. Doch Benedikt Röskau, Autor großer zeitgeschichtlicher Dramen wie „Contergan“ oder „Das Wunder von Lengede“, verzichtet in „Zwei Leben. Eine Hoffnung“ komplett auf ein Rührstück.

Frank (Valentino Fortuzzi) ist 17 und wartet seit zwei Jahren auf eine Spenderleber. Der junge Mann erlebt einen permanenten Wechsel zwischen Hoffen und Bangen: Erst wird er auf die lebensrettende Operation vorbereitet, dann erleidet das Organ beim Transport irreparable Schäden.

Dieser Teil der Handlung erinnert an die Vox-Serie „Club der roten Bänder“, an der Regisseur Richard Huber ebenfalls beteiligt war. Auch diesmal führt der Grimme-Preisträger („Dr. Psycho“) die jungen Darsteller ganz vortrefflich.

Valentino Fortuzzi verleiht seiner ersten Hauptrolle genau die richtige Mischung aus Wut, Verzweiflung, Trauer und schwarzem Humor. Schauspielerin Barbara Prakopenka (Dafina), die zuletzt als Geigenwunderkind in „Hotel Heidelberg“ überzeugte, ist ihm eine ebenbürtige Partnerin.

Der Film nimmt sich immer wieder Zeit für stille Trauer

Um die Patienten herum gruppiert Röskau Figuren, die die weiteren Facetten des Themas repräsentieren: Franks Eltern (Carina Wiese, Jörg Pose) durchleben wie ihr Sohn ein Wechselbad der Gefühle und suchen nach Lösungen: Der Vater will mit Frank sogar nach Indien fliegen, um ein Organ zu kaufen.

Wichtigste Figur neben Frank ist die Transplantationsspezialistin Dr. Hellweg. Wer in Annette Frier („Danni Lowinski“) bislang nur die Komödiantin sah, wird beeindruckt sein. Überzeugend zeigt sie nicht nur, unter welchem Druck Transplantationschirurgen stehen, sondern auch die Erschütterung und Leere, die der Tod eines Patienten hinterlässt.

Ohnehin nimmt sich der Film immer wieder Zeit für stille Trauer. Während die Ärztin versucht, auch ungewöhnliche Wege zu beschreiten, verweist ihr Chef (Martin Umbach), Professor Groß, als Bedenkenträger gern auf die Vorschriften und ist ansonsten um den guten Ruf des Hauses besorgt.

Dem Tod ist die Nationalität eines Menschen egal

Endgültig zu einem besonderen Werk wird „Zwei Leben. Eine Hoffnung“ durch eine Ebene, die fast dokumentarisch wirkt. Sie beschreibt die Arbeitsweise der zentralen europäischen Organvermittlungsstelle und zieht sich durch den ganzen Film.

Das gilt auch für den Teil mit Dafina: Das Mädchen stammt aus dem Kosovo und wartet seit Jahren auf die Bewilligung ihres Asylantrags. Die korrekte Versorgung nach der Transplantation ist überlebensnotwendig, wäre aber bei einer eventuell erzwungenen Rückkehr auf den Balkan nicht gewährleistet. Das ist der Grund, warum sie keine Spenderleber bekommen soll. Erschütternd. Denn: Dem Tod ist die Nationalität eines Menschen egal.

Mitreißender Beitrag zu einem wichtigen Thema. Dank des guten Drehbuchs und starker Schauspieler mehr als nur ein Aufklärungsfilm.