Model-Nöte

GNTM-Umstyling sorgt für Heulkrämpfe und reichlich Drama

Bei „Germany’s next Topmodel“ stellen sich Heidi Klums Kandidatinnen ihrer Urangst: dem Umstyling. Eine trifft es besonders hart.

Berlin.  Es gibt gute Gründe, Angst zu haben. Höhe ist zum Beispiel so einer. Die Begegnung mit einem Bären in freier Wildbahn. Die Aussicht, dass Heidi Klum noch ewig auf ProSieben senden könnte. Aber Scheren?

Doch genau dieser Anblick ist es, der die Kandidatinnen von „Germany’s next Topmodel“ in Folge Vier der Castingshow in pure Panik versetzt. „Ist das ‘ne Schere?“, quiekt eine hysterisch, „oh mein Gott, das ist ‘ne Schere!“ Warum plötzlich dieser Horror vor handelsüblichen Schneideutensilien? Ganz einfach: ProSieben bittet zum Umstyling. Jahaha, DAS Umstyling! Dieses sadistische Ritual, bei dem unbescholtene Mädchen genötigt werden, ihr Allerheiligstes in die Hände von Menschen zu geben, die wissen, was sie tun. Die aus langen langweiligen Haaren eine Frisur machen. Die die Mädchen noch besser aussehen lassen als ohnehin schon. Da muss es einem doch schaurig-kalt den Rücken runterlaufen.

Kurze Haare haben ein Imageproblem

Tatsächlich dauert es keine fünf Minuten, da bricht die erste GNTM-Kandidatin in Tränen aus. Die 19-jährige Kim ist mit den Nerven am Ende. Die Damokles-Schere schwebt über ihrer blonden Wallemähne. Nur drei Zentimeter sollen davon übrig bleiben. Kim fleht, winselt um Gnade, droht mit Boykott. Doch Modelmama Heidi regiert mit harter Hand: „Vielleicht müssen wir dich dann nach Hause schicken.“

Wenn das Umstyling eine Erkenntnis bringt, dann die hier: Kurze Haare haben ein Imageproblem. Bis zur Schulter und nicht weiter, lautet das Credo vieler Mädchen. Alles darüber sind Männerfrisuren. Immer wieder erfrischend, diese emanzipierte Denkweise. Klar, krasse Typveränderungen können leicht Identitätskrisen auslösen – vor allem, wenn die Persönlichkeit bisher nur über die Haarlänge definiert wurde. „Du bist nicht nur besonders wegen deiner langen Haare“, versucht Heidi Kim zu beruhigen, „das ist nicht das, was dich ausmacht.“ Für die 19-Jährige offenbar eine völlig neue Erkenntnis.

Kims Freund redet sich um Kopf und Kragen

Schließlich gibt sich Kim einen Ruck. Die anderen Mädels halten Händchen, atmen mit ihr gemeinsam tief ein und aus als ginge es hier um eine Geburt. ProSieben gibt sich alle Mühe, das epochale Ereignis dramatisch zu inszenieren. Die Musik schwillt an, die Münder der übrigen Kandidatinnen stehen offen, einige können nicht hinsehen. Ein Mädchen wird später sagen: „Ich fand’s gerade sooo unnormal schlimm.“ Dann: Auftritt der Schere. In Zeitlupe. Ratsch!

Einen Tag später ist Kim noch immer nicht begeistert von ihrem neuen Pixie-Look, da kommt so ein aufbauender Videoanruf bei ihrem Liebsten gerade recht. Doch der gute Alex, besser bekannt als „Honeeeyyy“, hat wohl seine Hausaufgaben im Umgang mit Frauen nicht gemacht. Als er begreift, dass Kims Haarschnitt keine Perücke ist, hält er sich entsetzt die Hand vor den Mund und sieht aus, als würde er jeden Moment selbst losheulen wollen. „Das ist halt heftig, Babe.“ „Findest du es so furchtbar?“, fragt Kim. Und Honey nur so: „Furchtbar ist ein hartes Wort.“ Der Mann hat’s drauf.

Nur eine bekommt kein Foto

Gut für Kim, dass sie sich ihr Selbstwertgefühl auch alleine zurückholen kann. Denn in den Shootings wie beim Haute-Couture-Walk durch eine Kirche schlägt sie sich super. Und merkt selbst: „Das Gesicht kommt jetzt halt viel besser zur Geltung. Manchmal ist es doch gut auf Experten zu hören.“

Auf deren Meinung hätte Cindy in dieser Woche wohl verzichten können. Sie ist die einzige, die kein Foto erhält. Immerhin: Sie darf mit langen Haaren nach Hause gehen.