Maria Simon

Goldene Kamera-Preisträgerin: „Das Lied kam so aus mir raus“

Die Berlinerin Maria Simon ist mit der Goldenen Kamera als „Beste deutsche Schauspielerin“ ausgezeichnet worden. Ein Gespräch im Anschluss.

Maria Simon mit ihrem Preis, der Goldenen Kamera 2016 als „Beste deutsche Schauspielerin“

Maria Simon mit ihrem Preis, der Goldenen Kamera 2016 als „Beste deutsche Schauspielerin“

Foto: Goldene Kamera

Dreieinhalb Millionen Menschen haben die Verleihung der Goldenen Kamera am Sonnabend im ZDF gesehen. Rund 1200 Gäste feierten in den Hamburger Messehallen. Bei der Aftershowparty traf die Berliner Morgenpost auf Schauspielerin Maria Simon, die für ihre Rolle in „Silvia S. – Blinde Wut“ als „Beste deutsche Schauspielerin“ ausgezeichnet wurde. Die Berlinerin lebt mit Mann, Schauspieler Bernd Michael Lade, und ihren Kindern in Pankow.

Berliner Morgenpost online: Sie werden heute 40 Jahre alt. Da haben Sie sich aber eine schöne Party für ausgesucht.

Maria Simon: Ja, das ist ein besonderer Geburtstag. Zuerst dieser tolle Preis und jetzt feiere ich mit so vielen Leuten. Echt super.

Sind Sie ein „Partytier“?

Nein, überhaupt nicht. Ich werde hier auch bald verschwinden. Ich freue mich zwar riesig über die Gratulationen, aber ich führe nicht so gerne Smalltalk. Meine Familie wartet im Hotel und mit der bin ich am liebsten zusammen.

Sie haben alle fünf Kinder mitgebracht?

Ja, und meinen Mann. Zwei der Kinder habe ich heute mit zur Verleihung gebracht, meinen leiblichen Sohn, der schon 18 ist, und den Sohn meines Mannes. Sie sind ganz schön stolz auf mich.

Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Ich gebe Preisen nicht so eine wahnsinnig große Bedeutung. Ich finde es schön und freue mich, dass meine Arbeit berührt und so ankommt. Aber einen Preis verdient man eigentlich erst, wenn man ungefähr das Alter von Helen Mirren erreicht hat und so viel gespielt hat. Ich müsste da eigentlich noch ein paar Jahre arbeiten. Wenn er für ein Lebenswerk vergeben wird, finde ich ihn am sinnvollsten. Und wenn es Kohle gibt.

Edin Hasanovic, der als Newcomer ausgetzeichnet wurde, kriegt ein Auto.

Ernsthaft? Da sieht man es mal wieder. Die Newcomer: keine Kinder, kriegen aber die Kohle (sie lacht).

Welcher Moment hat Ihnen denn, abgesehen von Ihrer eigenen Auszeichnung, besonders gut gefallen?

Helen Mirren zu erleben. Diese Frau hat mich wirklich berührt. Und sie hat eine unglaubliche Kraft. Was sie alles für Rollen spielen durfte – ebenso Julianne Moore, die auch einen Preis entgegen genommen hat, das ist jedes Mal, wenn man sie spielen sieht, ein intensives Erlebnis. Dass sie hier ist, ist mein persönliches Highlight. Wir haben sogar kurz geredet. Sie sagte: „Wow, lass uns zusammen spielen!“ Das fühlt sich für mich hier alles an wie ein Traum. Bei Dunja Hayalis Dankesrede war ich leider gerade draußen und musste Fotos mit meinem Preis machen. Aber sie muss auch sehr beeindruckend gewesen sein. Es gab viele bewegende Moment an diesem Abend.

Sie haben anstelle einer ausführlichen Dankesrede ein Lied gesungen. Warum?

Das Lied hat natürlich einen politischen Hintergrund, wie auch immer man „politisch“ im engeren Sinne versteht. Gerade als Mutter bin ich sehr wachsam, was die Zukunft für unsere Kinder betrifft. Ich denke sehr ernsthaft darüber nach. Wohin geht die Reise mit unserer Gesellschaft? Das Lied richtete sich einfach an alle Menschen. Liebe dich selbst wie deinen nächsten, nur dann kannst du deinen nächsten auch lieben.

Kam Ihnen die Idee dazu spontan?

Spontan geht so was bei mir gar nicht. Ich bin froh, dass ich den Moment auf der Bühne überhaupt überstanden habe. Ich habe mir vorher überlegt, was wäre, wenn ich gewinne. Ich dachte, ich muss mich jetzt einfach zusammenreißen. Bei solchen Gelegenheiten werden so viele Worte gesprochen. Das Lied kam so aus mir raus. Und ich dachte mir, es gibt bestimmt ein paar Menschen da draußen, die das verstehen.

Sie tragen einen Kimono. Haben Sie ihn extra für diesen Abend gekauft?

Nein, den habe ich schon ganz lange. Darin fühle ich mich wohl. Als ich vor vier Jahren schon mal für die Goldene Kamera nominiert war, habe ich den schon mal rausgeholt und zu meinem ältesten Sohn gesagt: „Guck mal, was ich anziehe.“ Er war völlig entrüstet. „Warum musst Du immer anders sein? Willst Du jetzt allen sagen: „Guckt mal her, ich bin ‘ne Chinesin, oder was?“ Ich hab geantwortet: „Tut mir leid, ich kann nicht anders.“ Später hat er mich dann in den Arm genommen und gesagt: „Ich geh mit dir, egal wie du aussiehst. Du bist für mich die Schönste.“

Bekommt die Kamera einen Ehrenplatz?

Einer meiner Söhne hat schon angekündigt, dass er sie in seinem Kinderzimmer bunkern will. Da bin ich mir aber noch nicht ganz so sicher.