Tatort

Devid Striesow ermittelt in „Totenstille“ unter Gehörlosen

Der neue „Tatort“ aus Saarbrücken: Devid Striesow ermittelt in einer Gehörlosenschule. Ein Fall, der überraschend unorthodox beginnt.

 „Totenstille“ herrscht im neuen „Tatort“: Elisabeth Brück alias Kriminalhauptkommissarin Lisa Marx und Devid Striesow alias Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink

„Totenstille“ herrscht im neuen „Tatort“: Elisabeth Brück alias Kriminalhauptkommissarin Lisa Marx und Devid Striesow alias Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink

Foto: SR/Manuela Meyer

Berlin.  Man kann nicht sagen, dass Kommissar Stellbrink ein höflicher Mensch ist. Nehmen wir diese Situation: Eine tote Frau ist aus der Saar geborgen worden, Würgemale am Hals. Offenbar hat sie sich vorher in einem Hotelzimmer aufgehalten. Nun steht Stellbrink vor der Rezeptionistin des Hotels. Er sagt nicht: „Könnten Sie mir bitte das Zimmer aufschließen?“ Er sagt: „Geben Sie mal Schlüssel.“ Seinen Motorradhelm lässt er bei ihr auf dem Tresen stehen: „Schön drauf aufpassen.“

Stellbrink gibt seinen Mitmenschen gern das Gefühl, Dienstboten oder Handlanger zu sein. Was sie von ihm denken, schert ihn wenig. Aber weil er nicht nur aus einer Eigenschaft besteht, zum Beispiel eine zarte Beziehung zu seiner roten Vespa pflegt und sich mit Hingabe in etwas Neues vertiefen kann, schillert seine Figur schön interessant vor sich hin – was natürlich auch an Devid Striesow liegt, der dem Ermittler genau jene verschrobene Wehrhaftigkeit leiht, die wir aus vielen anderen Filmen mit ihm kennen.

Ein Krimi, der als Einführung in die Gebärdensprache dient

Diesmal führen ihn seine Ermittlungen in die Welt der Gehörlosen. Im selben Hotel, deren Angestellte sich von Stellbrink anherrschen lassen muss, fand zum Todeszeitpunkt der Frau ein Leichenschmaus für den Leiter einer Gehörlosenschule statt. Es gibt also eine Reihe möglicher Zeugen, mit denen es der Kommissar und seine Kollegin Marx nun zu tun bekommen – verkörpert von Menschen übrigens, die auch im wirklichen Leben ohne Gehör sind. Ein Kunstgriff dieses Krimis besteht darin, ihre Gebärdensprache nur im Ausnahmefall mit Untertiteln zu erläutern – und den Zuschauer damit in dieselbe manchmal ratlose Lage zu versetzen, die für Menschen ohne Gehör zum Lebensgefühl gehört.

Das Drehbuch schrieb Grimme-Preisträger Peter Probst zusammen mit der gehörlosen bekannten Bloggerin Julia Probst. Man muss diesem „Tatort“ neben Devid Striesow zugutehalten, dass auf diese Weise ein sehr glaubwürdiger Blick in ein Milieu entstanden ist, für das sich die Öffentlichkeit sonst viel zu wenig interessiert. Damit aber genug des Lobes. Denn der Rest des Films schleppt sich, man muss es leider sagen, doch etwas lustlos dahin. Noch eine zweite Frau wird tot aufgefunden, diesmal ist es eine Gehörlose.

Verlorener Sohn taucht plötzlich auf

Und weil wir bereits wissen, wer am ersten Tod zumindest aktiv mitbeteiligt war, entwickelt sich das klassische Mördersuchspiel nun aus diesem zweiten Fall. Es gibt einen verlorenen Sohn, der plötzlich aufgetaucht ist – obwohl er, wie die Ermittler seltsamerweise erst spät erfahren, schon für tot erklärt worden war. Es gibt eine zurückgewiesene Liebhaberin, die vor Eifersucht fast zerspringt und sich im Tanzstudio wild ihre Energie aus dem Leib tanzt. Es gibt eine bodenlos traurige Mutter. Es gibt jemanden, der erpresst und jemanden, der sich erpressen lässt. Es gibt, um es kurz zu machen, die üblichen Verdächtigen.

Fazit: Dieser „Tatort“ beginnt überraschend unorthodox. Dann strandet er im Konventionellen.

ARD, 20.15 Uhr