Man kann nicht sagen, dass Kommissar Stellbrink ein höflicher Mensch ist. Nehmen wir diese Situation: Eine tote Frau ist aus der Saar geborgen worden, Würgemale am Hals. Offenbar hat sie sich vorher in einem Hotelzimmer aufgehalten. Nun steht Stellbrink vor der Rezeptionistin des Hotels. Er sagt nicht: „Könnten Sie mir bitte das Zimmer aufschließen?“ Er sagt: „Geben Sie mal Schlüssel.“ Seinen Motorradhelm lässt er bei ihr auf dem Tresen stehen: „Schön drauf aufpassen.“

Stellbrink gibt seinen Mitmenschen gern das Gefühl, Dienstboten oder Handlanger zu sein. Was sie von ihm denken, schert ihn wenig. Aber weil er nicht nur aus einer Eigenschaft besteht, zum Beispiel eine zarte Beziehung zu seiner roten Vespa pflegt und sich mit Hingabe in etwas Neues vertiefen kann, schillert seine Figur schön interessant vor sich hin – was natürlich auch an Devid Striesow liegt, der dem Ermittler genau jene verschrobene Wehrhaftigkeit leiht, die wir aus vielen anderen Filmen mit ihm kennen.

Ein Krimi, der als Einführung in die Gebärdensprache dient

Diesmal führen ihn seine Ermittlungen in die Welt der Gehörlosen. Im selben Hotel, deren Angestellte sich von Stellbrink anherrschen lassen muss, fand zum Todeszeitpunkt der Frau ein Leichenschmaus für den Leiter einer Gehörlosenschule statt. Es gibt also eine Reihe möglicher Zeugen, mit denen es der Kommissar und seine Kollegin Marx nun zu tun bekommen – verkörpert von Menschen übrigens, die auch im wirklichen Leben ohne Gehör sind. Ein Kunstgriff dieses Krimis besteht darin, ihre Gebärdensprache nur im Ausnahmefall mit Untertiteln zu erläutern – und den Zuschauer damit in dieselbe manchmal ratlose Lage zu versetzen, die für Menschen ohne Gehör zum Lebensgefühl gehört.

„Totenstille“ am Tatort in Saarbrücken

Neuer Fall für Devid Striesow als Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink am „Tatort“ Saarbrücken: Während in einer Gaststätte ein Leichenschmaus für den bekannten Leiter einer Gehörlosenschule stattfindet, kommt beim Sex im Hotelzimmer ein Stockwerk höher eine Frau ums Leben. „Totenstille“ heißt der ARD-Krimi, der am Sonntag, 24. Januar, um 20.15 Uhr läuft.
Neuer Fall für Devid Striesow als Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink am „Tatort“ Saarbrücken: Während in einer Gaststätte ein Leichenschmaus für den bekannten Leiter einer Gehörlosenschule stattfindet, kommt beim Sex im Hotelzimmer ein Stockwerk höher eine Frau ums Leben. „Totenstille“ heißt der ARD-Krimi, der am Sonntag, 24. Januar, um 20.15 Uhr läuft.© SR/Manuela Meyer | ard
Die Frau, mit der Georg Weilhammer (Martin Geuer) Sex gehabt hat, ist dabei ums Leben gekommen. Er ruft einen Freund an, der beim Wegschaffen der Leiche helfen soll.
Die Frau, mit der Georg Weilhammer (Martin Geuer) Sex gehabt hat, ist dabei ums Leben gekommen. Er ruft einen Freund an, der beim Wegschaffen der Leiche helfen soll.© SR/Manuela Meyer | ard
Der gehörlose Ben Lehner (Benjamin Piwko) hat Georgs Gespräch am Telefon von den Lippen abgelesen und versucht hinterher, Georg zu erpressen.
Der gehörlose Ben Lehner (Benjamin Piwko) hat Georgs Gespräch am Telefon von den Lippen abgelesen und versucht hinterher, Georg zu erpressen.© SR/Manuela Meyer | ard
Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) nimmt die Ermittlungen auf.
Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) nimmt die Ermittlungen auf. © SR/Manuela Meyer | ard
Unterstützt wird Stellbrink von Kriminalhauptkommissarin Lisa Marx (Elisabeth Brück).
Unterstützt wird Stellbrink von Kriminalhauptkommissarin Lisa Marx (Elisabeth Brück).© SR/Manuela Meyer | ard
Welche Rolle spielt Kassandra (Kassandra Wedel)?
Welche Rolle spielt Kassandra (Kassandra Wedel)?© SR/Manuela Meyer | ard
Spusi-Chef Horst Jordan (Hartmut Volle) untersucht den Tatort ganz genau.
Spusi-Chef Horst Jordan (Hartmut Volle) untersucht den Tatort ganz genau.© SR/Manuela Meyer | ard
Lisa Marx und Jens Stellbrink tauchen in die Welt der Gehörlosen ein.
Lisa Marx und Jens Stellbrink tauchen in die Welt der Gehörlosen ein.© SR/Manuela Meyer | ard
Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink lernt am PC Gebärdensprache.
Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink lernt am PC Gebärdensprache.© SR/Manuela Meyer | ard
Stellbrink verhört Ben Lehner.
Stellbrink verhört Ben Lehner.© SR/Manuela Meyer | ard
Stellbrink taucht bei Familie Weilhammer auf – Georg wird nervös.
Stellbrink taucht bei Familie Weilhammer auf – Georg wird nervös. © SR/Manuela Meyer | ard
Auch Marc Reichert (Franz Hartwig) und seine Mutter Hilde (Lena Stolze) bekommen Besuch.
Auch Marc Reichert (Franz Hartwig) und seine Mutter Hilde (Lena Stolze) bekommen Besuch.© SR/Manuela Meyer | ard
Marc ist über das Erscheinen von Ben und Ambra Reichert (Jessica Jaksa) nicht begeistert.
Marc ist über das Erscheinen von Ben und Ambra Reichert (Jessica Jaksa) nicht begeistert.© SR/Manuela Meyer | ard
Marc Reichert (Franz Hartwig, li.) und Ben Lehner (Benjamin Piwko) haben einiges zu klären.
Marc Reichert (Franz Hartwig, li.) und Ben Lehner (Benjamin Piwko) haben einiges zu klären.© SR/Manuela Meyer | ard
Gebärden-Dolmetscherin Kaiser (Mira-Esther Weischet) unterstützt Stellbrink und Polizeihauptmeisterin Mia Emmrich (Sandra Maren Schneider, stehend) bei den Ermittlungen.
Gebärden-Dolmetscherin Kaiser (Mira-Esther Weischet) unterstützt Stellbrink und Polizeihauptmeisterin Mia Emmrich (Sandra Maren Schneider, stehend) bei den Ermittlungen. © SR/Manuela Meyer | ard
Jetzt wird’s gefährlich: Polizeihauptmeisterin Mia Emmrich (Sandra Maren Schneider) stellt Ben Lehner (Benjamin Piwko), am Boden Devid Striesow als Kriminalhauptkommissar Stellbrink.
Jetzt wird’s gefährlich: Polizeihauptmeisterin Mia Emmrich (Sandra Maren Schneider) stellt Ben Lehner (Benjamin Piwko), am Boden Devid Striesow als Kriminalhauptkommissar Stellbrink.© SR/Manuela Meyer | ard
Was geht denn da? Stellbrink mit Kassandra.
Was geht denn da? Stellbrink mit Kassandra. © SR/Manuela Meyer | ard

Das Drehbuch schrieb Grimme-Preisträger Peter Probst zusammen mit der gehörlosen bekannten Bloggerin Julia Probst. Man muss diesem „Tatort“ neben Devid Striesow zugutehalten, dass auf diese Weise ein sehr glaubwürdiger Blick in ein Milieu entstanden ist, für das sich die Öffentlichkeit sonst viel zu wenig interessiert. Damit aber genug des Lobes. Denn der Rest des Films schleppt sich, man muss es leider sagen, doch etwas lustlos dahin. Noch eine zweite Frau wird tot aufgefunden, diesmal ist es eine Gehörlose.

Verlorener Sohn taucht plötzlich auf

Und weil wir bereits wissen, wer am ersten Tod zumindest aktiv mitbeteiligt war, entwickelt sich das klassische Mördersuchspiel nun aus diesem zweiten Fall. Es gibt einen verlorenen Sohn, der plötzlich aufgetaucht ist – obwohl er, wie die Ermittler seltsamerweise erst spät erfahren, schon für tot erklärt worden war. Es gibt eine zurückgewiesene Liebhaberin, die vor Eifersucht fast zerspringt und sich im Tanzstudio wild ihre Energie aus dem Leib tanzt. Es gibt eine bodenlos traurige Mutter. Es gibt jemanden, der erpresst und jemanden, der sich erpressen lässt. Es gibt, um es kurz zu machen, die üblichen Verdächtigen.

Fazit: Dieser „Tatort“ beginnt überraschend unorthodox. Dann strandet er im Konventionellen.

ARD, 20.15 Uhr