Fernsehen

Trauen Sie nicht dieser Bank: „Die Pfeiler der Macht“

Christian Schwochow verfilmt Ken Follett. Sein Zweiteiler erzählt von Aufstieg und Fall einer Dynastie und bleibt doch Schmonzette.

Die Maskerade sitzt, doch das gesellschaftliche Parkett ist rutschig: Solly Greenbourne (Albrecht Abraham Schuch) und seine Frau Masie (Laura de Boer)

Die Maskerade sitzt, doch das gesellschaftliche Parkett ist rutschig: Solly Greenbourne (Albrecht Abraham Schuch) und seine Frau Masie (Laura de Boer)

Foto: ZD / BM

Wenn englische Roman- oder Filmtitel ins Deutsche übertragen werden, geht gerne mal etwas schief. Man denke nur an die Actionkomödie „Mo’ Money“ von 1992, die hierzulande tatsächlich komplett sinnlos „Meh’ Geld“ hieß – es gibt noch viele andere Beispiele, im Netz kursieren lange Listen.

Im Falle von Ken Follets Historienschinken „Die Pfeiler der Macht“, der in England und Amerika schwer übersetzbar als „A Dangerous Fortune“ verkauft wird, hat man allerdings aus der Not eine Tugend gemacht.

Denn „Die Pfeiler der Macht“ klingt natürlich einerseits genau nach dem schicksalsschweren Melodram, um das es sich handelt. Andererseits zielt der Titel auch auf den Namen der Familie im Mittelpunkt der Handlung.

Follett erzählt, unterfüttert von vielfachen historischen Bezügen, auf über 600 Seiten von Aufstieg und Fall der britischen Bankiersdynastie Pilaster in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts - und mischt in sehr vorhersehbarer, sprachlich oft bedrückend karger Weise Intrigen, Dramen und Klischees zu einer Art „Buddenbrooks“- Version für die Bahnhofsbuchhandlung. Man kann das schnell weglesen, aber man hat es ebenso schnell wieder vergessen.

Dies sollte man bei diesem Zweiteiler vorwegschicken, den das ZDF am Montag und am Mittwoch jeweils um 20.15 Uhr ausstrahlt. Regie geführt hat Christian Schwochow, von dem wir zuletzt gute Filme sahen, die in der jüngeren Vergangenheit der deutschen Teilung spielten: „Der Turm“ von 2012 etwa, der den gespreizten Wälzer Uwe Tellkamps über das Dresdner Bildungsbürgertum mutig entschlackte. Oder „Bornholmer Straße“, ausgestrahlt kurz vor dem 25. Jahrestag des 9. November 1989, einer der besten Fernsehfilme über die Maueröffnung.

Nun wagt er sich in die sozialen Gegensätze des viktorianischen Zeitalters. Dabei hatte er mit acht Millionen Euro zwar nicht annähernd so viel Geld im Budget, wie bei der Verfilmung anderer Follett-Schinken wie „Die Säulen der Erde“ oder „Die Tore der Welt“ zur Verfügung standen.

Aber es wurde gut eingesetzt, um eine versunkene Zeit atmosphärisch zu beschwören. Gedreht wurde in Dublin und Umgebung, wo sich alle Kulissen finden, die diese Geschichte braucht: die des harten Arbeiterlebens zwischen Straße und dunkler Stube ebenso wie die des glänzenden Reichtums mit Schlössern, Gärten und Kostümen.

Der erste Teil schlägt aus diesem Kontrast größeres Kapital als der zweite. Angetrieben wird die Geschichte von der unerfüllten Liebe zwischen Hugh Pilaster, dem Spross der mächtigen Bankiersfamilie, und der aus dem Armutsviertel stammenden Masie. Die beiden Rollen sind mit dem Briten Dominic Thorbourn und der Niederländerin Laura de Boer gut besetzt – aber sie sind auch flach, weil nur herzensgut und nur im Ausnahmefall mehrdeutig oder schillernd.

Wie in den meisten seiner Romane arbeitet Follett auch hier mit Charakteren, die zwischen Schwarz und Weiß keine Graustufen kennen. Das ist dem Film leider deutlich anzumerken.

Aber es macht Spaß, in den Nebenrollen all die bekannten deutschen Fernsehgesichter zu sehen, die man sonst eher in der Alltagskluft der Gegenwart begrüßen darf. Axel Milberg als Samuel Pilaster etwa, der Perücken trägt, die Donald Trump entworfen haben könnte.

Ihm fällt die Rolle des homosexuellen Paradiesvogels zu, der durch die Intrigen der machtgierigen Augusta Pilaster (Jeannette Hain) zu Fall gebracht wird. Die sorgt sich nämlich vordergründig um die Zukunft ihres Sohnes Edward (Daniel Strässer), der in der Erbfolge des Bankhauses hinter Samuel rangiert - und in der Hauptsache um die eigene Macht.

Also lässt sie gezielt Gerüchte über Samuels sexuelle Neigung streuen, die ihn in Salons und Gesellschaften schnell zum Aussätzigen machen. Was für die Guten gilt, ermüdet nur leider auch auf der anderen Seite: die Bösartigkeit Augustas und ihr verbissener Ehrgeiz sind nur ein Etikett, hinter dem sich wenig verbirgt.

Während der erste Teil noch aus seiner sozialhistorischen Seite Spannung bezieht, rutscht der zweite ungefiltert in die Herzschmerzkolportage. Daran kann auch Yvonne Catterfeld nichts ändern. Sie spielt die Sängerin Nora Pilaster, für die sich Hugh anstelle der schwierigen Verbindung zu Masie entschieden hat. Die wiederum quält sich mit dem halbinfantilen Solly Greenbourne (Albrecht Abraham Schuch) herum. Dann geht alles bergab. Die Verfilmung nimmt sich viele Freiheiten gegenüber der Vorlage heraus. Aber sie konserviert ihren kitschigen Kern.

„Die Pfeiler der Macht“: ZDF, 25. und 27. Januar , je 20.15 Uhr