Interview

Für die ARD erlebt Anna Loos die Leiden einer Politikerin

Im Polit-Drama „Die Stadt und die Macht“ spielt Anna Loos eine Anwältin, die eher zufällig für Berlins Bürgermeisteramt kandidiert.

Susanne Kröhmer (Anna Loos) findet sich auf einmal im Wahlkampf um das Amt des Regierenden Bürgermeisters von Berlin wieder.

Susanne Kröhmer (Anna Loos) findet sich auf einmal im Wahlkampf um das Amt des Regierenden Bürgermeisters von Berlin wieder.

Foto: ARD / ARD/Frédéric Batier

Berlin.  In der neuen Mini-Serie „Die Stadt und die Macht“ (Di, Mi, Do, je zwei Doppelfolgen, ARD, 20.15 Uhr und 21 Uhr) von Regisseur Friedemann Fromm („Weissensee“) geht es um die Intrigen in einem Wahlkampf und die Frage: Was macht die Macht mit uns? Bereits jetzt wird die Reihe mit dem US-Hit „House of Cards“ verglichen. Thomas Thieme spielt mit, genauso wie Burghart Klaußner, Martin Brambach und vor allem: Anna Loos.

Sie gehört zu den beliebtesten TV-Gesichtern des Landes, doch von deutscher Parteienpolitik hält sie sich lieber fern. Peter Zander traf Anna Loos (45) anlässlich ihrer neuen Polit-Serie „Die Stadt und die Macht“ und sprach mit ihr über Engagement.

Für den Dreh ihrer Serie wurden Wahlplakate mit Ihnen aufgestellt. Wie war das, durch die Straßen zu fahren und sich zu sehen?

Anna Loos: Die haben da echt die Straßen zugepflastert, damit man nicht immer nur dieselbe Ecke dreht. Das ist nur merkwürdig, weil die genau auf den Aufsteller montiert wurden, auf die sonst die echten Wahlplakate hinkommen. Für mich blieb das ganz fiktiv, das gehört halt zur Figur. Aber meine Band hat das viel stärker wahrgenommen. . Die haben mich alle angerufen und gemeint, so ’ne Werbung bräuchten wir mal, wenn wir mit unserem neuen Album „Wutfänger“kommen.

Hatten Sie für ihre Rolle als Berliner Kandidatin eine Persönlichkeit aus der Tagespolitik im Auge?

Loos: Nein. Ich habe mir die Politikerinnen dieses Landes angeschaut, aber keine gefunden, die sich als Vorbild geeignet hätte. Natürlich kenne ich ein paar Politiker privat und hab die auch ausgefragt. Aber es geht ja in der Serie um den Blick hinter die Kulissen, ich brauchte da eher Insiderwissen über Partei und-Wahlkampfarbeit, keine Anregungen für eine bestimmte Figur.

Die Frage kriegen Sie jetzt wohl ständig zu hören: Könnten Sie sich denn vorstellen, selbst einmal in die Politik zu gehen?

Loos: Das werde ich in der Tat jetzt öfter gefragt. Aber nein, das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Null. Mir tun alle Politiker leid, egal welcher Couleur. Sehen Sie sich doch unser Land an und all die Probleme, die da gerade aufpoppen. Von Politikern wird ständig erwartet, dass sie Lösungen parat hätten, auf die wir selbst nicht kommen. Das finde ich total vermessen. Ich bin Künstler und als solcher kann ich sagen, was ich will. Es kann mir auch schnurz sein, ob sich jemand bei Facebook darüber aufregt. Als Politiker geht das nicht, da unterliegt man so vielen Zwängen.

Sie engagieren sich aber trotzdem. Sie sprechen auch unliebsame Wahrheiten aus, kritisieren etwa die Rüstungsindustrie oder die Pegida.

Loos: Natürlich tue ich das. Ich gehe auch in Flüchtlingsheime und nehme meine Kinder mit. Das ist auch wichtig, dass man eine Meinung hat und dazu steht. Und sich nicht versteckt, wenn andere dummes Zeug reden. Man ist doch auch immer politisch. Zuhause haben mich meine Kinder gefragt, was da gerade in Köln war. Und da versuche ich einem 13-Jährigen und einem achtjährigen Mädel zu erklären, was da los war.

Welcher Partei, dürfen wir das fragen, stehen Sie denn nahe?

Loos: Das habe ich heute meinen Mann auch gefragt, wen wir denn wählen würden, wenn jetzt Wahlen wären. Ich konnte das nicht beantworten. Das ist sehr deprimierend.