DSDS

Leberwurst und Langeweile - Deutschland sucht den Superstar

Sie grölen und knödeln wieder, die Kandidaten der neuen Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“. Das neue Konzept zündet nicht.

Zum 13. Mal sucht RTL einen Superstar.

Zum 13. Mal sucht RTL einen Superstar.

Foto: Caroline Seidel / dpa

Berlin.  Er hat es irgendwie drauf angelegt. Warum brachte Jannik, der 18-jährige Pfälzer Bub’ mit der Gitarre, ausgerechnet Leberwurst-Brot mit zu seinem Auftritt? Und warum reagierte er nach der Jury-Abfuhr auch so ungehalten? Da muss man mit Witzen über beleidigte Leberwürste rechnen. Dabei war der Vergleich noch recht harmlos. Denn auch in der neuen Staffel der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“ teilt die Jury wieder gewohnt hart aus.

„Deine Stimme klingt scheiße“, urteilte Chef-Juror Dieter Bohlen nach Janniks Lied „Die Lewwerworscht“ (kein Scherz). Er sei Berufsmusiker, spiele in vier Bands, hat der 18-Jährige vor seinem Auftritt noch großspurig verkündet. Doch die Jury, die neben Bohlen in diesem Jahr aus Scooter-Frontmann H.P. Baxxter, Schlager-Sternchen Michelle und Schlager-Neuling Vanessa Mai besteht, war wenig angetan. „Das war nix, das war Schrott.“ Nach dem unschönen Abgang von Jannik sprach Bohlen vom „größten Arschloch.“

„Dieter Bohlen, du scheiß verrückter Penner“

Markige Sprüche gehören halt zum Konzept der RTL-Show. Irgendwie muss man die Zuschauer ja bei Laune halten. Auch in dieser Staffel, in der angeblich alles anders sein soll. Es soll keine musikalischen Schubladen mehr geben, jeder Musikstil sei willkommen. Das soll die Show wohl fit machen für die Zukunft. Denn wirklich spannende Momente gab es in den vergangenen Jahren nicht. Überraschungen auch nicht. Echte Talente? Mangelware. Die Kandidaten: austauschbar. Wer hat noch gleich die vergangene Staffel gewonnen?

Da braucht man eben durchgeknallte Kandidaten, die sich zum Affen machen – ob freiwillig oder nicht. Ob von RTL für die Blödelei engagiert oder nicht. Kandidaten wie Lars zum Beispiel, der so tut als sei er Rapper, der Bohlen „rasieren“ will. „Dieter Bohlen, du scheiß verrückter Penner“, brabbelte der 25-Jährige ins Mikro. „Ich klatsch’ dich an die Wand.“ Man möchte dem jungen Mann einen guten Psychotherapeuten an die Hand geben.

Mit Warp-Antrieb ins Finale

Auch der 27-jährige Daniel hat es nicht in die nächste Runde geschafft. Dabei wollte er doch so gerne ins Finale ziehen – mit Warp-Geschwindigkeit. Die der Remscheider Startrek-Fan allerdings erst noch erfinden muss. Das schafft er aber, da ist er ganz sicher. Er will schließlich mal Physiker werden, wenn er groß ist. Sein Gesang grenzte derweil „an Körperverletzung“, wie H.P. Baxxter fand.

Er musste aber auch leiden, der Hans Peter von der Waterkant, wie RTL den neuen Juror zu Beginn der Show vorstellte. Kandidat Adnan hat seinen Auftritt so versemmelt, dass bei Baxxter die Tränen flossen. „Nein, wir lachen nicht über dich“, log Vanessa Mai dem verunsicherten 17-Jährigen ins Gesicht. Tragisch: Adnan möchte im nächsten Jahr wieder in die Show kommen.

Das martialische Grunzen einer 20-Jährigen

„Das schrillste DSDS aller Zeiten“ hatte RTL im Vorfeld angekündigt. Denn die diesjährige Staffel steht unter dem Motto „No Limits“ – alles ist erlaubt. Aber wenn sich dann wirklich mal jemand was traut, ist es auch nicht gut: Die 20-jährige Melanie sorgte für den Überraschungsmoment der ersten Folge. Sie stimmte den Hit „Run“ von Leona Lewis an. „Auf ihre eigene Art und Weise“, kündigte sie noch an. Doch was dann aus dem zierlichen Persönchen kam, sorgte für große Augen in der Jury: harter „Grunt“. So nennt man das gutturale Grölen im Death Metal; dieses martialische Grunzen (englisch: grunt), das man stabil gebauten Männern mit langen Haaren und Lederjacken zutraut. Aber keiner 20-Jährigen, die sich vor ihrem Auftritt noch schnell den Lippenstift nachzieht.

RTL sollte der Jury das neue Konzept erklären

Aber für die zart besaitete Michelle war das nichts. Auch Juror-Kollegin Vanessa Mai war nicht begeistert. Vielleicht sollte RTL ihnen noch mal das neue Konzept der Sendung erklären. Denn wenn nicht mal die Jury mitspielt, zündet das neue Konzept nicht.

Nur H.P. Baxxter fand den Auftritt von Kandidatin Melanie super. Zunächst. Denn Dieter Bohlen überlegte es sich nach seinem anfänglichen Nein noch einmal und rannte der 20-Jährigen hinterher. Was heißt das für Melanie? „Recall“, grölt sie in die Kamera und freut sich. Der vielleicht beste Moment der Sendung.

Und wer ist noch in der nächsten Runde? Der 37-jährige Benjamin, genannt Benny, hat mit einem Lied von Gregor Meyle überzeugt und es in den Recall geschafft. Rapper Marcel ist dabei, ebenso wie Vlada. Sie sang „Dein ist mein ganzes Herz“, in der ursprünglichen Operetten-Version. Vlada ist eine Runde weiter, obwohl sie bei Michelle und Vanessa Mai nicht punkten konnte.

Die Jurorinnen schienen wenig begeistert – sowohl von der Musik als auch von der Kandidatin, die in ihrem bunten Kleid und mit dem nicht perfekt gestylten Lockenkopf wohl nicht ganz ins Superstar-Klischee-Bild passt. Zum Glück fand Bohlen Gefallen an Vlada und schickte sie in die nächste Runde. Und siehe da – plötzlich hängt auch Vanessa Mai ihr Fähnchen in den Bohlen-Wind und findet Vlada „total süß“.

„Jetzt kommt ‘ne Transe“

Ebenfalls im Recall: Friseurin Angelika, aus der Bohlen wohl ein neues Schlager-Sternchen machen will. „Wenn du nicht ganz bescheuert bist, kannst du hier weit kommen.“ Ob Michelle und Vanessa Mai eine weitere Konkurrentin im Schlager-Geschäft zulassen werden? Weniger Konkurrenz dürften die beiden in Kandidatin „Coco Coquette“ sehen, die Michelle mit den netten Worten „Jetzt kommt ‘ne Transe“ ankündigte. Coco ist aber weder Transvestit noch Drag Queen, sondern Pin-up-Girl aus Österreich. Und in der nächsten Runde.

Das große Los des Staffel-Auftakts hat Igor gezogen: Der 19-Jährige fliegt zum Auslands-Recall nach Jamaika. Seine souliges „A Change Is Gonna Come“ hat Bohlen so überzeugt, dass er seinen Joker zog und dem portugiesischen Brasilianer, der seit fünf Jahren in Deutschland lebt, die goldene CD überreichte – das direkte Ticket für Jamaika.