Sie sind die Hoffnungsträger von Pro 7. Sie werden als neue Gesichter der deutschen Samstagabend-Unterhaltungsshow gehandelt. Aber Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf schwächeln. Die letzte Ausgabe von „Joko gegen Klaas – das Duell um die Welt“ in diesem Jahr hat enttäuscht. Einfallslose Spiele, wenig Wortwitz und gefühlt alle zehn Minuten eine Werbepause. Ist die Luft schon raus?

Das Konzept der Sendung ist schnell erzählt: Joko und Klaas treten gegeneinander an, um den Titel des Weltmeisters, des „Königs der Welt“. Die Jungs schicken sich gegenseitig rund um den Globus. In fernen Ländern müssen die Entertainer Aufgaben erfüllen – Aufgaben, die sich der jeweils andere ausgedacht hat. Im Studio gibt’s im Anschluss ein Spiel vor Publikum. Wer das Finalspiel am Ende gewinnt, ist Weltmeister. Sinn und Zweck des Ganzen? Auch das ist schnell erklärt: Wer leidet mehr? Wessen Gesicht sieht schmerzverzerrter aus? Wer gerät schneller an seine Grenzen?

Klaas klebt am Wolkenkratzer

Los geht es am Samstag in Thailand: Klaas Heufer-Umlauf muss sich mit Klebeband befestigt an einen Wolkenkratzer hängen – und Karaoke singen. Zugegeben: Die Songauswahl hätte mit „Always Look On The Bright Side Of Life“ nicht besser sein können. Zu dem Song hing bekanntlich schon Brian, Messias wider Willen in Monty Python’s „Das Leben des Brian“, am Kreuz.

An einem Hochhaus in Bangkok zu kleben mag unangenehm sein. Aber auch nicht unangenehmer als an einem Bungee-Seil befestigt von einer Brücke zu springen. Damit holt man niemanden mehr hinterm Ofen vor. Oder glaubt tatsächlich jemand, Pro7 würde einen seiner Moderatoren an die Wand kleben, wenn wirklich Gefahr für Leib und Leben bestünde?

Für Klaas’ Konkurrenten Joko geht es kurz darauf in die USA. Aufgabe: Beim „Ultimate Taser Ball“ ein Tor erzielen. Denn das ist genau das Ziel dieses ansonsten recht sinnentleerten Spiels. Die wichtigste Regel: Ist ein Spieler in Ballbesitz, dürfen ihn seine Gegner „tasern“. Ihn also mittels Elektroschock-Waffe mit Stromstößen malträtieren. Für den ein oder anderen hämischen Lacher auf der Fernsehcouch dürfte die Aktion gesorgt haben. Für mehr wohl nicht.

„Ich habe Farben gesehen, ich konnte Lichter bewegen“

Später gibt’s dafür eine extra Portion Ekel: Joko hat im Studiospiel falsch gepokert und muss zur Strafe sechs Lippenpflegestifte essen. Würgend und mit Spuckeimer in der Hand schafft er es gerade eben. Klaas: „Ich hoffe, wir sitzen nie beim Arbeitsamt und müssen erklären, was wir vorher gemacht haben.“ Sehr viel mehr Wortwitz hat die Folge nicht zu bieten.

Joko dürfte auch hoffen, so schnell keinen Drogentest machen zu müssen. Denn eine Aufgabe bringt ihn in den Dschungel Ecuadors. Dort muss er „Ayahuasca“ trinken – eine halluzinogene Droge der Einwohner. „Ich habe Farben gesehen, ich konnte Lichter bewegen, ich war auf einem komplett anderen Planeten“, erinnert sich Klaas später. Der Trip hatte aber offenbar auch unangenehme Folgen, wie das Gefühl krabbelnder Würmer im Nacken, die das Gehirn aufweichen. Vielleicht doch lieber keine Macht den Drogen!

Mitleid mit der Anakonda

Mitleid haben Joko und Klaas nicht verdient. Schon gar nicht, wenn sie im Dschungel von Venezuela auf Schlangenjagd gehen – und ihr Opfer in einer für eine Riesenwürgeschlange dann doch vergleichsweise kleinen Anakonda finden. Trotz Fehlversuch fasst Klaas so gekonnt um den Kopf der Schlange, dass es schwer fällt zu glauben, er mache das zum ersten Mal. Statt dem Schlangenbezwinger allerdings Respekt zu zollen, möchte man sich bei dem Tier dafür entschuldigen, für mittelmäßige Samstagabend-Unterhaltung im deutschen Fernsehen herhalten zu müssen.

In der US-amerikanischen Wüste halten Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umland dagegen selbst die Köpfe hin. Sie harren in übergroßen, luftgepolsterten Bowling-Kugeln aus und warten auf den Aufprall mit einem fahrenden Auto. Das bringt die Kugeln und deren menschlichen Inhalt in Schwung Richtung aufgestellter Riesen-Kegel.

Am Steuer sitzt ein alter Bekannter: „Evil“ Jared Hasselhoff, durchgeknallter Bassist der Bloodhound Gang. Der macht an diesem Tag nicht zum ersten Mal Quatsch mit Joko und Klaas. Hat er sich in vergangenen Sendungen mit Vorliebe vor laufender Kamera übergeben, steht er diesmal plötzlich nackt in der Wüste. Warum? Tja, warum nicht, würde er wohl selbst antworten. Geschadet hat es der Sendung nicht. Genutzt aber auch nicht.

Wo sind die Quatschköpfe hin?

Wo sind sie hin, die Quatschköpfe, denen man ihren Spontan-Humor auch abnimmt? Mit denen man in vergangenen Folgen gern gelacht und gelitten hat? Etwa bei Klaas’ Aufgabe, eine Bollywood-Produktion zu sprengen. Oder als er im Taucheranzug durch Budapest stapfte. Oder nach dem Eisbad nach „Luft... Luft...“ schnappte. Unvergessen auch Jokos Ausflug zu einer grasenden Seekuh – in der Annahme, das harmlose Tier sei gemeingefährlich. Wird das „Duell um die Welt“ im nächsten Jahr fortgesetzt, müssen die Ulknudeln wieder her. Sonst geht die Show baden.

Ach ja: Neuer Weltmeister ist Joko. Er hat im Finale eine Mauer schneller eingehauen als Konkurrent Klaas. Spannend geht anders.