Tatort

Der Serienmörder kehrt zurück zum „Tatort“ aus Kiel

Im Kieler Tatort schlüpft Lars Eidinger erneut in die Rolle des Kai Korthals. Ermittler Borowski zeigt dabei seine menschliche Seite.

Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg, li.) mit Serienkiller Kai Korthals (Lars Eidinger, re.)

Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg, li.) mit Serienkiller Kai Korthals (Lars Eidinger, re.)

Foto: NDR/Philip Peschlow

Kiel.  Solche Augen vergisst man nicht. So schön und gleichzeitig so böse. Sie erzählen von Abgründen, von denen man lieber nichts gewusst hätte. Lars Eidinger war als Psychopath im Kieler „Tatort“ vor drei Jahren eine kleine Bildschirmsensation. Ein Täter, der die Zuschauer mitnahm auf eine furchteinflößende Gedankenreise und sie zum Mitwisser seiner kranken Fantasien machte.

Nun ist der Mann, der auf den unauffälligen Namen Kai Korthals hört, zurück im „Tatort“. Und zurück im Leben von Kommissar Borowski und seiner Kollegin Sarah Brandt – gespielt von der Hamburger Schauspielerin Sibek Kekilli – der er einst den Schlaf und das Polizistinnenselbstbewusstsein geraubt hat. Als stiller Mitbewohner schrubbte er sich mit ihrer Zahnbürste die Zähne und verschlang ihre Frühstücksreste. Bis er schließlich nach Dänemark fliehen konnte und die Kieler Polizei leicht angeschlagen bis schwer traumatisiert zurückließ.

Auch der Nachklapp „Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes“ ist mehr ein Gespensterfilm als ein klassischer Rätsel-„Tatort“. Ein kleine Philosophiestunde über Gut und Böse. Wobei das Böse natürlich eiskalt im Vorteil ist. Mit dem Wissen des vorangegangenen „Tatorts“ im Rücken, stellt sich gleich von der ersten Filmminute an eine Beklemmung ein, die 90 Minuten nicht weichen will. Eine junge, verwirrte Frau wird an der Kieler Förde aufgefunden. Sie ist dem Frauenmörder Korthals in die Hände gefallen, hat wenige Tage zuvor seine Tochter auf die Welt gebracht und ist unfähig in Worte zu fassen, was ihr Grauenhaftes widerfahren ist.

Borowski im Liebesglück und wie der Zuschauer ihn nicht kennt

Axel Milbergs Borowski befindet sich unterdessen im Beziehungsrausch. Mit der einstigen Polizeipsychologin Frieda Jung redet er von Liebe und Hochzeit und davon, was es heute zum Abendessen geben soll (Risotto). Sein angeborener Weltekel und die schwermütige Lakonie scheinen verflogen. Borowski im Glück – dieses Vergnügen hatte das Publikum so auch noch nicht. Der Kieler Brummelkommissar, von dem die meisten nur den Nachnamen kennen, ist in diesem Film erstaunlich oft: der Klaus. Er wird menschlich in diesem „Tatort“. Und sehr verletzlich.

„Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes“ kann mit einem doppelten Wiedersehen aufwarten: Maren Eggert als spröde Psychologin war ja nie bloße Figurendekoration im Kommissariat, wie sie in manchen Krimis in Pathologie und Polizeikantine zuhauf herumschwirren. Sie war und ist Borowskis Lichtgestalt. Jemand, die ihm eine Ahnung davon vermittelt, was im Leben möglich ist, wenn alle Verhöre geführt, alle Verdächtigen überprüft sind. Aber so einfach ist es eben doch nicht. Borowski, der sonst die Dinge gerne auf sich wirken lässt, ist in diesem Fall emotional zu stark eingebunden. Es ist an seiner Kollegin Brandt, einen kühlen Kopf zu bewahren. „Wir bleiben sachlich, wir jagen ihn“, erklärt sie ihrem Chef wie einem Polizeischüler.

Fazit: Dies ist auch das Duell zweier Männer, die beide um das kämpfen, was ihnen auf der Welt am kostbarsten ist. Auge um Auge. Es gibt in diesem Kampf keinen Sieger.

ARD, 29. November, 20.15 Uhr