TV-Kritik

„Matterns Revier“: Ermittlungen in Katernberg

Der ARD-Krimi „Matterns Revier“ bedient das Ruhrgebietsklischee: Er zeigt das Revier, wie es einmal war– inklusive Dialekt.

„Der Mama“ – Hansa Czypionka geht in „Matterns Revier“ auf Verbrecherjagd.

„Der Mama“ – Hansa Czypionka geht in „Matterns Revier“ auf Verbrecherjagd.

Foto: ARD/Martin Valentin Menke

Kommissar Haferkamp lange im Ruhestand, der letzte Bulle Mike Brisgau auch nicht mehr im Dienst – höchste Zeit, dass auf dem Bildschirm mal wieder jemand für Ordnung sorgt in Essen. Von heute an ist es im Vorabendprogramm der ARD soweit. Manfred Mattern ermittelt.

Ursprünglich wollten sie diese Serie ja „Der Mama“ nennen. „Fand ich gut“, sagt Hauptdarsteller Hansa Czypionka. „das ist so ungewöhnlich, das weckt Aufmerksamkeit.“ Und es wäre ja nicht mal grammatikalisch verkehrt. Denn der „Mama“ ist kein Kosename für die Mutter, sondern der Spitzname des Fahnders. Doch an Ende haben sie sich umentschieden. Nun heißt die Reihe „Matterns Revier“. „Geht auch“, findet Czypionka.Wobei mit „Revier“ in diesem Fall keine Behörde, sondern ein Ortsteil gemeint ist. Essen-Katernberg. Oder wie er selbst es ausspricht: „Katternberch“

Der Kommissar hat schon zwei Herzinfarkte hinter sich

Mattern ist nämlich gar kein aktiver Polizist mehr. Er ist Frührentner. „Zwei Herzinfarkte“, verrät sein Darsteller. Da hat seine Ärztin – gespielt von Tina Ruland – ihn aus dem Verkehr gezogen. Und er hat sich, weil verwitwet, wieder bei Mutter Evelyn einquartiert. Soll ja Ruhe haben, der Mann.

Hat er natürlich nicht. Nicht mit diesen Freunden. Vor allem Ecki (Roland Riebeling), einst Spitzenkoch, mittlerweile aber Imbissbudenbesitzer, hat das Talent, sich und andere immer wieder in Schwierigkeiten zu bringen. Und Willi (Johannes Rotter) ist zwar eine Seele von Mensch, krummen Geschäften aber nicht abgeneigt.

So sucht nun nicht gerade die Schwerkriminalität das Viertel heim, aber „es gibt Verwicklungen“. Und dann ist Mattern gefragt. „Der regelt datt dann“ – egal ob Ecki zum Auftakt fälschlich für einen Rauschgifthändler gehalten wird oder ein guter Bekannter ausgerechnet im Bordell tot umfällt. Man kann sich jedenfalls aufeinander verlassen. „Kumpelphänomen“, sagt Hansa Czypionka. „Das ist bis heute geblieben.“ Und deshalb, ist er überzeugt, „kann diese Serie auch nur im Ruhrgebiet spielen“. Obwohl man – von einigen wenigen Zwischenschnitten – kaum etwas erkennt von der Region. Denn gedreht wurde überwiegend im Rheinland. „Das werden aber nur Menschen aus Essen merken.“

„Kein realistisches Abbild des Ruhrgebiets“

Der neue Versuch, den Vorabend der ARD zu beleben, ist kein Krimi, aber auch keine Komödie. „Familienunterhaltung“, sagt Czypionka. Man fragt sich nur, warum viele Figuren dabei klingen müssen wie die Erben von Adolf Tegtmeier. Czypionka. „Ich kenne viele Menschen, die immer noch so reden.“

Natürlich, räumt er ein, sei die Serie „kein realistisches Abbild des Ruhrgebietes“. Eher schon eines vom Revier, wie es mal war. Bilder und Geschichten aus einem Mikrokosmos, den es so nicht mehr gibt. „Einen leicht nostalgischen Touch“, bescheinigt Czypionka der Reihe, manchmal durchzogen „von einem Hauch Melancholie“. Wirklich ernst aber wird es selten. „Es geht immer gut aus.“

Ob das auch für die Serie selbst gilt, wird sich zeigen. Acht Folgen sind abgedreht, Czypionka wäre bereit für mehr. Die Haare sind zwar mittlerweile wieder gewachsen, im Gesicht sprießt ein Bart. „Aber für den Mama würde ich das alles wieder stutzen. Ich mag den Mann einfach.“

Fazit: Leichte, manchmal seichte Unterhaltung mit schwerem Ruhrpotteinschlag, aber ein wenig über dem üblichen Vorabendniveau.

K ARD, 17. November, 18.50 Uhr