Er ist ein „eloquenter Plauderer“ und sein „Steckenpferd“ sind „Luxuskarossen“, beschreibt die ARD die Filmfigur Prof. Boerne im Münster-“Tatort“. In der letzten Folge von Ende Mai fuhr der von Jan Josef Liefers verkörperte schnöselige Gerichtsmediziner einen sehr seltenen Wiesmann-Roadster. Im neuen Tatort an diesem Sonntag nicht – das hat seine Gründe.

Bei den Dreharbeiten zur Folge „Erkläre Chimäre“ vor einem Jahr in Münster, Köln und Umgebung kam es beim Dreh zu einem Unfall mit Boernes Film-Wiesmann. Dessen echter Besitzer Michael Möllenbeck, Unternehmern in Langenfeld bei Düsseldorf und Vorsitzender des Wiesmann-Club, ist seitdem sauer auf die Tatort-Produktionsfirma Bavaria in Köln. Nun droht der Streit sogar vor Gericht zu gehen.

40.000 Euro Unfallschaden an Boernes Film-Wiesmann

Rückblick: Möllenbeck hatte der Produktionsfirma seinen schwarzen 360-PS-Roadster auf deren Anfrage hin geliehen. Neupreis: 150.000 Euro. Der Wagen mit Erstzulassung August 2012 ist eines von nur 30 Sondermodellen vom Typ Wiesmann MF 3 CLS und einer der letzten Wiesmann überhaupt. Die Dülmener Sportwagenmanufaktur ging 2013 in Insolvenz. Doch nach dem Dreh war der Wiesmann kaputt – an Felgen, Frontschürze und vor allem am Heck.

So hat Möllenbeck zwar inzwischen 28.000 Euro von einer Versicherung erhalten – davon „lächerliche“ (Möllenbeck) 5000 Euro für den Wertverlust. Tatsächlich aber würde die Reparatur mindestens 40.000 Euro kosten, für den aus dem Verbundmaterial GFK gefertigten Roadster. Grund: Es muss erst die Produktionsform des Wiesmann-Hecks nachgebaut werden. Das koste alleine 27.000 Euro, sagt Möllenbeck: „Der Wiesmann-Insolvenzverwalter will die Originalform nicht verleihen“.

Wiesmann-Roadster soll nur geflickt werden

Die strittigen 40.000 Euro klingen gering, angesichts von durchschnittlich 1,4 Millionen Euro Budget für eine Tatort-Folge, also etwa 15.500 Euro je Filmminute. Bei der Bavaria mag man dennoch nicht einlenken. Es reiche, wenn das kaputte Heck des Wiesmann geflickt werde, habe die Produktionsfirma erklärt, nachdem ihr Möllenbecks Anwalt bis Ende Oktober eine letzte Frist zur Stellungnahme gesetzt hatte. Für den 49-jährigen Unternehmer ist sein Wiesmann jedoch „eine Wertanlage“. Möllenbeck besteht deshalb auf den Austausch der kompletten Heckverkleidung.

Möllenbecks Wiesmann steht seit nun einem Jahr mit nach wie vor kaputtem Heck in der Halle einer Münsteraner Spezialwerkstatt – zum Beweis-Erhalt in einem möglichen Gerichtsprozess. Die Klage gegen die Bavaria will der 49-Jährige „durchziehen“, wie er sagt: „Da legen die sich mit dem Falschen an“.

Für die Filmfigur Prof. Boerne ist es laut Produktionsfirma Bavaria „nicht entscheidend, welches Auto er fährt“, sagt ein Sprecher. Deshalb hat Boerne in den Folgen stets wechselnde Fahrzeuge. Er fuhr bereits Porsche, Mercedes oder Maserati. Das Auto soll „jeweils die Charakterzüge der Figur verdeutlichen“. Daher sei es Prinzip der Folgen aus Münster, „dass die Produktionsfirmen Besitzer interessanter Autos ansprechen“ – um die Autos für den Dreh zu leihen, sagt eine Sprecherin des Senders WDR.

Im neuen Tatort an diesem Sonntag – Titel: „Schwanensee“ – fährt Prof. Boerne am Anfang übrigens mit dem Taxi. Später taucht er dann wieder mit einem Luxus-Auto auf. Diesmal ein Jaguar XK 5,0 V8 Cabrio, Baujahr 2010, heißt es bei der Produktionsfirma Molina Film. Der Wagen sei gemietet. Von einem Autohaus.