„Ich habe mich entschlossen, zum Ende dieses Jahres meine Fernsehschuhe an den Nagel zu hängen“, so zitierte ProSieben am Mittwoch in einer Pressemitteilung Stefan Raab - und überraschte damit zu später Stunde. Nach mehr als 16 gemeinsamen Jahren werde er Ende 2015 seine letzte TV-Show moderieren. Die Mitteilung war erst nach 22 Uhr auf der Website des Senders zu sehen.

Dass die Nachricht von seinem Rückzug am Mittwoch erst spät bekannt wurde, hat auch mit einer seiner Stärken zu tun: Hartnäckig hatte er gegenüber dem Sender darauf bestanden, erst sein Team darüber informieren zu dürfen, damit dieses es nicht aus dem Netz erfahren müsse.

Raab hat sich immer eine große Unabhängigkeit bewahrt gegenüber allen, die plötzlich an seiner Seite tanzen wollten. Dazu gehört auch die konsequente Weigerung, irgendetwas aus seinem Privatleben der Öffentlichkeit zum Fraß vorzuwerfen. Dass Raab mit seiner Lebensgefährtin zwei Töchter hat, ist schon alles, was man darüber weiß. Es reicht vollkommen.

Mit ihm verlässt ein großer Entertainer zu einer Zeit die Bühne, in der sein Medium mit seinen festen Sendezeiten, seiner Quotenfixierung und dem unhandlichen Möbel namens Fernseher insgesamt im Sinkflug ist. Raab begann seine Bildschirmkarriere Anfang der 90er Jahre beim Musiksender Viva. „TV Total“ moderierte er nach Senderangaben bislang 2180 Mal, hatte zuletzt aber mit sinkenden Quoten zu kämpfen. Neben dem Adolf-Grimme-Preis wurde er mit dem Deutschen Fernsehpreis, dem Comedy-Preis und dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet.

ProSieben-Senderchef Wolfgang Link erklärte nun: „Sollte er jemals einen Rücktritt vom Rücktritt in Erwägung ziehen: Bei ProSieben stehen ihm alle Türen offen.“

BM