Undercover-Einsatz

Vermeintlicher Pegida-Demonstrant war RTL-Reporter

Der Journalist wurde vom NDR-Magazin „Panorama“ interviewt und vertrat ausländerfeindliche Ansichten. Im Nachhinein gab er zu, als Reporter bei der Demonstration in Dresden gewesen zu sein.

Foto: NDR

Mitten in der Debatte um die Bewertung der Pegida-Bewegung von Dresden ist das NDR-Politmagazin „Panorama“ in seiner Sendung vom 18. Dezember einem falschen Rechtsradikalen auf den Leim gegangen. Der Mann gab vor der Kamera vor, ausländerfeindliche Ansichten zu vertreten. Im Nachhinein gab er jedoch zu, dass er inkognito als Reporter des TV-Senders RTL auf der Demonstration gewesen sei. Der Mann – vom NDR wird er als Felix Reichstein benannt – beteuerte später gegenüber „Panorama“, eigentlich anderer Ansicht zu sein.

„Panorama“-Redaktionsleiter Volker Steinhoff äußerte sich am Sonnabend empört: „Das geht gar nicht! Damit gibt man denen ein gutes Argument, die immer ‚Lügenpresse‘ rufen.“ Der Reporter habe damit der Glaubwürdigkeit von Journalisten einen Bärendienst erwiesen.

Die Reaktion von RTL fiel nüchtern aus. In der fraglichen Situation habe der Reporter die Möglichkeiten gehabt, entweder nichts zu sagen, sich als Kollege zu outen – oder in der gespielten Rolle eines Pegida-Anhängers zu verbleiben, heißt es in einer Erklärung auf der Website von RTL vom Sonnabend. „Er entschied sich für Möglichkeit drei – und traf damit die eindeutig falsche Entscheidung. Seine Aussagen geben weder seine Meinung noch die von RTL wieder.“ Eine Entschuldigung des Fernsehsenders erfolgte jedoch nicht.

85 Prozent der Bundesbürger würden nicht an Pegida-Demos teilnehmen

Die Panne zeigt, wie schwierig die Berichterstattung über die noch junge Bewegung ist, die vor rund zwei Monaten in Dresden ihren Ursprung nahm und inzwischen Ableger in mehreren ost- und westdeutschen Städten hat. So entschuldigte sich ZDF-„heute journal“-Moderatorin Marietta Slomka im Hinblick auf einen Beitrag vom 16. Dezember über Pegida dafür, dass sie den Münchner Michael Stürzenberger als vermeintlich normalen Bürger interviewt hatten. Stürzenberger ist tatsächlich aber Landesvorsitzender der Partei Die Freiheit in Bayern, die seit März 2013 vom bayerischen Verfassungsschutz wegen Islamfeindlichkeit beobachtet wird. Dies wurde der Redaktion erst nach der Sendung bekannt.

Nach einer Emnid-Umfrage im Auftrag des Magazins „Focus“ würden 85 Prozent der Bundesbürger nicht an Demonstrationen für Pegida-Ziele teilnehmen. Dabei war die Ablehnung in der Altersgruppe der über 65-Jährigen mit 92 Prozent am höchsten. Die höchste Zustimmung für die Pegida fand sich bei den 14- bis 29-Jährigen.