Es gab einiges aufzuarbeiten nach der Sendung von vergangener Woche, und deshalb war wieder Russlands Präsident das Thema. Das Interview mit Putin, das bei Jauch ausgestrahlt worden war, hatte viel Schelte journalistischer Kollegen nach sich gezogen – es sei zu brav, zu wenig konfrontativ, eine verpasste Chance gewesen. Jauch zitierte in seiner Anmoderation auch Artikel, die, aus welchen Gründen auch immer, in der letzten Ausgabe seiner Sendung eine journalistische Sternstunde erblickt hatten. Nun jedenfalls übte sich die Runde bei Jauch in fortgesetzter Kreml-Astrologie.
Sie zerfiel dabei in zwei Fraktionen: Liedermacher Wolf Biermann, der Putin schon einmal eine „blutige Nachgeburt des Stalinismus“ genannt hat, und FDP-Außenpolitikexperte Alexander Graf Lambsdorff vertraten die skeptische, in Biermanns Fall sogar angewiderte Sicht auf Putins letzte Schritte: Es habe sich bei den Vorkommnissen auf der Krim um eine Annexion und einen Bruch des Völkerrechts gehandelt. Biermann sprach von einem „heißen Krieg“ des russischen Präsidenten und beklagte mit dem ihm eigenen Pathos das Fehlen großer politischer Persönlichkeiten auf der Gegenseite: es brauche doch jetzt einen Talleyrand, einen Metternich, einen Brandt „oder auch nur diesen furchtbaren de Gaulle“.
Kompetenzscharmützel um das Völkerrecht
Dazu fiel einem gleich so vieles ein, dass man ganz verwirrt war. Kein Wunder jedenfalls, dass niemand Biermann auf diesen Nebenkriegsschauplatz folgen wollte. ARD-Russland-Expertin Gabriele Krone-Schmalz versuchte im Hinblick auf die Krim den Begriff der Sezession ins Spiel zu bringen – und behauptete in einem lupenreinen Zirkelschluss, ein Bruch des Völkerrechtes liege nicht vor, weil dort dieser Begriff gar nicht aufscheine. Hier verwickelte sie sich mit Alexander Graf Lambsdorff in ein kleines Kompetenzscharmützel, in dem Lambsdorff die überzeugendere Rolle spielte: das Völkerrecht erkläre eine Abspaltung dann für statthaft, wenn es zuvor zu einer dauerhaften und nicht mehr erträglichen Gewaltausübung seitens des jeweiligen Staates gekommen sei. „Im Kosovo war das der Fall“, sagte Graf Lambsdorff, „in der Ukraine nicht.“
Und auch Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) blieb auf dem moderierenden Kurs, für den er jüngst vielfach kritisiert wurde. Er hatte für eine völkerrechtliche Regelung der neuen Situation auf der Krim plädiert, was in dieser Knappheit dann doch selbst Parteikollegen aus der SPD irritierte. In dieser Verkürzung wollte er den Satz nicht wiederholen. Seine Hoffnung sei aber, dass sich Kiew und Moskau in naher Zukunft über den völkerrechtlichen Status der Krim verständigen würden. Da klang ein bisschen viel Wunschmusik durch an diesem Sonntagabend im Schöneberger Gasometer.

![Der Publizist Hellmuth Karasek hält am 09.03.2014 in Kiel (Schleswig-Holstein) die Laudatio auf den ungarischen Schriftsteller György Konrad, der im Rahmen der "Woche der Brüderlichkeit" die Buber-Rosenzweig-Medaille der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit verliehen bekam. Foto: Markus Scholz/dpa [ Rechtehinweis: usage Germany only, Verwendung nur in Deutschland ] Der Publizist Hellmuth Karasek hält am 09.03.2014 in Kiel (Schleswig-Holstein) die Laudatio auf den ungarischen Schriftsteller György Konrad, der im Rahmen der "Woche der Brüderlichkeit" die Buber-Rosenzweig-Medaille der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit verliehen bekam. Foto: Markus Scholz/dpa [ Rechtehinweis: usage Germany only, Verwendung nur in Deutschland ]](https://img.sparknews.funkemedien.de/134629258/134629258_1423774951_v16_9_1200.jpeg)

