Man muss nicht lang nachdenken, um die Vorbilder für das derzeit erfolgreichste „Tatort“-Ermittlerduo zu finden. Der schnöselige Gerichtsmediziner Boerne und der Fußballfan Thiel verhalten sich zueinander wie Waldorf und Statler aus der „Muppet Show“ oder wie Walter Matthau und Jack Lemmon in ungezählten Filmkomödien: Sie sind schlecht gelaunt, gehen sich ungeheuer auf die Nerven und können doch nicht voneinander lassen.

Das ist gerade deshalb lustig, weil es so vorhersehbar ist – oder sagen wir besser: mit schicksalshafter Logik geschieht. Nehmen wir nur eine Szene aus dem heutigen „Tatort“. Die kleinwüchsige Gerichtsmedizinerin Silke Haller, von Boerne spöttisch Alberich genannt, feiert Geburtstag. In einem Nebenraum ist der hypochondrische Boerne mit Selbsterforschung beschäftigt: Er glaubt an Leberkrebs erkrankt zu sein und sucht deshalb seinen Bauchraum mit Hilfe eines Ultraschallgeräts ab. Natürlich platzt nun Thiel herein und sagt, was er sagen muss: „Na, wann ist es denn soweit?“

Tanz auf der Klamaukgrenze

Das ist nicht komisch, weil es sonderlich originell wäre. Komisch ist es, weil Thiel es sagen muss. Im „Tatort“ aus Münster ist vieles zwangsläufig: er muss Pointen setzen an der Grenze zum Klamauk (und auch gern einmal darüber hinaus) und trotzdem spannend bleiben. Im Lauf der Jahre hat sich so aus einem Krimiformat mit lustigen Elementen eine Komödienserie mit kriminellem Aspekten entwickelt – und die Frage ist, wann das Markenzeichen zum Ballast wird.

In einem Münsteraner Park beobachtet eine Schülerin, wie ein Mann mit einem durch Büsche verdeckten anderen Mann in Streit gerät. Sie sieht, wie der Unbekannte dem Mann eine Spritze in den Oberschenkel rammt und dieser daraufhin zusammenbricht. Nachdem man sein Leben im Krankenhaus zunächst retten kann, kriegt er wieder Besuch, diesmal mit tödlichem Ausgang.

Ist Boerne dem Tod geweiht?

Auch Boerne begibt sich, allerdings freiwillig, in die Hände von Medizinern. Die Leber. Ist er tödlich erkrankt? Selbst Thiel mag den Gedanken nicht, man kann es ihm ansehen. Boerne jedenfalls beginnt im Krankenhaus zu ermitteln und stößt schnell auf allerlei Merkwürdigkeiten. Es geht um Medikamentenfälschung und die Möglichkeit, sensationelle Gewinnspannen zu erwirtschaften. Das geht so: Man deklariert harmlose Substanzen wie zum Beispiel Kochsalzlösung zu hochwirksamen Medikamenten um, wie sie etwa in der Chemotherapie verwendet werden. Der Patient stirbt dann zwar, aber kann er sich dann noch beschweren? Eben.

Man kann jetzt natürlich an allem Möglichen herummosern: Dass sich der Plot zum Beispiel schon nach siebzig Minuten im Leerlauf dreht, weil eigentlich alle Fragen beantwortet sind. Oder dass es auch ohne die eine oder andere Knallcharge in den Nebenrollen gegangen wäre. Aber eigentlich ist das müßig, denn so sind sie nun einmal, die „Tatorte“ aus Münster, oft sind sie lustig und nur manchmal ein wenig überdreht. Man sieht den Schauspielern Jan-Josef Liefers und Axel Prahl deutlich an, mit wieviel Spaß sie nach all den Jahren noch bei der Sache sind. Der macht so manche Schwäche im Drehbuch vergessen.