TV-Kritik

Bei „Adam sucht Eva“ gibt es 50 Minuten nackte Haut

Die erste Folge der RTL-Kuppelshow "Adam sucht Eva" hält, was sie verspricht: Die Kandidaten zeigen alles. Doch wirklich gute Unterhaltung jenseits nackter Haut bietet das „Sozial-Experiment“ nicht.

Foto: RTL / Andreas Friese

Die spannendste Frage gleich vorweg: Konnte man was sehen? Ja. Natürlich hielt die Kamera nicht absichtlich drauf, aber wir halten fest: Eva und ihre beiden Adams, sie sind alle rasiert.

Machen Kleider wirklich Leute? Dieser Frage will die RTL-Sendung „Adam sucht Eva“ nachgehen. „Sozial-Experiment“ wird das Ganze auch gleich vom Sender genannt.

Angeblich geht es um vorurteilsfreies Kennenlernen ohne Make-up und Designerklamotten.

Jetzt aber darauf zu schließen, in der Sendung ginge es also nur um innere Werte, wäre absolut falsch. Aufs Äußere kommt es vielmehr an - und nur auf das. Wie die Moderatorin Nela Lee doch so schön sagt: Es zählt nur die „nackte Wahrheit“.

Eva muss sich für ihren Adam entscheiden

Kurz zum Setting: Auf einer einsamen Insel im Südpazifik werden zwei Singles ausgesetzt. Jeder reist allein an, auf einem Floß, schwimmt dann völlig nackt an Land und lässt alles andere hinter sich. Dann kommt ein dritter Single hinzu. Und am Ende der Show muss sich Eva entscheiden, wer ihr Adam sein soll.

Eva, das ist Ricarda, blond, 23 und Medizin-Studentin aus Köln. Sie trifft auf Thomas, 27 und Berater, ebenfalls aus Köln. Die beiden verbringen einen schönen Tag und eine Nacht zusammen. Allerdings ohne Sex, nur Händchenhalten. Im Paradies.

Sie essen und kochen, alles nackt. Und reden mehr oder weniger Small-Talk. Ein Beispiel: Die erste Begegnung. Handschlag, Küsschen links, Küsschen rechts. Geplänkel. Thomas sagt: „Ich bin gespannt, was es für Tiere hier gibt. Hast du schon was gesehen?“ Nachher sagt er in die Kamera: „Sie gefällt mir gut. Sie hat schöne Augen und einen tollen Arsch.“

Vorbild aus den Niederlanden

Das Vorbild für die Sendung stammt natürlich aus den Niederlanden. Dort erreichte die Show trotz vieler Diskussionen in der Altersgruppe der 20- bis 34-Jährigen eine Erfolgsquote von bis zu 25,6 Prozent.

Nach einem Tag kommt ein zweiter Adam auf die Insel. Es ist Ricardo, 31 Jahre alt, Gastronom. Er sagt: „Mein Körper ist mein Zuhause.“ Und so sieht er auch aus. Viel muskulöser als Thomas. Er soll die Schlange im Paradies spielen und Ricarda und Thomas stören. Und er tut es. Thomas urteilt: „Der Alptraum ist wahr geworden, vor mir stand so ein nackter „Wannabe-Smiley“.

Die beiden treten eine Art Hahnenkampf an, während eigentlich von Anfang klar ist, dass am Ende doch Thomas das Rennen machen wird. Denn der Konkurrent, den RTL ins Paradies geschickt hat, gibt sich zu siegessicher und lächelt die ganze Zeit. Die Sympathien liegen ganz klar bei Thomas.

Und dann entscheidet sich die blonde Eva am Ende auch für ihn. Sie sagt: „Bei Thomas und mir war es von Anfang an so eine Vertrauensbasis.“

Ein angezogenes Treffen als Belohnung

Zur Belohnung dürfen die beiden sich dann angezogen treffen. Und sie sind begeistert, er in Jeans und T-Shirt und sie in einem weißen Kleid. „Ich bin überwältigt“, sagt Thomas. Und jetzt darf sich Thomas noch einmal entscheiden. So als ob ihre Kleidung ihn jetzt noch abschrecken könnte. Ja, klar, Kleidung ist ja ein Abbild des Charakters. Aber Thomas entscheidet sich auch für sie. Zur gemeinsamen Belohnung dürfen die beiden eine Nacht in einem Luxushotel verbringen.

Ist das „Sozial-Experiment“ jetzt also geglückt? Knapp 50 Minuten nackte Körper, zugegeben schöne, und eine tolle einsame Insel, Sonne, Strand, Natur, der Kram. Aber mehr ist wirklich nicht passiert. Und wenn erst einmal die erste Begegnung überstanden ist, dann plätschert die Sendung so dahin.

Es reicht also nicht für eine gute Unterhaltung, nur blank zu ziehen. Da hätte sich RTL schon mehr Mühe geben müssen. Fazit: Nutzen Sie die Zeit zu später Stunde auf jeden Fall anders.