Von wegen, Nomen est Omen. „Happy“ wird Kameramann Stefan Glück (Niels Bormann) von fast allen genannt, die ihn kennen. Doch dann verlässt ihn das Glück und er liegt ermordet im Kofferraum seines ausgebrannten Autos – „den Kopf verschmolzen mit dem Verbandskasten“, wie Rechtsmediziner Dr. Joseph Roth (Joe Bausch) anschaulich schildert. „Showtime“ im Tatort Köln (Sonntag, 12. April, 20.15 Uhr, ARD).

Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) übernehmen. Und Letzterer wird ganz aufgeregt, als er erfährt, dass der Tote zum Team von „Sachen und Lachen“ gehört hat, einer seit einer halben Ewigkeit laufenden TV-Show, in der Moderator Frank Anders (Max Giermann) und seine Frau Caro (Silvina Buchbauer) komplizierte Dinge kindgerecht und lustig aufbereiten.

„Tatort Köln“: Hinter den Kulissen des Fernsehgeschäftes

Keine Folge hat Freddie einst mit Enkelin Frida verpasst. Und deshalb betritt er die Studios der TV-Produktionsfirma fast ehrfürchtig, um Kollegen und Kolleginnen des Opfers die Todesnachricht zu überbringen. Ganz anders als Kollege Ballauf, für den der „Kultmoderator“ ein völlig Unbekannter ist. „Ich habe früher Winnetou gehört.“

Tatort: Showtime
Starkes Team, das immer noch neue Facetten gewinnt: Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, r) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, l) im Einsatz.© WDR/Bavaria Fiction | Martin Valentin Menke

„Nach über 90 Fällen für Ballauf und Schenk war es für uns einfach höchste Zeit, dass sie mal den Bösewichten hinter den Kulissen des Fernsehgeschäfts das Handwerk legen“, sagt Arne Nolting, einer der Autoren. Gemeinsam mit Jan Martin Scharf hat er die Geschichte entwickelt, sich dabei nach eigenen Angaben aber „immer weiter von realen WDR-Kinderfernsehproduktionen und darin involvierten Personen entfernt – die nämlich alle sehr nette Menschen und jeder mörderischen Tendenz unverdächtig sind“.

Listiger Onkel wird schnell zum zynischen Choleriker

Im „Showtime“ sind viele das nicht. Recht schnell jedenfalls legen die beiden Ermittler den Verdacht ad acta, der schwer spielsüchtige „Happy“ sei wegen hoher Schulden in diversen Wettbüros getötet worden. Stattdessen fragen sie sich, warum Glück erst wenige Tage vor seinem Tod eine Gehaltserhöhung von 100 Prozent bekommen hat. War da etwa Erpressung im Spiel?

Überhaupt merken die Fahnder, dass die heile Welt des Kinderfernsehens hinter den Kulissen völlig kaputt ist. Vor allem der bei Kindern so beliebte Frank Anders entpuppt sich bald als ein Mann mit zwei völlig unterschiedlichen Gesichtern, der sich vom lustigen Onkel binnen Sekunden in einen zynischen Choleriker verwandeln kann, wenn die Kameras aus sind. „Ein Arschloch“, sagt Schenk, dessen anfängliche Begeisterung binnen kürzester Zeit verschwunden ist. „Vielleicht sogar ein mordverdächtiges Arschloch.“

Denn plötzlich meldet sich ein Zeuge, der den Moderator am Tatmorgen in unmittelbarer Nähe des Fundorts der Leiche gesehen hat. Aber Anders ist nicht der einzige Verdächtige. Schließlich hat die KTU auch Fasern vom Kostüm des Puppenspielers Yassin Meret (Erkan Acar) neben dem ausgebrannten Autowrack gefunden. Ballauf und Schenk rätseln noch, da geschieht ein zweiter Mord und lenkt den Fall in eine neue – bald allerdings etwas vorhersehbare – Richtung.

Tatort: Showtime
Schlagabtausch auf offener Bühne. Der Puppenspieler Yassin Meret (Erkan Acar, l) bietet dem Moderator Frank Anders (Max Giermann) die Stirn.© WDR/Bavaria Fiction | Martin Valentin Menke

Da ist allerdings auch schon das Einzige, was man an diesem Tatort kritisieren kann. „Showtime“ hat Tempo, eine moderne Bildsprache mit oft geteiltem Bildschirm und trotz der zwei Toten einen ganz beiläufigen Humor, wie man ihn nur noch selten findet in deutschen Krimis. Achten Sie nur mal auf das Orientierungsvermögen der beiden Kommissare.

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Viel wichtiger noch: Auch nach 95 Folgen aus Köln zeigen Behrendt und Bär keine Ermüdungserscheinungen und schaffen es, ihren Figuren Ballauf und Schenk noch ein paar neue Facetten zu verleihen. Und wie so oft in den Fällen aus der Domstadt werden sie von einem Ensemble unterstützt, das bis in die Nebenrollen hinein großartig besetzt ist. Erwähnt sei dabei einmal mehr Roland Riebeling als Kommissar Norbert Jütte, dessen Figur entscheidend zur Lösung des Falls beiträgt.

Max Giermann ist der Star der Episode

Star der Folge ist allerdings Max Giermann. Bisher vor allem bekannt durch seine grandiosen Parodien von Klaus Kinski, Dieter Bohlen oder Oliver Kahn, ist er ein echter Glücksgriff in der Rolle des Frank Anders. Der gebürtige Freiburger selbst sagt, es sei eine „besondere Herausforderung“ gewesen, „sich in diesen exzentrischen Charakter hineinzuführen und eine imaginäre Welt zu erschaffen“. Er hat sie gemeistert.

Bewertung: 5/5 Sterne
Sonntag, 12. April, 20.15 Uhr, ARD