Wenn Kevin Kühnert (SPD) und Philipp Amthor (CDU) nebeneinandersitzen, treffen zwei politische Karrieren im Zeitraffer aufeinander – beide Mitte 30, beide längst bundesweit bekannt, aber in sehr unterschiedlichen Rollen. Kühnert hat die Parteifunktion abgelegt und formuliert bei „Maischberger“ den eigenen Rollenwechsel fast programmatisch: Er wolle seine SPD „nicht, nachdem ich die Ämter verlassen habe, von der Seitenlinie kommentieren“ und habe erlebt, „wie mittelmäßig gewinnbringend“ das sei.
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Parteibindung auf dem Rückzug: Kühnerts Diagnose des Parteiensystems
Aus dieser Halbdistanz analysiert er nüchtern, dass Parteibindung „überall auf dem Rückzug“ sei. Viele Wähler hätten heute ein breites Spektrum möglicher Parteien, und vor allem „Pragmatismus“ zähle – eine Diagnose, die sich mit der aktuellen Umfrageflaute vieler Parteien und der zunehmenden Volatilität im deutschen Parteiensystem decke.
Amthor sitzt ihm als Regierungsvertreter gegenüber und wirkt deutlich stärker gebunden. Er betont das „Privileg, Dinge entscheiden zu können“ und den Zweck von Politik, „inhaltlich einen Unterschied zu machen“, macht sich damit aber automatisch angreifbar für konkrete Entscheidungen, etwa bei Sozialreformen.
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Bürgergeld-Reformen: Amthor wirbt für strengeren Sozialstaat
Während Kühnert erkennbar versucht, nicht als Stichwortgeber seiner früheren Partei zu agieren, nutzt Amthor jede Gelegenheit, die CDU als Kraft des Ausgleichs zu zeichnen – etwa wenn er beim Bürgergeld davon spricht, man müsse „für die wirklich Bedürftigen einen funktionierenden Sozialstaat sichern, aber die Grenzen des Missbrauchs klarer ziehen“. Aus seiner Sicht ist das auch ein Signal an frühere SPD-Wähler, die sich von sozialpolitischen Debatten entfremdet haben.
Das Gespräch über Bürgergeld, Sanktionen und „Lifestyle-Teilzeit“ verdichtet gleich mehrere sozialpolitische Debatten zu einer Grundsatzfrage: Wie viel Zumutung ist gerecht? Kühnert zeigt sich skeptisch, wenn jemand nach drei verpassten Terminen „auf Null“ gesetzt werden kann, und kündigt an, gespannt auf das Bundesverfassungsgericht zu schauen – ein Verweis auf frühere Urteile zu Hartz-IV-Sanktionen, bei denen das Gericht enge Grenzen gesetzt hatte.
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Kühnert kritisiert falsche Erwartungen durch Wahlkampfversprechen
Er definiert „sozial gerecht“ als den Weg zurück in Arbeit, kritisiert aber, dass SPD und CDU aus jeweils anderer Richtung Erwartungen geweckt hätten. „Jetzt sehen die Leute: Die großen Summen kommen da nicht bei rum.“ Die Union hatte im Wahlkampf Einsparungen durch die Abschaffung des Bürgergeldes in Aussicht gestellt.
„Zuallererst sollte man sich doch in der Regierung fragen: Was bringt es fürs Land?“, sagt Amthor. Die Formel „Fördern und Fordern“ greift er auf und verschärft sie rhetorisch: „Nur mit Fördern und Fordern, nur mit Leistung werden wir es schaffen, das Land wieder auf einen guten Kurs zu bringen.“
In der Lifestyle-Teilzeit-Debatte wiederum überrascht Kühnert, wenn er fragt: „Was hat die Politik da eigentlich zu suchen?“ – worauf Amthor halb im Scherz konstatiert, Kühnert werde „fast noch zum Wirtschaftsliberalen“. Diese lakonische Irritation legt offen, wie sehr die Debatte um Teilzeit längst zwischen Arbeitsmarktlogik, Freiheitsversprechen und moralischer Wertung pendelt.
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Alice Schwarzer bei Maischberger: Feminismus und Frauen im Iran
Im zweiten Teil der Sendung mit Alice Schwarzer ist der Ausgangspunkt der Blick auf Frauen im Iran und Schwarzers Biografie, eingebettet in eine feministische Tradition, die sich seit Jahrzehnten mit Patriarchat und Gewalt auseinandersetzt. Maischberger versucht, die Ambivalenz einer Ikone sichtbar zu machen, die zwischen historischen Verdiensten und aktuellen Kontroversen pendelt.
Zunächst sind sich beide einig, wenn sie Mark Zuckerberg mit „Zwergpudelfrisur“ und Silberkette für seine schwärmerischen Aussagen zur „neuen Männlichkeit“ in großen Tech-Konzernen kritisieren; Schwarzer nennt ihn einen „Softie“, der für ein Männerbild steht, das Machtfragen ausblendet. Dann aber kippt der Ton.
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Schwarzer kritisiert Schönheitsideale junger Frauen
Schwarzer beginnt einen pauschalen Rundumschlag gegen junge Frauen, die sich „dünn, glatt, schön“ trimmen ließen und „total verblöden“ würden. Maischberger widerspricht deutlich und erinnert daran, dass sich viele dieser Frauen selbst als emanzipiert begreifen.
Schwarzer aber bleibt bei der Abwertung, spricht „jungen Mädchen“ den geistigen Anspruch ab und reduziert den „Sinn des Lebens“ in ihrer Beschreibung auf „glatte Haut“. Als es um Beauty-Eingriffe geht, sagt sie: „Aufgespritzte Lippen sehen entsetzlich aus“, manche Frauen hätten „den Realitätssinn verloren“.
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Alice Schwarzer distanziert sich bei Maischberger von der AfD
Maischberger hält dagegen, man könne sehr wohl „aufgespritzte Lippen und kluge Gedanken“ haben, und setzt mit dem Satz „Oder es sind einfach Modern Times, und man versteht es nicht“ einen Punkt, der Schwarzer sichtbar irritiert. Die Szene bündelt ein zentrales Dilemma des Abends: Wie viel Wertung erträgt eine Debatte über Körper, Freiheit und Anpassungsdruck, bevor sie in Antifeminismus umschlägt – und wie offensiv muss eine Moderatorin intervenieren, ohne den Gast bloßzustellen?
Am Ende ringt Maischberger Schwarzers eine klare Distanz zur AfD ab. Nach einigem Sträuben erklärt die 83-Jährige, sie habe „in meinem Leben kein positives Wort zur AfD gesagt“. Damit schließt die Sendung mit der Zusicherung, dass eine der bekanntesten Feministinnen des Landes trotz aller Irritationen nicht ins rechtspopulistische Lager driftet – und zeigt zugleich, wie brüchig Vertrauen werden kann, wenn Kritik an Schönheitsidealen in pauschale Verachtung umschlägt.






![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)




