Hoffnung aufzugeben, ist nie schön. Zu diesem existenziellen Schluss kommt die Sicherheitsexpertin Claudia Major am Donnerstagabend bei Markus Lanz. 

Schon die ganze Woche kreiste die Talkshow um die Themen Verteidigung, Wehrdienst und Krieg. Nachdem Veteraninnen und Veteranen über die psychischen Folgen von Kriegseinsätzen gesprochen hatten und junge Menschen über eine mögliche Rückkehr der Wehrpflicht diskutierten, soll die letzte Runde der Woche nun die politische Perspektive liefern.

„Wir haben in den letzten 30 Jahren in Deutschland geglaubt, dass wir in einer friedlicheren Weltordnung angekommen sind”, erklärt Major. Diese Annahme sei in den vergangenen Jahren allerdings erschüttert worden. Gerade von jungen Menschen verlange die neue sicherheitspolitische Realität deshalb enorm viel. Sie müssten akzeptieren, dass ein Weltbild, mit dem sie aufgewachsen sind, nicht mehr trägt. 

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Harald Welzer bei Lanz: „Die Romantisierung von Krieg ist eine große Gefahr”

Der Sozialpsychologe Harald Welzer fordert in diesem Zusammenhang vor allem eines: Ehrlichkeit. Nach drei Generationen in Frieden sei der Krieg aus dem Erfahrungshorizont der Menschen verschwunden. Umso wichtiger sei es, „ernsthafter, konkreter und weniger abstrakt“ darüber zu sprechen, was Krieg tatsächlich bedeutet. Denn: „Die Romantisierung von Krieg ist eine große Gefahr”, betont Welzer und bekommt prompt Zustimmung vom Co-Vorsitzenden der Linken, Jan van Aken.

Auch er habe die Erfahrung gemacht, dass im Bundestag oft zu technisch über Kriege gesprochen werde. Dabei werde verdrängt, was Krieg tatsächlich bedeutet: „Da spritzt das Blut, die Menschen sind tot, das Gehirn fliegt weg. Das ist Zerstörung, Gewalt und Schmerz.” 

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Bundeswehr-Soldat berichtet von Kriegstrauma

Wie stark Soldatinnen und Soldaten unter den Einsätzen leiden können, zeigt auch ein Einspieler von Ex-Hauptfeldwebel Andreas Rückewoldt, der bereits zu Wochenbeginn in der Sendung zu Gast war. Rückewoldt berichtet von Einsätzen in Bosnien und Kosovo, bei denen er auch mit Brandleichen konfrontiert war. „Wir sind militärisch für den Einsatz korrekt ausgebildet worden, (...), aber auf solche Situationen kann dich keiner vorbereiten”, erzählt er. Ihm sei es danach psychisch sehr schlecht gegangen.

„Ist das ein Berufsrisiko?“, fragt Lanz spitz bei CDU-Politiker Roderich Kiesewetter nach. Dieser widerspricht: „Es ist die Folge von der Unplanbarkeit, der Unberechenbarkeit, der Wirkmacht des Krieges.” Zugleich räumt Kiesewetter in der Sendung ein, dass die Nachsorge für traumatisierte Soldaten essenziell sei. 

Mit Blick auf die Hunderttausenden von ukrainischen Soldaten forderte er Perspektiven für die Zeit nach dem Krieg, um so eine Retraumatisierung zu verhindern. Etwa durch den Wiederaufbau der zerstörten Städte. An dieser Stelle wird der Ton in der Sendung kurz scharf. „Jetzt werde ich tatsächlich ein bisschen böse”, fährt van Aken den CDU-Politiker an. Kiesewetter könne doch nicht ernsthaft den Wiederaufbau als Form der Traumabewältigung darstellen. „Damit reden Sie dieses Trauma so winzig klein”, kritisiert er Kiesewetter, wird aber kurz darauf selbst von Lanz in die Mangel genommen.

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Linken-Chef Van Aken über möglichen Kampf für Deutschland

Der Moderator will wissen, ob van Aken selbst zur Waffe greifen würde, um Deutschland zu verteidigen. Er zögert kurz, stellt dann jedoch fest: „Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, mit der Waffe in der Hand für dieses Land zu kämpfen.” Flucht sei ja auch ein guter Reflex. Gleichzeitig betont er, dass er nicht wisse, wie er im Ernstfall tatsächlich reagieren würde und erzählt von Gesprächen mit linken Politikerinnen und Politikern in der Ukraine. Viele von ihnen hätten früher ähnlich gedacht, doch als der Krieg tatsächlich begann, habe sich etwas verändert: „In der konkreten Situation haben die gesagt: Wir verteidigen jetzt hier unsere Freiheit auch mit der Waffe in der Hand.‘“

Gegen Ende der Sendung, die wieder einmal zahlreiche Themen abdeckt, lenkt Lanz den Fokus noch einmal auf die Frage nach nuklearen Aufrüstung. Es gebe aktuell „enormen Zweifel, ob die USA noch da sind”, räumt Major ein. Europa müsse überlegen, wie mögliche Sicherheitslücken geschlossen werden können. Etwa durch den Aufbau einer nuklearen Abschreckung um Frankreich und das Vereinigte Königreich.

Eine Welt ohne Atomwaffen bleibe weiterhin ein Ziel, betonte Major. Gleichzeitig müsse man anerkennen, dass sich die sicherheitspolitische Lage verändert habe: „Wenn europäische Staaten jetzt sagen, wir verzichten auf die Atomwaffen, würden sich diese Staaten und damit ganz Europa der nuklearen Erpressung durch Russland preisgeben.“