Über uns, aber definitiv nicht für uns: Im jüngsten Bremer „Tatort“-Fall „Wenn man nur einen retten könnte“ (ARD) reiht sich Klischee an Klischee über die Gen Z. 90 Minuten Fremdschämen. Das Mordopfer Annalena Höpken, eine arme Jurastudentin, ist drogenabhängig und lebt nur von Konservenkost (natürlich!). Ihr Tod löst keineswegs Mitgefühl bei ihren Mitbewohnern aus. Der lokale Clubbesitzer, der nebenbei Drogen vertickt und sich später als Zuhälter entpuppt, reagiert als Erster mit einem lockeren „Çüş“. Willkommen im öffentlich-rechtlichen Zerrbild einer Generation – meiner Generation.

Dabei sind die Themen tatsächlich wichtig: Einsamkeit, Leistungsdruck, Geldsorgen, Wohnungsnot, mentale Gesundheit. Der „Tatort“ stellt zwar Figuren aus unterschiedlichen Milieus vor, reduziert sie am Ende aber alle auf vermeintliche Selbstzerstörung und Drogenkonsum – das schlussfolgern jedenfalls beide Ermittler regelmäßig. Berechtigte Sorgen der jungen Generation werden abgewertet und Vorurteile über sie gefestigt. Anstatt Verständnis für sie zu wecken.

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Zoe Bigall ist derzeit Volontärin im Ressort Leben in der FUNKE Zentralredaktion.© FUNKE Foto Services | Socrates Tassos

Generation Z: Im Bremer „Tatort“ sind wir gut im Konsumieren von Drogen

Ist das also das Bild, das viele von uns haben? Wir sind unzuverlässig (das Mordopfer Annalena fehlt in der Uni). Wir sind gleichgültig (die Mitbewohner lernen für Prüfungen, statt zu trauern). Wir sind nicht beziehungsfähig (die kleine Schwester des Mordopfers verliebt sich in den Zuhälter, und die neueste Mitbewohnerin schläft gleich in der ersten Nacht mit dem reichen Schnösel-Vermieter). Aber vor allem scheinen wir aus „Tatort“-Sicht eines zu sein: Arschlöcher. Beim nächsten Mal gerne weniger Boomer-Brille!