Barfuß und rußgeschwärzt, ein schmutziges Stofftier mit sich ziehend, läuft die kleine Zoe Gebken (Tesla Tekin) durch die nächtlichen Straßen. Die Kleine sucht ihre Mutter, die tot im Flur ihres Hauses liegt, durch das noch die Schwaden eines gerade erloschenen Feuers ziehen. Und da ahnt man schon. Dieser Dortmund Tatort wird wieder einmal keine leichte Abendunterhaltung.
Er wird sogar noch ein wenig düsterer, rauer und beklemmender als viele seiner Vorgänger. Faber (Jörg Hartmann) und Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger) stehen vor einem Fall, der sie in eine Welt führt, in der Gewalt gegen Frauen beinahe zum Alltag gehört. In der Nachbarn wegsehen, wo sie hinschauen, und Arbeitskollegen schweigen, wo sie reden sollten.
Wenn Gewalt gegen Frauen zum Alltag gehört

Die Tote ist Meike Gebken (Nadja Becker). Schnell ist klar, dass sie an einer Rauchvergiftung gestorben ist. Und nicht viel länger dauert es, bis feststeht, dass das Feuer vorsätzlich gelegt worden ist. Dann aber kommen die Ermittler nicht mehr weiter. Wo ist eigentlich Finn Gebken (Caspar Hoffmann), der spurlos verschwundene ältere Bruder von Zoe. Und was weiß Fanny Bellmes (Karolina Lodyga), die beste Freundin von Meike? Immerhin gibt es einen Verdächtigen. Jens Hielscher (Sebastian Zimmler), der zu Gewaltausbrüchen neigende Partner des Opfers, der Meike jahrelang körperlich und psychisch misshandelt hat, gerät sofort unter Verdacht, hat aber ein wasserdicht scheinendes Alibi.
Ermittlerin stößt an ihre Grenzen
Mangels Alternative muss Herzog undercover im Frauenhaus ermitteln, in das sich Meike und ihre Tochter immer wieder geflüchtet hatten. Explizite Gewalt ist in den 90 Minuten nur selten zu sehen, aber zusammen mit den Erinnerungsfetzen der Frauen, die Regisseurin Nana Neul immer wieder einbaut, und in den Gesprächen, die Herzog als vermeintliche Leidensgenossin mit Betroffenen führt, wird sie trotzdem erahnbar. Die psychisch ohnehin angeschlagene Ermittlerin führen diese Unterhaltungen sogar an die Grenze ihrer Belastbarkeit.

Jörg Hartmann gelingt es derweil tatsächlich nach mehr als zehn Jahren noch, seiner Figur eine neue Facette zu verleihen. Zwar ist auch Faber bei der Aufklärung des Falls oft fassungslos, bleibt aber stets Herr der Lage und ermittelt für seine Verhältnisse sehr sensibel und leise. Überhaupt wird „Feuer“ sehr ruhig erzählt, tut sich dabei aber manchmal schwer, die Zuschauer und Zuschauerinnen so zu berühren, wie es die Hauptfiguren laut Drehbuch sind. Die Spannung entsteht durch die langsame Enthüllung familiärer Abgründe. Das Ende ist überraschend, aber konsequent. Denn dieser Tatort ist eher gut gespieltes Sozialdrama als echter Krimi.
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Noch ungewöhnlicher ist allerdings, dass der für seine horizontale Erzählweise bekannte Dortmund-Tatort dieses Mal nahezu auf der Stelle tritt. Neue Entwicklungen werden – wenn überhaupt – nur angedeutet und auf keine der vielen Fragen, die seit Ende der letzten Folge „Abstellgleis“ im Raum stehen, gibt es eine Antwort. Fast scheint es so, als würden alle Beteiligten noch einmal tief Luft holen, bevor sich die Ereignisse in der nächsten Folge möglicherweise überschlagen.
ARD, Pfingstmontag, 20.15 Uhr und anschließend in der Mediathek



