Die Fassungslosigkeit über den Zollkrieg, mit dem Donald Trump die Welt überzieht, war auch bei den Studiogästen von Sandra Maischberger in ihrer Sendung am Dienstag der bestimmende Tenor. Es sei schmerzhaft zu sehen, wie Trump in den USA sich irre, sein Land als „Nabel der Welt“ ansehe und nun glaube, Europa werde amerikanische Autos kaufen, die vier Tonnen schwer seien und 20 Liter Benzin verbrauchten, sagte der Journalist Gordon Repinski („Politico“). Aber er frage sich, wann die Techno-Milliardäre sich gegen ihn wendeten, von Zuckerberg bis Musk, wenn ihre Umsätze und die Börsenkurse sänken.
Die ARD-Börsenexpertin Anja Kohl schilderte die drastischen Folgen der US-Politik anhand der zwölf Millionen Aktienbesitzer in Deutschland und der Lebensversicherungen, die jetzt wegen der sinkenden Börsenkurse massiv verlieren. „Trump ist außer Rand und Band. Ich sehe keine Entspannung in diesem Handelskrieg“, so Kohl. China werde „kämpfen bis zum Schluss“ und wenn die EU jetzt auch mit Gegenzöllen reagiere, sei da das Potenzial „für eine echte Krise“. Am schlimmsten sei die Planungsunsicherheit für Unternehmen, denn Trump sprenge alles – die Lieferketten und die Organisation des Welthandels. Dass Trump und Elon Musk noch lange „beste Freunde“ seien, das glaubt Kohl allerdings auch nicht. Musk hatte sich gegen Zölle ausgesprochen, sein Autokonzern habe schon jetzt die Hälfte seines Wertes verloren. „Wenn Tesla platt ist, dann ist Trump auch platt.“ Trotz allem war Kohl dafür, dass die EU auf eine Verhandlungslösung mit den USA setze.
Kubicki vs. Reichinnek bei „Maischberger“: „Wer von Ihnen redet schneller?“
Das weltpolitische Umfeld wirkt auch auf die deutsche Tagesaktualität ein und so war es dann sogar die Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek (36), die sich in diesen Tagen „eine stabile Regierung“ in Berlin wünscht. Selbst unter einem CDU-Kanzler. Ansonsten konstatierte Reichinnek, dass Trump „völlig planlos“ sei, wo er überhaupt hinwolle, sei unklar und dass man ihn „so nicht agieren“ lassen dürfe. Von Vergeltungszöllen hält die Linke nichts, gut sei aber eine Digitalsteuer, die amerikanische Firmen wie Meta und Google auch in Europa treffe, wo sie Gewinne machten.
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Beim Liberalen Wolfgang Kubicki (73), der nach eigenem Bekunden seine „am Boden liegende Partei“ wieder aufrichten will, stießen solche Töne auf Widerspruch. Er sei dafür, alle Zölle zu schleifen und eine Digitalsteuer würde Digitalprodukte nur teurer machen. Ob er denn für die Nutzung von Facebook oder Instagram etwas zahle, wollte Reichinnek daraufhin wissen und der FDP-Mann geriet etwas ins Schlingern. Das könne dann ja noch kommen.
Mit Reichinnek lieferte sich Kubicki dann einen heftigen Schlagabtausch über die seiner Ansicht nach mögliche Einsparung bei der Entwicklungshilfe, Kinderarmut, die von Familienministerin Paus seiner Meinung nach verpatzte Grundsicherung für Kinder und das nach Ansicht von Reichinnek von der FDP verhinderte kostenfreie Mittagessen für Schüler – einen Dialog, den Moderatorin Maischberger irgendwann mit der Frage beendete: „Wer von Ihnen redet eigentlich schneller?“
Respekt der Linken für den FDP-Mann
Beide nutzten da die Gelegenheit für gegenseitige Sympathiekundgebungen, allen voran Kubicki, der bemerkte, dass er Reichinnek möge, weil sie „frei von der Leber weg“ spreche und im Übrigen sei die Linke eine „authentische Partei“ insofern, als sie, anders als die SPD, angesichts der Unions-AfD-Abstimmung, nicht nach einer Regierungsbeteiligung mit Merz gestrebt habe. Naja, es habe da halt auch einen Unvereinbarkeitsbeschluss der Union mit den Linken gegeben, murmelte da Reichinnek, attestierte dem FDP-Mann Kubicki aber immerhin: „Ich respektiere ihn.“ Beim Schnelldurchlauf von Fragen gab es dann kurioserweise Gemeinsamkeiten von FDP und Linken: Beide sind gegen die Wehrpflicht, gegen deutsche Friedenstruppen in der Ukraine und dagegen, dass ein AfD-Abgeordneter Bundestagsvizepräsident wird.
Am Mittwochmittag wird von einer Pressekonferenz in Berlin erwartet, dass dort eine Einigung der Koalition von Union und SPD verkündet wird. Bis zum Schluss habe man sich da in der Finanzpolitik „verkantet“ bei Fragen, wie Steuerentlastungen gegenfinanziert werden und ob nun eine von der SPD gewünschte Vermögenssteuer komme oder nicht. Der quasi als Schlussgast geladene Schlagersänger Roland Kaiser, ein SPD-Mitglied, sagte, gefragt nach einer möglichen Vermögenssteuer, nur, er sei bereit, „meinen Beitrag zu leisten“. Friedrich Merz sei „freundlich und kompetent“, meint Kaiser und wenn er das gemeinsam mit Lars Klingbeil hinbekomme „schwächt das die Blauen und ist gut für alle“.



![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)


