Natürlich haben Serienmörder etwas Faszinierendes. Besonders, wenn man bis heute nicht weiß, wer dahinter steckt (Jack The Ripper); wenn man durch ihre Taten in tiefste menschliche Abgründe schaut (Haarmann) oder sie sich bis zuletzt als netter Nachbar ausgaben, der unzählige Leichen im Keller hat.
Diesen Ted Bundy, der mindestens 30 Frauen auf dem Gewissen hat, spielte zuletzt Teenie-Star Zac Efron, als er sich im Netflix-Film „Extremely Wicked, Shockingly Evil And Vile“ vor dem unerbittlichen Richterstuhl von John Malkovich verantworten musste. Der Serienmörder als smarter Verführer – ein gewagter, gelungener Move.
Krimi als Katz-und-Maus-Spiel
In „Ted Bundy: No Man of God“ nähert sich nun Regisseurin Amber Sealy dem Phänomen auf psychologische Weise. Basierend auf Original-Transkripten von Gesprächen, die FBI-Agent Bill Hagmaier 1989 als Mitglied einer neuen Profiler-Einheit mit Bundy kurz vor dessen Hinrichtung führte, bekommt der meist im Gefängnis spielende Film einen dokumentarischen, kammerspielartigen Charakter. Ein Krimi als Katz- und Maus-Spiel.
Hier Hagmaier, den Elijah Wood als unbekümmerten Neuling spielt, der sich unbefangen auf das Monster einlässt, um seiner Aufgabe gerecht zu werden: Die Psychologie des Psychopathen zu verstehen – und sich doch langsam hinabziehen lässt in die menschliche Tiefe eines intelligenten, geschmeidigen, irgendwie sympathischen Mannes.
Wenn Frauen zur Projektionsfläche werden
Und dort eben Bundy (brillant: Luke Kirby). Selbstbewusst stellt er die Fragen („Könnten Sie einen Menschen töten?“), sie sprechen über Kinder und Eltern, bis ihn Bundy gar „als besten Freund“ tituliert. Ein Verhör fast als Buddy-Movie – bis zum furiosen Ende, wo sich beide unter Tränen nahe kommen.
Diesem mitreißenden Personen-Drama stellt Sealy die Distanz des Dokumentarischen und Analytischen entgegen. Wir sehen Original-Nachrichtenbilder von Anti-Bundy-Demonstrationen. Und scheinbar beiläufig immer wieder unbeteiligte Frauen durchs Bild laufen – als Projektionsfläche für Bundys Fantasien, von dessen Tiefen der Zuschauer zumindest eine Ahnung erhält. Heraus kommt ein Serienmörder-Film ohne Mord – aber mit viel Spannung und hoher Intensität. Faszinierend.
ThrillerUSA 2021, 100 min.,
von Amber Sealy, mit Elijah Wood, Luke Kirby, Robert Patrick.


