June (Noni Hazlehurst) lebt in einem pinkfarbenen Gefängnis. Schwere rosa Vorhänge, Mobiliar in Tüll und Plüsch, dazu eine Aufseherin, die mit ihr wie jede Woche den „lustigen Freitag“ begehen will. Nein, in so eine Demenzabteilung, die einen vor Fürsorglichkeit und Gemütlichkeit erdrückt, gehört die rüstige Rentnerin so gar nicht.
Unternehmen im Abgrund, Haus verkauft
Und als hätte es das Schicksal so gewollt, hat June plötzlich fünf Jahre nach ihrem Schlaganfall einen hellen Moment: merkt sich auf einmal den Zahlencode am Ausgang und flieht aus der pinken Hölle in die Wirklichkeit ihrer familiären Vergangenheit.
Nur um dort festzustellen, dass sich seit ihrer Einweisung ihre beiden Kinder Ginny (Claudia Karvan) und Devon (Stephen Curry) total zerstritten, das Familienunternehmen in den Abgrund getrieben sowie das Haus verkauft haben. Weswegen sie die Rettung der Sippschaft in die eigene Hand nimmt – bevor die Demenz zurückkehrt.
Roter Ketchup als Warnsignal
„Noch einmal, June“ hat ein überschaubares, aber höchst sympathisches Drehbuch. Dass es der auf Kurzfilme spezialisierte Neuseeländer JJ Winlove nun auf sehr herzerwärmende Weise verfilmt hat, liegt zum einen daran, dass er dank pointierter Dialoge und präziser Bildeinfälle (Roter Ketchup als Warnsignal der langsam zurückkehrenden Krankheit!!) schnell zur Sache kommt und seine ambivalenten Figuren mit viel Liebe zeichnet.
Zum anderen spielt die brillante Noni Hazlehurst ihre nicht nur sympathische June mit so viel Energie, dass man ihr im Kampf gegen das drohende Dunkel im Kopf alle Daumen drückt. So gelingt ein ungewöhnlicher Spagat: Ein bewegendes Feelgood-Movie über Demenz.
Australien 2020 99 min., von JJ Winlove, mit Noni Hazlehurst, Claudia Karvan, Stephen Curry


