Film

„Effigie“: Eine Frau streut Gift in die Männergesellschaft

Eberhard von Elterlein
Die Giftmischerin Gesche Gottfried (Suzan Anbeh).

Die Giftmischerin Gesche Gottfried (Suzan Anbeh).

Foto: Distribution Wessels

Der Low-Budget-Kostümfilm zeigt die wahre Geschichte der Bremer Giftmischerin Gesche Gottfried – und Abgründe einer Männergesellschaft.

„Die Gottfried hat einen Pestatem“, haucht Müllermeister Steitz (Christian Intorp) zu Senator Dr. Droste (Christoph Gottschalch). Er meint, in der attraktiven Witwe Gesche Gottfried (Suzan Anbeh) jene Giftmischerin zu sehen, die am Ende 15 Menschen in Bremen anno 1828 das Leben kostet.

Letzte öffentliche Hinrichtung in Bremen

Nun, wie man heute weiß, handelt es sich bei der Gottfried tatsächlich um eine bis heute mythische Serienmörderin. Nicht nur, weil an ihr die letzte öffentliche Hinrichtung in Bremen vollzogen wurde, sondern weil ihre Motive bis heute unklar sind.

Wenn nun Udo Flohr den Fall in seinem Low-Budget-Kostümfilm „Effigie – Das Gift und die Stadt“ aufgreift, dann kann er seine Spannung nicht aus der Tätersuche beziehen, sondern aus der Beleuchtung der gesellschaftlichen Umstände. Und die sind fürwahr sehenswert.

Eisenbahn oder Schiff – das ist hier die Frage

Nicht nur, weil der Film aus der Perspektive der Gerichts-Protokollantin Cato Böhmer (Elisa Thiemann) erzählt wird, die als erste Frau auf diesem Posten für reichlich Stirnrunzeln in der ach so aufgeklärten Hansestadt sorgt.

Sondern auch, weil er mitten hinein in die kaufmännlichen Intrigenspiele führt, wenn es darum geht, ob die Zukunft nun der Eisenbahn oder dem Schiff gehört. Serienmörderin Gesche Gottfried, die Suzan Anbeh als Verführerin mit unschuldigen Augen spielt, wirkt da als letzter Hort weiblichen Aufbegehrens in einer starren Männerwelt, die dieser sehr hanseatische Film mit spröder Gelassenheit gut widerspiegelt.