Filmstart

Ein Wohlfühlfilm für den Sommer: „Rosas Hochzeit“

| Lesedauer: 2 Minuten
Eberhard von Elterlein
Führt ein Leben wie eine Nähmaschine: Rosa (Candela Peña).

Führt ein Leben wie eine Nähmaschine: Rosa (Candela Peña).

Foto: Natxo Martinez / Piffl Medien

Warmherzige Komödie: Eine Frau, die nur für andere da ist, zieht einen Schlussstrich und heiratet sich selbst: „Rosas Hochzeit“.

Ihr Traum hängt an einem Ständer. Beziehungsweise an vielen Ständern. In Weiß oder Rot, Knallbunt oder Klassisch, eng geschnitten oder mit weitem Saum. Rosa (Candela Peña) arbeitet als Kostümbildnerin beim Film und ist somit auch Herrin über hunderte Hochzeitskleider. Doch vielmehr sind diese Herrin über sie, denn ständig ist etwas zu schneidern oder ändern. Gern kurzfristig oder über Nacht. Und Rosa macht. Denn Rosa funktioniert und rattert – wie eine Nähmaschine.

Sie hütet die Kinder des Bruders und die Katzen der Freundin, begleitet den Vater zum Arzt, gießt die Blumen der Nachbarin und ist die Schulter zum Ausweinen für ihre Schwester. So rennt Rosa rastlos durch das Leben. Doch als auch noch ihr nach dem Tod der Mutter vereinsamter Vater bei ihr einziehen will, zieht Rosa die Reißleine.

„Rosas Hochzeit: ein besonderer #MeToo-Beitrag auf Spanisch

Und flieht aus dem Valencia der vielen Verpflichtungen in den Küstenort ihrer Kindheit, wo sie die Schneiderei ihrer Mutter wiedereröffnen will. Und zu „Rosas Hochzeit“ einlädt, auf der sie niemand anderen heiratet – als sich selbst.

Der Trailer zum Film „Rosas Hochzeit“

Die gleichnamige Komödie der spanischen Regisseurin Iciár Bollain ist ein richtiger Wohlfühlfilm für den Sommer. Leicht, und dabei immer ein wenig hektisch und überdreht wie ihre Hauptfigur erzählt sie von der Befreiung einer überforderten Frau, von weiblicher Selbstbestimmung und von den Fallen innerhalb einer Familie.

„Rosas Hochzeit“ lebt von Hektik und Herzblut

Denn natürlich will keiner der Familienmitglieder Rosas Schritt akzeptieren („Du heiratest Dich selbst? - Me too, das ist ja jetzt so ein Modebegriff!“) – und auch Rosa muss einsehen, dass ihr in Trennung lebender Bruder Armando (Sergi López), die dem Alkohol zuneigende Schwester Violeta (Nathalie Poza) und ihre so selbstsicher auftretende Tochter Lidia (Paula Usero) ihren Träumen hinterherjagen.

So bekommt dieses im Grunde klassische Lustspiel, das von Missverständnissen und Überraschungen, turbulenten Verwicklungen und unpassenden Situationen (wer läuft schon im Bademantel zum Bahnhof?) lebt, immer wieder angenehm ruhige Momente. Das Ergebnis ist eine wohltemperierte Komödie, die ansprechend zwischen Hektik und Herzblut changiert.

Komödie Spanien 2020 98 min., von Icíar Bollaín, mit Candela Peña, Sergi López, Nathalie Poza