Neu im Kino

Wo die Stasi-Spitzel lauter Nackte sahen: „Im Stillen laut“

Therese Koppe beobachtet in ihrer Dokumentation, wie zwei Künstlerinnen aus der DDR auf einem einsamen Bauernhof ihre Freiheit fanden.

Sie sind seit 40 Jahren ein Paar: Tine (l.) und Erika.

Sie sind seit 40 Jahren ein Paar: Tine (l.) und Erika.

Foto: Salzgeber

Heute können sie darüber lachen: Tine und Erika lesen noch einmal die Stasi-Berichte über ihre Künstlerkommune. Von nackten Menschen und einem „Liebeskabinett“ ist da die Rede – und von den sehr männlichen Vorstellungen über das, was da ein lesbisches Paar auf einem Bauernhof im brandenburgischen Lietzen gewagt hat aufzubauen.

„Wir wollten, dass das, was falsch läuft in der Kunst im Sozialismus, besser machen“ nennt das heute die Malerin und Bildhauerin Erika Stürmer-Alex, während ihre Freundin Christine Müller-Stosch nach jener Wahrhaftigkeit suchte, die sie in ihrer Tätigkeit als Verlags-Lektorin beim Schwärzen zensierter Stellen eben nicht fand.

Manchmal nackt, aber immer gewöhnungsbedürftig

Und so erzählt Therese Koppe in ihrem kleinen feinen Dokumentarfilm „Im Stillen laut“ von der Freiheit der Kunst in der DDR. Wie die Frauen, seit 40 Jahren ein Paar, mit ihrer ländlichen Kommune einen Freiraum der Kunst aufbauten („wir hatten Musik, ja auch Biermann“), immer in großen Gruppen, manchmal nackt, aber sicher gewöhnungsbedürftig mit Performances vor bunten Plastiken, besonders für Stasi-Spitzel.

Der Film zeigt, wie der Widerstand und Rückzug im Stillen funktionieren konnte, durch Ausdruck statt Auflehnung. Wir sehen die beiden mittlerweile 81-Jährigen aber auch bei ihren Alltagsverrichtungen. Holzhacken, Zweige absägen, ein sehr knisterndes Feuer machen. Freiraum macht Arbeit, aber das Konzert der Kraniche im Hintergrund ist nur eine der Belohnungen dafür.