Dieser Film muss dringend in eine psychiatrische Behandlung. Er leidet an einer multiplen Persönlichkeit. Er erzählt zunächst nicht nur eine, sondern drei Geschichten, sauber aufgeteilt in drei Kapitel. So weit, so gut.

In einem Kapitel aber packt er innerhalb einer Story noch eine Untergeschichte aus, die sich wiederum als Verpackung für einen weiteren Plot erweist. „Die obskuren Geschichten eines Zugreisenden“ kommt wie eine Matroschka daher, jene russische Holzpuppe, unter der sich immer kleinere Püppchen verbergen.

Oder wie Psychiater Angel Sanagustín (Ernesto Alterio) seiner Zugbekanntschaft, Verlegerin Helga Pato (Pilar Castro), das Verhalten von Paranoikern erklärt: Sie offenbarten viele Schichten, die sich überlappten, sie erzählten letztlich aber keine Geschichte.

Auch die Verlegerin hat eine Geschichte zu erzählten.
Auch die Verlegerin hat eine Geschichte zu erzählten. © Neue Visionen

Womit wir mittendrin sind in dieser wilden Komödie des Spaniers Aritz Moreno. Angel erzählt vom paranoiden Müllmann Martin (Luis Tosar), dessen krude Vorgeschichte Schicht für Schicht tief hinein bis in den Kosovo führt – zu Snuffvideos mit Kindern (!).

Snuffvideos mit Kindern im Kosovo

Angels im Zug liegengelassene Akte verrät in einem weiteren Fall die verrückte Liebe zwischen einem Mann mit Stützkorsett und einer gehbehinderten Frau. Was nur noch von Helgas eigener Geschichte getoppt wird: Lässt sie sich doch von ihrem Freund Schritt für Schritt zum Hund dressieren.

Womit wir wieder beim Beginn dieses Films wären, der die Ellipse zur Kunstform und das stete Wegziehen des erzählerischen Bodens zum Prinzip erhebt. Heraus kommt eine multiple filmische Persönlichkeit aus David Lynch, Terry Gilliam und „Delicatessen“. So verrückt wie vergnüglich.

Komödie Spanien 2020 103 min., von Aritz Moreno, mit Luis Tosar, Pilar Castro, Ernesto Alterio