Kino

Kleine Betrüger und das ganz große Waffengeschäft

In „Wolf of Wall Street“ war er noch der Handlanger. In der Filmsatire „War Dogs“ dreht Jonah Hill nun selbst die ganz großen Dinger.

Sie treiben krumme Geschäfte: Jungunternehmer Efraim Diveroli (Jonah Hill, r.) und sein Schulkamerad David Packouz (Miles Teller)

Sie treiben krumme Geschäfte: Jungunternehmer Efraim Diveroli (Jonah Hill, r.) und sein Schulkamerad David Packouz (Miles Teller)

Foto: clessard|File|Filed|8/15/2016 7: / picture alliance / AP Photo

Wenn das Pentagon ein Land wie Afghanistan aufrüsten will, würde man auch in Zeiten des Internets davon ausgehen, dass irgendein fähiger Beamter an einen Munitionshersteller seines Vertrauens ein schlichtes Bestellfax schickt. Oder? Weit gefehlt, wie man in „War Dogs“, der neuen Komödie vom „Hangover“-Regisseur Todd Phillips erfährt.

Die auf wahren Ereignissen beruhende Geschichte beginnt 2005. Jungunternehmer Efraim Diveroli und sein Schulkamerad David Packouz recherchieren in einer offiziellen Internetseite der US-Regierung nach Militärgütern, die sie günstig im Netz kaufen, um sie zu einem höheren Preis dem Pentagon anzubieten. Der Erfolg ihrer Firma AEY gründet sich auf Schnäppchenpreise, für den eigenen Profit reicht es trotzdem. Einige Kokspartys später kann vor allem Diveroli zwischen Soll und Haben aber nicht mehr unterscheiden.

Die AEY bewirbt sich um einen 300-Million-Dollar-Auftrag, der ihre Möglichkeiten bei weitem überschreitet. Jonah Hill füllt den Kindskopf Diveroli mit einer Souveränität, die den Vergleich mit Leonardo DiCaprios Börsenmakler in „The Wolf of Wall Street“ (in dem Hill nicht zufällig die rechte Hand DiCaprios spielte) keinesfalls scheuen muss.

Wie er mit dem vergleichsweise biederen Familienvater Pac-kouz (Miles Teller) Unterlagen fälscht und den unter Terrorverdacht stehenden Waffenhändler Henry Girand (Bradley Cooper) als Gewährmann umgarnt, ist nicht nur spannend wie ein Thriller. Das funktioniert auch als tragikomisches Portrait einer kaum alltagstauglichen Generation, der man eingebläut hat, sie könne alles erreichen, was sie will. Phill

Auch wenn man dabei ein wenig die zynische Brillanz des wohl kaum zufällig verwandt klingenden Waffenhändler-Dramas „Lord of War“ mit ­Nicholas Cage vermissen sollte: Abgründiger als in „War Dogs“ kann man derzeit im Mainstreamkino kaum unterhalten werden.