Film

WG mit einem alten Griesgram: „Frühstück bei Monsieur Henri“

Alte Miesepeter hat man oft genug gesehen im Kino. Frankreichs Alt-Star Claude Brasseur rettet diese Komödie vor ihren Klischees.

Foto: Neue Visionen Filmverleih / dpa

Es braucht schon einen wirklich guten Schauspieler, um die gänzlich zum Klischee verkommene Rolle des alten Griesgrams mit Leben zu füllen. Für den 80-jährigen Claude Brasseur mit seiner über 60-jährigen Filmerfahrung ist das zwar keine große Herausforderung, aber als Zuschauer ist man ihm umso dankbarer, dass er noch immer willig ist, zu zeigen, was er kann.

Wenn er in „Frühstück bei Monsieur Henri“ als besagter Monsieur der jungen Studentin Constance (Noémie Schmidt) das Zimmer zeigt, das sein Sohn gegen seinen Willen zur Untermiete ausgeschrieben hat, dann demonstriert er nicht nur schlechte Laune, nein, er offenbart auch hellwachen Geist, dem immer neue Gründe einfallen, weshalb Constance nicht in seine große Pariser Altbauwohnung passt.

Die Darsteller lassen sich nicht lumpen

Andererseits erweist sich Constance als gewiefter, als man von der jungen Frau aus der Provinz annehmen könnte. So kommt der Untermietvertrag gegen Henris Widerwillen doch zustande. Die wunderbare Freundschaft, die sich zwischen Alt und Jung hier kratzbürstig ankündigt, muss allerdings noch durch allerlei Plotwendungen gehen, bevor der Ton herzlich wird.

Das Drehbuch hält wenig Überraschungen bereit und die einzigen unvorhersehbaren Ereignisse, die der Regisseur Ivan Calbérac beim Verfilmen seines eigenen Theaterstücks den Figuren in den Weg stellt, wirken gewollt und unplausibel. Beispielsweise dass Henri seine zahlungsunfähige Mitbewohnerin erpresst, seinen verheirateten Sohn zu verführen, weil der Alte seine Schwiegertochter für eine Idiotin hält.

Das erscheint nicht nur als geschmacklos, die Ausführung ist schlicht geistlos. Weitere Verwicklungen kommen ebenso wenig durchdacht daher. ­Allein weil sich an Brasseurs Seite seine Darstellerkollegen offenbar nicht lumpen lassen wollten und der dämlichen Handlung mit subtilem Spiel etwas Bodenhaftung verleihen, wird aus dem Film kein Ärgernis.