Diesmal braucht es keinen Kleiderschrank, durch den man in eine andere Welt gelangt, wie bei „Narnia“. Oder ein halbes Bahngleis wie bei „Harry Potter“. Diesmal ist es ein einfacher Button mit einem harmlosen „T“ darauf. Aber wenn man ihn berührt, wie die halbwüchsige Casey (Britt Robertson), dann ist man in einer anderen Welt. Dann steht sie plötzlich in einer riesigen, futuristischen Stadt. Sie muss bloß aufpassen, wenn sie sich darin bewegt. Denn in der alten Welt gibt es trotzdem noch wie Treppen, die man dann hinunterstürzt. So, dass man wieder zu Hause auf dem Teppich landet.

Dieser Button ist die große Einladung, das Eintrittsticket zu Tomorrowland, die Welt von morgen in einem Science-Fiction-Film, der verwirrenderweise ursprünglich auch als „Tomorrowland“ angekündigt war, nun aber „A World Beyond“ heißt. Eine Welt unter der unseren verborgen, so zukünftig und doch so vertraut. Weil man da Roboterwesen antrifft, wie wir sie aus „Transformers“ kennen. Die üblichen kubisch zugespitzten Skylines. Und auch, das gehört wohl in jeder Epoche dazu, böse Menschen, die sich diese schöne neue technikhörige Welt unterwerfen wollen. Und die deren letzte Verteidiger matrix- und terminatormäßig bis in die andere Welt verfolgen.

Clooneys erster Film seit „Monument’s Men“

„A World Beyond“ ist so was wie die Teenieversion solcher Science-Fiction. Wobei die ewig optimistische Zukunftsneugier der Jugend auf den Zynismus eines älteren Herrn trifft, der selbst mal hoffnungsfroh in dieses Tomorrowland geraten ist, aber komplett desillusioniert wurde. Der große Vorzug des Films sind nicht seine futuristischen Bauten, auch nicht die effektvollen Sprünge in die Parallelwelt. Sondern der Mann, der diesen Konterpart übernimmt: Es ist die erste Rolle von George Clooney seit seiner Heirat, die erste auch seit seinem nicht ganz geglückten Regiefilm „The Monument’s Men“. Mit dieser Sci-Fi-Fantasy meldet sich Master Clooney zurück und gibt sich ganz familienkompatibel. Er ist zwar der ewige Grantler, lässt die Zukunft aber ganz schön alt aussehen.

Eigentlich ist „A World Beyond“ das, was man gemeinhin einen Selbstläufer nennt. Mit einem Star wie Onkel George vor der Kamera. Mit einem Regisseur wie Brad Bird dahinter, der erst im Trickfilmfach mit „Ratatouille“ und „Die Unglaublichen“ bestach und sich dann mit „Mission: Impossible 4“ auch im echten Actionfach bewährte. Mit einem Drehbuchautor wie Damon Lindelof, der die Serie „Lost“ miterfand. Und auch gegen die frohe Botschaft dieses Films sollte eigentlich keiner etwas einwenden: dass wir bestimmen, wie die Welt mal aussehen wird.

Wenn die Kiddies das mal nicht nachmachen

Aber schon die Sache mit der verwirrenden Titeländerung sollte zu denken geben. Und die Tatsache, dass der Film nicht, wie alle vorab angenommen hatten, in Cannes lief, sondern zur selben Zeit Premiere in London feierte. Vor allem aber muss man dringend über die Altersfreigabe ab zwölf Jahren nachdenken. Wer mit seinen Kiddies einen vergnüglichen Kinonachmittag erwartet, wird sich sonst vielleicht verwundert die Augen reiben, wie sich der Teenager Casey und ein kleines Mädchen aus der Zukunft (Raffey Cassidy) vor ewig lächelnden Robotern in tadellosen Anzügen schützen müssen.

Wie die beiden Kleinen mit Händen und Füßen und Baseballschlägern auf die Verfolger losgehen und diese geköpft, zerhackt und zerbröselt werden. Das kleine Mädel schlägt auch mal eine Autoscheibe ein, steigt ein und fährt davon. Wenn unsere Kiddies das mal nicht alles nachmachen!

Das Spektrum erweitern

Das alles verwundert umso mehr, als der Film aus dem Hause Disney stammt, dessen Name ja fast ein Synonym ist für harmlose, zahme Familienunterhaltung. Tatsächlich ist Disney zurzeit dabei, sein eigenes Renommee gründlich auszuloten und sein Spektrum zu erweitern. Dabei geht es natürlich um die Zukunft, aber eben um die eigene des Studios. Und das greift dafür tief in seine Vergangenheit. Gerade erst wurde der eigene Märchenklassiker „Dornröschen“ in „Maleficent“ in deutlich düstereren Tönen neu erzählt.

Und während früher Disney-Filme so stark waren, dass sie als Attraktionen im hauseigenen Vergnügungspark zweitverwertet wurden, läuft es jetzt eher andersrum. „Pirates of the Carribean“ etwa war zuerst eine Grottengondelfahrt in Disneyland, bevor sie 2003 nicht nur zu einem Film, sondern gleich zu einer ganzen Reihe wurde. Auch Tomorrowland ist so eine Attraktion, die Walt Disney 1955 höchstselbst in seinem Disneyland installierte.

Filmbotschaft als Firmenmantra

Der Firmenchef glaubte noch an eine bessere Zukunft, hat für die Weltausstellung 1964 in New York Attraktionen wie „A Small World“ geschaffen. Und in diesem Zusammenhang viele Modelle und Entwürfe zu seinem Tomorrowland gesammelt. Die sind dann in eine geheimnisvolle Box gesteckt und fast vergessen worden. Bis sie jetzt, für diesen Film, wieder geöffnet wurde.

Die Weltausstellung ’64 kommt in „A World Beyond“ direkt vor, wenn Klein George das erste Mal mit der Zukunft in Berührung tritt. So kann Disney nicht nur alte Ideen recyceln, sondern auch gleich noch mal an seine damaligen Meriten erinnern. Erstmals in einem Disney-Film schweift in „A World Beyond“ der berühmte Feenstaub im Vorspann nicht über das altbekannte Cinderella-Schlösschen, sondern über die Umrisse von Tomorrowland. In diesem Zusammenhang liest sich die Botschaft des Films wie ein firmeneigenes Mantra: Wir haben unsere Zukunft selbst in der Hand.