Witze dürfen keinen Bart haben. Es ist peinlich, wenn einer eine Pointe reißt und alle kennen sie schon. Aber fast genauso schlimm wie Witze mit Bart sind Witze über Bart. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, das betrifft auch die Backen- und Oberlippenverzierung des männlichen Geschlechts. Okay, über das komisch gezwirvelte Ding, das Johnny Depp da in seinem neuen Film trägt, könnte man einen bissigen Kommentar verlauten. Eine Dialogzeile. Dann wäre gut.

Aber ach, dabei bleibt es leider nicht. Im Gegenteil. Gefühlt den halben Film über gibt es in „Mortdecai – Der Teilzeitgauner“ Witze über diesen Bart. Alle finden ihn schlimm, alle müssen das sagen. Und was einmal witzig sein könnte, wirkt schon bald bemüht und enervierend. Der Witz über den Bart hat bald selber einen. Nein, sogar zwei. Denn Gwyneth Paltrow als Depps bessere Hälfte versucht immer wieder, trotz ihres Ekels vor dem Bart, den Gatten zu küssen. Bekommt aber stets in letzter Sekunde einen Brechreiz. Und der Gatte muss bei Brechreizen von anderen reflexartig immer gleich mitwürgen. Das ist so etwa das Humorzentrum von David Koepps Komödie. Bitte Kotztüten bereit stellen.

Flops in Folge

Das alles ist sehr schade. „Mortdecai“ hätte ja wirklich eine hübsche Komödie, sogar eine Parodie auf Agentenfilme werden können. Depp als blasierter, abgehalfterter Kunsthändler muss nämlich, weil er Millionenschulden hat, einem verschwundenen Velasquez-Gemälde nachspüren, das nicht nur vermögende Sammler, sondern auch Geheimdienste auf den Plan ruft. Aber statt richtig zum Action-Ulk aufzudrehen, wird nur immer der Bart gezwirbelt.

Es ist schon ein Phänomen: Johnny Depp hat mit seinen letzten Filmen fast nur noch millionenschwere Flops gelandet, dennoch wird er als Star kultisch verehrt. Und wie keiner sonst weiß er gestaltet er seine Charaktere stets wie bizarre Wesen nicht von dieser Welt. Nur ist dass seit den „Fluch der Karibik“-Filmen auch zum Fluch geworden, weil er sich nur noch mit dem Kasperln begnügt und die Filme darüber zur Nebensache geraten. Das trifft leider auch auf „Mortdecai“ zu.

Wir sagen es nur ungern, aber allmählich werden auch wir es leid, Depp immer nur als Depp zu sehen. Möge er mal wieder richtig schauspielern. Sonst verhänge man, bitte, ein Johnny-Depp-Kasperle-Verbot.