Kultfilme

Ken Adam - Der Mann des 007-Looks ist zurück in Berlin

Ken Adam hat die frühen James-Bond-Filme ausgestattet. Und zwei Oscars gewonnen. Jetzt ist der 93-jährige zurück in seiner Heimatstadt Berlin. Dort wird sein persönliches Archiv ausgestellt.

Foto: DAVIDS/Darmer / <219,4,191>DAVIDS/Darmer

Wenn es um die großen Deutschen im internationalen Film geht, wird einer gern übersehen: Ken Adam. Dabei hat er zwei Oscars gewonnen. Hat für sechs James-Bond-Filme die Kulissen gebaut. Hat nicht nur Filmausstatter, sondern auch Architekten wie Norman Foster nachhaltig beeinflusst. Und unser aller Sehgewohnheiten verändert. Ein Production Designer, so der Fachbegriff, steht gewöhnich hinter der Kamera und damit im Schatten anderer. Nicht so Ken Adam: Er ist der Star seiner Zunft. Aber über all diesen Errungenschaften vergisst man gern, das der Mann all dieser Errungenschaften ein Deutscher ist. Erwurde als Klaus Hugo Adam in Tiergarten geboren, musste dann aber, weil er Jude war, mit seinen Eltern vor den Nahzis fliehen. Da war er gerade 13.

Jetzt, 80 Jahre später, ist Ken Adam wieder einmal in der Stadt. Biblische 93 Jahre ist er alt. Sein Deutsch kommt ihm nicht mehr so leicht über die Lippen wie früher, das Englische ist ihm doch vertrauter. Auch auf die Montechristo-Zigarre, die immer sein Markenzeichen war, verzichtet er inzwischen. Aber den Geruch braucht er noch. Wir treffen uns deshalb in seinem Berliner Lieblingshotel, dem Savoy, in der Raucherbar.

Visionen voller Fallstricke

Schon vor zwei Jahren hat Ken Adam sein Archiv der Deutschen Kinemathek vermacht. Ein einzigartiger Vorlass, der dort aufgearbeitet wurde und nun erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Am heutigen Mittwochabend wird die Ausstellung feierlich eröffnet, ab Donnerstag ist sie dann dem Publikum zugänglich: zahllose seiner legendären, mit dickem Filzstift kraftvoll aufgetragenen Skizzen, Zeichnungen und Modelle, die mit passenden Filmausschnitten verglichen werden können.

Alle sind sie hier noch mal zu sehen: Ein Modell des legendären Aston Martin aus dem 007-Film "Goldfinger", mit all dem Spielzeug, das Adam, der wahre "Q", dafür erfunden hat. Das goldige Fort Knox aus dem gleichen Film, das kein Normalsterblicher je betreten durfte und dem er eine eigene Vision entgegengesetzt hat. Der War Room aus Kubricks "Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben". Kein Artikel über Adam kommt ohne die Anekdote aus, dass Ronald Reagan bei seinem Amtsantritt im Weißen Haus diesen War Room gesucht hat. Und, als man bedauerte, dass es keinen solchen Raum gebe, widersprach: Aber er habe ihn doch in jenem Film gesehen. Das ist vielleicht das größte Kompliment, das Ken Adam je gemacht wurde. Zurecht wird es deshalb immer wieder angeführt. Weil er uns seine Fantasie als Realität vorgaukelt.

Die Gattin riet, Bond abzusagen

Es ist nicht ohne Ironie, dass Ken Adam seine Oscars ausgerechnet für zwei Historienfilme (Kubricks "Barry Lyndon" und "King George – ein Königreich für mehr Verstand") bekommen hat. Denn berühmt wurde er durch all die hypermodernen Schalt- und Walt-Zentralen der Bond-Gegenspieler. Schurkische Hallen, die aus dem Meer auftauchen oder unter einem Vulkan herausfahren. Futuristische Konstruktionen mit allerlei Schrägen, bei denen überall Klapptüren, Rutschen und andere Fallstricke lauern. Ken Adam, so schrieb sein Biograf Alexander Smotczyk, baute Welten, weil man ihm, dem jüdischen Jüngling, die seine geraubt hat. Seine Schurkensitze waren regelrechte Führerbunkerfantasien. Um so wichtiger aber, dass sie am Ende stets mit großem Knall in die Luft gingen. "Ja, die Bond-Filme waren auch eine Therapie", gibt er nun in der Raucherbar zu.

Dabei hatte ihm seine Frau beim ersten 007-Film noch geraten, abzusagen: "Du darfst dich", sagte sie, die ihn auch heute begleitet, "nicht prostituieren". Er hat nicht auf sie gehört, und darüber muss man froh sein. Weil man ihm bei den Bond-Filmen alle Freiheit ließ. Und er sich regelrecht autobte. Nie wollte er dabei Realität nachbauen. "Film ist Eskapismus", sagt er verschmitzt, "man muss über die Wirklichkeit hinausgehen." Muss sie überhöhen, überspitzen. Sein Lebensmotto gibt auch der Schau ihren Namen: "Bigger than Life".

Finale in Berlin

Von den heutigen Computereffekten hält er erwartungsgemäß nichts: "Ein Computer kannn die Vision nicht ersetzen." Bei ihm wurde noch richtig gebaut und gezimmert, das habe sich noch alles echt angefühlt, und darauf hätten die Schauspieler auch reagiert. Was beim heutigen Green-Screen-Verfahren einfach nicht möglich ist. Auch von den jüngeren Bond-Filmen, pardon, hält er nicht viel. "Bei uns", sagt er und bittet gleich, man möge ihn nicht arrogant finden, "gab es halt noch richtige Bösewichter".

Die Deutsche Kinemathek, die seine Sammlung nun so spektakulär präsentiert, liegt nur einen Steinwurf entfernt von dem Haus, in dem er aufgewachsen ist. Geht er heute noch an seine alten Stätten? Ja, sagt er. "Aber davon existiert ja nichts mehr." Nicht das legendäre Sporthaus Adam, das sein Vater an der Leipziger Straße geführt hat. Und nicht das Elternhaus in der Tiergartenstraße 8, wo heute das Kunstgewerbemuseum seinen Sitz hat. Schon früh ist Adam in Berlin mit der modernen Architektur in Berührung gekommen.

Er konnte zusehen, wie das Shell-Haus gebaut wurde. Und Mies van der Rohe entwarf seinem Vater dessen kühnes Sporthaus.Mit Deutschland hat er längst seinen Frieden gemacht. Das erste Mal ist er gleich nach der Kapitulaiton, als RAFPilot, zurückgekommen. Er hat hier auch immer wieder gearbeitet, vom britischen Agentenfilm "Finale in Berlin" (1966) bis zu seinem letzten Film "Taking Side - Der Fall Furtwängler" (2001). Hier hat er vor 14 Jahren auch seine einzige Ausstellung konzipiert: die "Sieben Hügel" im Gropius-Bau. Dass er sein Vermächtnis just dem Berliner Museum überließ, ist eine Geste der Versöhnung. "Es fühlt sich gut an, dass mein Werk hier ist", sagt er. "Das bedeutet alles für mich."

Deutsche Kinemathek Potsdamer Str. 2, Tiergarten. Tel.: 300 9030. Di-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr. 11. Dezember-17. Mai.

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