Berlinale Series

„Freud“: Tiefenbohrungen in der Seele des Menschen

Nach „4 Blocks“ wagt sich Regisseur Marvin Kren mit einer neuen Netflix-Serie ins Wien der Jahrhundertwende

Im Rauch ist etwas verborgen: Robert Finster ist Sigmund Freud.

Im Rauch ist etwas verborgen: Robert Finster ist Sigmund Freud.

Foto: © SATEL Film GmbH/Bavaria Fiction GmbH

„Freud“ Die grundlegende Idee dieser Serie von Regisseur Marvin Kren (der 2017 auf der Berlinale mit „4 Blocks“ Premiere feierte) hat etwas Verführerisches. Wer heute an Sigmund Freud denkt, denkt an den Gründungsvater der Psychoanalyse, ein älterer Herr mit schlohweißem Bart und soigniertem Habitus. Hier sehen wir ihn als jungen Mann (Robert Finster), aus dem spätere Großtaten noch ziemlich unbeholfen herausflackern. Es ist das Wien des Jahres 1886, Freud ist 30 Jahre alt und wird in der medizinischen Community nicht ernst genommen. Seine Idee des Unbewussten gilt als Scharlatanerie, seine Verwendung von Hypnose wird als Jahrmarktstrick verlacht. An vielen Stellen zeigt diese Serie sehr plausibel, wie sich der allgegenwärtige Antisemitismus in der Hauptstadt der österreichisch-ungarischen Monarchie auch gegen Freud und seine Methoden wendete.

Um seinen Frust über die ihm vorenthaltene Anerkennung zu verdauen, konsumiert der junge Freud reichlich Kokain und flüchtet in den Partyrausch. Er besucht Séancen, auf denen er das Medium Fleur Salomé (Ella Rumpf) kennenlernt, die bald zentrale Bedeutung für den Fortgang der Handlung gewinnt. Denn Wien wird von einer Mordserie erschüttert, deren Brutalität in den wüstesten Nuancen ausgemalt wird. Zusammen mit Fluer dem vom Krieg schwer traumatisierten Polizeibeamten Alfred Kiss (Georg Friedrich) versucht Freud, sich einen Reim darauf zu machen.

Die ersten drei Folgen der Serie, die am 23. März auf Netflix an den Start geht, hinterlassen einen eher zwiespältigen Eindruck: Schauspieler, Ausstattung und Atmosphäre überzeugen, aber die Handlung stolpert immer wieder über den Ehrgeiz, alles so mysteriös und schockierend wie nur möglich zu gestalten, Glaubwürdigkeit egal.