Filmfestival

Berlinale: Wirbel um Jurypräsident Jeremy Irons

Der Filmschauspieler äußerte sich frauen- und schwulenfeindlich. Seine Berufung zum Jurypräsidenten schadet dem Ruf der Berlinale.

Schon vor Festivalstart umstritten : Jury-Präsident Jeremy Irons.

Schon vor Festivalstart umstritten : Jury-Präsident Jeremy Irons.

Foto: © Foto: Antonello&Montesi

Vor einer Woche erst hat die Berlinale verkündet, dass Jeremy Irons Präsident der Internationalen Jury werde. Da schien der britische Schauspieler noch eine gute Wahl. Auch wenn die spät erfolgte (das Filmfestival von Venedig, das erst im August startet, gab seine Jurypräsident Cate Blanchett vor wenigen Tagen bekannt). Und auch wenn der Alt-Star seine größte Zeit lange hinter sich hat.

Nun aber fallen Äußerungen auf den 71-Jährigen zurück, die er vor langem getan hat. Wie zuerst die „taz“ berichtete, hatte der Schauspieler etwa 2011 in der „Radio Times“ gesagt, dass eine Frau damit umgehen könne, wenn ein Mann seine Hand auf ihren Po lege. Das sei „Kommunikation“. Darüber hinaus hatte er sich auch negativ über Abtreibung und Schwulen-Ehe geäußert.

Veritabler Image-Schaden schon vor Festivalstart

Für diese Bemerkungen hatte Irons sich zwar schon lange vor den Weinstein-Enthüllungen entschuldigt. Und er bedauerte in einer aktuellen Stellungnahme der Berlinale noch einmal, dass diese Aussagen weder seine Denkweise noch seine Haltung repräsentierten.

Doch das Kind ist in den Brunnen gefallen. Ein Grapscher, ein frauen- und schwulenfeindlicher Präsident der Berlinale, die sich doch immer betont weltoffen zeigt? Und das nur zwei Jahre nach der #MeToo-Debatte?

Das neue Führungsduo Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek, die das Festival von Dieter Kosslick übernommen haben, haben damit noch vor Beginn ihres allerersten Festivals ein Glaubwürdigkeitsproblem. Und einen veritablen Image-Schaden. Und die Berlinale hat schon vor Beginn des Festivals einen veritablen Image-Schaden.