Berlinale

Berlinale in der Klemme: Neue Kinos und Sponsoren gesucht

Die neue Festivalleitung muss gleich ein Jubiläum stemmen. Dabei hat sie ganz andere Probleme: Sie muss neue Kinos und Sponsoren finden

Am 20. Februar startet die 70. Berlinale. Nach Feiern ist der neuen Doppelspitze des Festivals aber gerade nicht zumute.

Am 20. Februar startet die 70. Berlinale. Nach Feiern ist der neuen Doppelspitze des Festivals aber gerade nicht zumute.

Foto: Jörg Carstensen/DPA / Jörg Carstensen/dpa

Die kommende Berlinale (20. Februar bis 1. März) wäre an sich schon eine große Herausforderung: Es ist nach dem unfreiwilligen Abgang von Dieter Kosslick das erste Festival unter der neuen Leitung von Programmleiter Carlo Chatrian und Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek.

Und die müssen als Erstes gleich ein Mega-Event organisieren: das 70. Jubiläum der Filmfestspiele. Das sind aber Peanuts gegen das, was die neue Doppelspitze derzeit umtreibt. Die Berlinale steckt mitten im Umbruch. Und die ganze Zukunft am Potsdamer Platz könnte – mal wieder – in den Sternen stehen.

Keine Säle bei CineStar, dafür Stripper im Adagio

Da ist zum einen das Problem mit den Kinos. Die Cine-Star-Kette soll verkauft werden. CineStar hat schon verkündet, dass man die acht Säle im Sony-Center nicht halten wird. Bis Ende des Jahres wird der Spielbetrieb eingestellt. Das könnte ein empfindlicher Verlust für das Festival sein. Bis Mitte Januar sollen die Säle geräumt werden. Es gibt dann keine Sitze und keine Technik mehr, die man verwenden könnte.

Dann gibt es auch noch eine direkte Unwägbarkeit in der Hauptspielstätte, dem Berlinale-Palast. Im derzeit noch verwaisten Musicaltheater, in dem ab Mitte 2020 dauerhaft der Cirque du Soleil einziehen soll, wird gerade das „Adagio“ im Keller saniert. Hier soll ab 16. Januar „Magic Mike Live“ laufen. Eine Strippershow nach den „Magic-Mike-Filmen mit Channing Tatum. Im „Adagio“ aber feiert das Festival traditionell seine Eröffnungs- und Abschlusspartys und gibt auch einige Empfänge.

Und als sei das alles noch nicht schlimm genug, brechen dem Festival in diesem Jahr auch gleich noch zwei Hauptsponsoren weg: der sächsische Uhrenhersteller Glashütte und der chinesische Konzern Tesiro. Die „B.Z.“ schrieb deshalb schon etwas reißerisch von der „Berlinale in Not“ – als müsste man Angst haben, ob sie denn überhaupt noch stattfinden wird.

Das Festival war am Dienstag denn auch bemüht, den Empörungspegel ein wenig herunterzudimmen. Die Verträge mit Glashütte und Tesiro, stellte Berlinale-Sprecherin Frauke Greiner klar, laufen regulär aus. Langjährige Hauptsponsoren wie Audi, L’Oréal und das ZDF seien aber weiterhin dabei. Und natürlich stehe man in Verhandlungen mit neuen Interessenten.

Mehrkosten können noch nicht beziffert werden

Auch was den Kino-Notstand durch den Wegfall der CineStar-Säle angeht, sei man längst dabei, „ein alternatives Szenario zu erstellen“. Sobald das finalisiert sei und die Verträge stehen, werde man das auch kommunizieren. Aber eben erst dann. Eine Einigung sucht man zudem mit den Veranstaltern von „Magic Mike Live“. Auf deren Website sind für die Zeit der Berlinale keine Tickets zu buchen. Der Veranstalter könnte die Räumlichkeiten also zur Verfügung stellen. Was er sich aber vermutlich einiges kosten lassen wird.

„Natürlich entstehen durch die Veränderungen mehr Kosten“, gibt Frauke Greiner zu. Die könnten aber noch nicht beziffert werden. Denn es gibt ja auch anderswo Einschränkungen. Wegen der Sanierung des Hauses der Kulturen der Welt weicht das Festival auf die Urania aus, die ja auch früher schon einmal vom Festival bespielt wurde. Der Vertrag mit dem Berlinale-Palast läuft dagegen noch bis 2022. Und dass mit dem Cirque du Soleil nun wieder ein dauerhafter Veranstalter einzieht, nachdem das Haus lange leer stand, gibt eine ganz andere Standortsicherheit.

„Wir lassen keine Option aus“

Mariette Rissenbeek, die neue Geschäftsführerin, hätte sich durchaus einen ruhigeren Start gewünscht, sieht die aktuelle Herausforderung aber „nicht als Ausnahmesituation“. Sie hofft aber immer noch, dass die aufgegebenen CineStar-Säle an dieser Lage für andere Kinobetreiber interessant sein könnten.

„Wir lassen keine Option aus und bedenken alle Ersatzszenarien, um gute Lösungen zu finden.“ Die leidige Frage um den Potsdamer Platz als Zentrum des Festivals will sie dagegen nicht erneut führen. Dazu sei die Lage mit all den Kinos, Hotels und Verkehrsanschlüssen einfach ideal.

Grütters unterstützt das Festival mit aller Kraft

Gut möglich aber, dass all die Provisorien das Festival teuer zu stehen kommen. Das Budget beläuft sich für die 70. Berlinale auf 26 Millionen Euro, wobei 8,4 Millionen vom Bund kommen. „Sollte unser Finanzbedarf nicht gedeckt werden können“, so Rissenbeek, „werde ich mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters sprechen müssen“.

Auf Anfrage der Morgenpost bestätigte das Kulturstaatsministerium, dass man das Festival „auch in dieser Phase mit aller Kraft“ unterstütze, betonte aber, dass man aus diesem Grund die Fördermittel für die 70. Berlinale bereits um 200.000 Euro auf besagte 8,4 Mio. Euro erhöht habe.

Schon jetzt hat es sich als klug erwiesen, die neue Berlinale-Führung – was ja auch Kosslick schon lange gefordert hatte – in eine Doppelspitze aufzuteilen, so dass sich die Geschäftsführerin ganz um diese Probleme kümmern kann. Unter diesen verschärften Bedingungen aber wird die Jubiläums-Berlinale für die neue Leitung wohl erst mal wenig Grund zum Feiern bieten.