Berlinale

Wie die Hauptstadtregion zur Traumfabrik wurde

Die Filmbranche ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Auf der Berlinale laufen vom Medienboard Berlin-Brandenburg unterstützte Filme.

Berlin/Potsdam.  Wenn bei der Berlinale der Debütfilm „Systemsprenger“ von Regisseurin Nora Fingscheidt in den Wettbewerb geht, schließt sich für dessen Produzenten Peter Hartwig ein Kreis. 2002 habe er mit „Halbe Treppe“ das erste Mal einen selbst produzierten Film bei den Filmfestspielen ins Rennen geschickt, erinnert sich der Babelsberger. „Das war damals auch die erste Berlinale für deren Chef Dieter Kosslick.“

Nun ist es seine letzte und Hartwig ist wieder mit dabei: „Systemsprenger“ erzählt die Geschichte einer Neunjährigen, die mit einem Zuviel an Aggressionen ihr soziales Umfeld erschüttert – es ist einer von drei vom Medienboard Berlin-Brandenburg unterstützten Filme im Wettbewerb.

Produktionsstandort ist längst auch in Indien ein Begriff

15 weitere Filme und Serien, denen das Medienboard finanziell unter die Arme gegriffen hat, laufen im offiziellen Festivalprogramm. „Seit der Medienboard-Gründung 2004 hat der Geschäftsbereich Filmförderung knapp 374 Millionen Euro an 3373 Projekte vergeben“, bilanziert Medienboard-Geschäftsführerin Kirsten Niehuus.

Eine Unterstützung, die sich nicht nur künstlerisch, sondern auch wirtschaftlich gelohnt habe: „Filme ‚Made in Berlin-Brandenburg‘ wurden seither mehr als 3000 Mal auf internationalen Festivals nominiert, konnten 1000 Mal eine Trophäe mit nach Hause bringen – und 250 Millionen Zuschauer ins Kino locken.“

Ausgelöst durch die Filmproduktionen sei mehr als das Vierfache des Förderbeitrags in der Region ausgegeben worden. Hotels, Restaurants, Handwerksbetriebe, Autovermietungen und Catering-Dienste würden profitieren. In der Brandenburger Filmbranche herrsche Vollbeschäftigung, rund 70.000 Jobs vor und hinter der Kamera seien besetzt, schätzt Niehuus. Mit 5300 Drehtagen in der Hauptstadtregion im vergangenen Jahr habe sich deren Anzahl seit Medienboard-Gründung mehr als verfünffacht.

„Brandenburg steht für Co-Produktionen, Arthouse-Kino und Filmhandwerk“

„Selbst Filmemachern in Indien ist Berlin-Brandenburg längst ein Begriff“, bestätigt Udita Bhargava, Absolventin der Filmuniversität Babelsberg. Für ihren Abschlussfilm „Dust“, der ebenfalls auf der Berlinale läuft, ist sie mit einem internationalen Drehteam zurück zu ihren Wurzeln in die indische Stadt Indore gereist. „Brandenburg steht für Co-Produktionen, Arthouse-Kino und Filmhandwerk“, so Bhargava.

„Vor 100 Jahren lernte der Film laufen, heute stehen wir vor einem erneuten Wandel“, erklärt Carl Woebcken. Der Vorstandsvorsitzende von Studio Babelsberg verweist auf Techniken wie Virtual- und Augmented-Reality und das neue volumetrische Studio in Babelsberg, das bislang modernste VR-Studio weltweit. Wegen des gestiegenen Bedarfs an Speicherkapazität spreche er bereits mit dem Hasso-Plattner-Institut, der Universität Potsdam und der Filmuniversität über den Bau eines Rechenzentrums.

Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) weiß er auf seiner Seite. „Die Medienbranche ist in unserer Region einer der Vorreiter für die digitale Transformation“, betont Steinbach. „Potsdam ist seit 2017 einer von bundesweit zwölf ,Digital Hubs‘ – und der einzige bundesweit, der den Bereich Medientechnologien abdeckt.“ Mit dem Deutschen Filmförderfonds II stehen 2019 zusätzlich 75 Millionen Euro zur Verfügung. „Aber mit der geringen Ausstattung des German Motion Picture Fonds hängen wir in Deutschland hinterher“, klagt Woebcken.