Er wird fehlen. Das darf man jetzt schon sagen. Dieter Kosslick hat die Berlinale groß gemacht, hat sie über die ganze Stadt wachsen lassen, hat dabei auch alle anderen Künste miteingebunden. Hat aus dem Filmfestival letztlich ein Stadtfestival gemacht. Das alles sind Verdienste, die bleiben werden. Vor allem aber war Kosslick „Mister Berlinale“. Während sein Vorgänger Moritz de Hadeln polternd und schlecht gelaunt in Erinnerung blieb, wird man sich an Kosslick erinnern als den Mann, der für gute Laune sorgte. Der mit seinem Hut und seinem roten Schal Abend für Abend vor dem Berlinale-Palast stand und, Wind und Wetter trotzend, freudig seine Gäste begrüßte. Der Mann, der seine Lücken im Englischen locker überspielte. Und mit Anke Engelke ein Moderatoren-Team bildete, das oft Comedy-Qualität bewies. Der Mann, den jeder kannte. Auch die, die mit Filmfestivals eigentlich nichts zu tun haben.
Jetzt bestreitet Kosslick seine letzte Berlinale. Und muss noch mal zeigen, was in ihm steckt. Da wird er nicht groß dazu kommen, zurückzublicken. Auf all die schönen Momente. Aber auch die, an die man sich nicht so gern erinnert. An sein erstes Festival 2002, das er mit Tom Tykwer und Cate Blanchett eröffnen konnte. An Meryl Streep, die weltbeste Jurypräsidentin. An George Clooney, den er wiederholt nach Berlin holte, nicht nur als Schauspieler, vor allem als Regisseur. An die Open-Air-Vorführung des frisch restaurierten Stummfilmklassikers „Metropolis“ am Brandenburger Tor, bei der trotz Schnees und eisiger Kälte die Berliner Fans tapfer durchhielten und auch Leonardo DiCaprio sich unter die Schaulustigen mischte. Das unglaubliche Staraufgebot, dass gleichzeitig Brad Pitt und Angelina Jolie auf dem einen Teppich standen und Bollywoods Superstar Shah Rukh Khan auf einem anderen. Und dann waren da auch die Triumphe des deutschen Films. Der Goldene Bär an Fatih Akins „Gegen die Wand“, oder das Silber-Dreigestirn mit gleich drei Bären für deutsche Schauspieler. Das hiesige Kino und die Berlinale, sie standen unter de Hadeln ja noch auf Kriegsfuß. Aber Kosslick hat die deutschen Filmemacher mit dem Festival versöhnt, hat auf diese Weise seine frühere Bestimmung als Filmförderer mit anderen Mitteln fortgesetzt.
Es gab freilich auch die traurigen Momente. Das Jahr, als Kosslick das Festival ganz allein eröffnen musste, ohne einen einzigen Star des Eröffnungsfilms. Das Jahr, als Jafar Panahi sein Amt als Juror nicht antreten konnte, weil der Iran ihn nicht ausreisen ließ. Oder das Jahr, als Jurorin Bai Ling ihr Amt nutzte, um sich jeden Abend halb nackt als Teppichluder zu produzieren. Schließlich auch der offene Brief einiger Filmschaffender gegen Kosslick, der diesen tief getroffen hat. Hoch- und Tiefpunkte, so nah beieinander. Aber am Ende obsiegt der Mann mit der guten Laune. Der nach dieser Berlinale dann seinen sprichwörtlichen Hut nehmen wird.












