Filmfestival

Die Berlinale feiert 100 Jahre Technicolor

Nie erstrahlte das Kino bunter: Technicolor war nicht nur das erste Farbfilmverfahren, es verteidigte lange seinen Spitzenplatz. Auf dem Festival sind Filme wie „Vom Winde verweht“ wiederzuentdecken.

Foto: Berlinale / George Eastman Ho

Das wird bunt! Die Berlinale feiert in ihrer kommenden Ausgabe in der Retrospektive den 100. Geburtstag des Technicolor-Verfahrens. Die berühmten roten Schuhe aus „Der Zauberer von Oz“, die grellgelben Regenmäntel in „Singin’ in the Rain“ oder „Die drei Musketiere“, die in Hellblau, Zartrosa und Pink fechten: Die alten Klassiker sind alle noch einmal wiederzusehen. Und neu zu sehen – unter diesem technik-historischen Blickwinkel und selbstverständlich frisch restauriert, damit die Farben auch richtig leuchten.

Die Retrospektiven, die sich dem Werk eines einzelnen Filmemachers widmen, etwa die Fritz-Lang-Retro 2001 oder die Ingmar-Bergman-Schau 2011, scheinen erschöpft. Themenschwerpunkte wie „Traumfrauen im Film der 50er-Jahre“ oder „European 60s“ waren manchmal ein wenig allgemein, wenn nicht beliebig.

Am spannendsten erweisen sich fast immer die technischen Retrospektiven, sei es über 70-Millimeter-Film, Production Design oder Ästhetik der Schatten. Weil hier noch einmal große Klassiker in einen neuen Zusammenhang gesetzt werden.

Farbe ganz bewusst eingesetzt

Bei der 65. Berlinale (5. bis 15. Februar) ist dies nun also der Technicolor-Film. Bereits 1915 tüftelten drei Pioniere, Herbert T. Kalmus, Daniel Comstock und W. Burton Wescott, an einem Zwei-Farben-Verfahren, um dem noch blutjungen Medium Kino das Schwarzweißdenken auszutreiben. Es sollte noch eine ganze Weile dauern, bis das Verfahren stand. Und bis man Produzenten und Publikum davon überzeugen konnte. Erst lernte der Film sprechen, bevor er ab 1936 auch abendfüllend Farbe bekannte.

Dabei hatte Technicolor lange die Nase vorn. Das Unternehmen besaß nicht nur eine gesättigtere Farbanmutung als die Konkurrenzverfahren, es hatte vor allem der Anspruch, Farbe ganz bewusst einzusetzen, in Melodramen, Musicals, Abenteuerfilmen. Seinen Spitzenplatz verlor Technicolor erst 1953, als der Farbnegativfilm zu boomen begann.

All das wird in der von Rainer Rother kuratierten Retro aufgefächert. Was immer Dieter Kosslick noch alles an Highlights der kommenden Berlinale verkünden wird: Die Retrospektive bietet schon mal Highlights satt. Und wandert danach auch nach Wien und New York.