Am Sonnabendvormittag glich die amerikanische Botschaft am Pariser Platz einer Mischung aus Grand-Hotel und Militärkaserne. Plüschige Sessel vor einem offenen Kamin im Foyer neben einer Hotelrezeption. Im Nebenraum: schwere Holzkisten, Autoreifen, überworfen mit Tarnnetzen – dazu wurde Hühnerfrikassee à la „military’s favorite“ in rustikalen Schälchen serviert.

Für den Lunch, zu dem John B. Emerson und seine Ehefrau Kimberly an diesem Tag geladen hatten, hatte die Diplomatin ihre Beziehungen in die Filmwelt spielen lassen. Denn eins ist klar: Nicht jedem würde es gelingen, Original-Requisiten der Filme „Grand Hotel Budapest“ – Eröffnungsfilm der Berlinale 2014 – und „The Monuments Men“ für einen Empfang zu akquirieren. „Wir danken Babelsberg, dass sie uns mit so toller Dekoration versorgt haben“, sagte der Botschafter bei seiner kleinen Ansprache vor den zahlreichen Gästen. „Aber das zeigt doch wieder einmal mehr: Die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind besser denn je.“

Und so war die Hoffnung der vielen anwesenden Gäste groß, dass möglicherweise auch George Clooney als Stargast in der Botschaft am Brandenburger Tor vorbei kommen würde. In aller Munde waren er und sein langersehnter Film, der am Abend Premiere im Berlinale-Palast feiern sollte, allemal. Zu Gast sein würden auch der Botschafter und seine Familie. Besonders seine Zwillingstöchter Hayley und Taylor waren besonders aufgeregt. „Oh Mann, vielleicht stehe ich nachher vor George Clooney oder gar vor Matt Damon. Das wäre mir fast noch lieber“, sagte die 16-jährige Hayley. Auch Kimberly Emerson freute sich, den Film am Abend sehen zu dürfen. „Ich habe George Clooney schon kennengelernt, aber er würde mich nicht wiedererkennen“, gibt sie offen zu. „Aber vielleicht ändert sich das ja heute Abend. Aber auch auf den Film bin ich sehr gespannt.“

Neben einigen deutschen Schauspielern wie Maria Furtwängler, Ursula Karven, Bruno Ganz und Lars Eidinger waren Regisseur Volker Schlöndorff, Designerin Giovanna Stefanel-Stoffel und das irische Botschafter-Ehepaar Michael und Marie Collins gekommen – alles bekennende Freunde des amerikanischen Films. Auch Dieter Kosslick hatte sich Zeit genommen, seine amerikanischen Kollegen bei dem Empfang zu treffen und verlor ein paar Worte. „Wahrscheinlich wusste es keiner, aber es war ein CIA-Mann, der mitten im Kalten Krieg die Idee der Berlinale hatte“, so Kosslick. „Umso mehr freue ich mich, dass wir heute hier, wo der Eiserne Vorhang am deutlichsten zu spüren war, gemeinsam die Filmfestspiele feiern dürfen.“

Wahrscheinlich hätte auch Kosslick sich gefreut, George Clooney die Hand bereits am Vormittag schütteln zu dürfen. Doch immerhin sollte er einer der Glücklichen des Empfangs sein, der sich sicher sein konnte, dies am Abend noch nachholen zu dürfen.