Komisch sieht anders aus. Aber das weiß man ja inzwischen von all den Komikern, die auf der Leinwand brillieren, im richtigen Leben aber eher ernst sind. Steve Martin, Jahrgang 1945, betritt gemessenen Schrittes und mit ernstem Gesicht, gekleidet in einen grauen Anzug mit einem Schlips in einer undefinierbaren Farbe (Loriot hätte es vielleicht eine Anwandlung von Mauve mit einem Stich ins Mooshafte genannt) die Suite im Ritz Carlton und bedankt sich erst einmal – kein Scherz – dass man auf Englisch miteinander sprechen könne. Das würde viel erleichtern. Woraus sich zwangsläufig die erste Frage ergibt:
Morgenpost Online: Herr Martin, wie schwer ist es, in einer anderen als der eigenen Sprache, komisch zu sein?
Steve Martin: Das ist so ziemlich das Schwierigste, was es überhaupt gibt. Ein Freund hat mal zu mir gesagt. Erst wenn Du eine Sprache beinahe perfekt beherrschst, kommt die Komik dran. Erst ganz zum Schluss. Was eigentlich völlig normal ist, da in der Kombination Sprache und Komik viele Missverständnisse liegen. Außerdem muss man schon sehr entspannt mit der Sprache umgehen können, um sie zu verbiegen. Nur dann wird sie komisch.
Morgenpost Online: Sie spielen im „Pink Panther“ erneut diesen schusseligen und komischen Polizisten, der mit einem starken französischen Akzent spricht. Hätten Sie das auch einen deutschen Akzent einfließen lassen können?
Steve Martin: Ich könnte es jetzt nicht sofort machen. Oder besser gesagt, ich könnte es probieren. Und vielleicht klappt es. Mein Sprechtrainer bei diesem Film hat mich immer wieder verbessert und meinte, ich müsste das jetzt noch einmal machen. Es würde zu sehr Deutsch klingen. Offensichtlich liegen Deutsch und Französisch nicht weit voneinander entfernt.
Morgenpost Online: "Der rosarote Panther“ ist einer dieser Filme, die weltweit funktionieren. Unabhängig davon, welche Sprache man spricht.
Steve Martin: Exakt. Es ist diese Art Humor, die man nicht durchdenken muss. Die sich recht leicht übermittelt. Man nimmt die meisten Teile dieser Komik mit den Augen wahr, versteht sie schnell. So etwas mögen die Menschen überall auf der Welt.
Morgenpost Online: Manchmal verzichten Sie auch ganz auf die Sprache bei Ihren Auftritten, oder?
Steve Martin: Ja, früher habe ich das öfter getan. Heute gehe ich nicht mehr so häufig auf die Bühne, um „Stand Up“ zu machen. Aber wer sich einen Eindruck verschaffen möchte, der kann im Internet gern nach „Flydini“ suchen. Das ist ein sechs minütiger Ausschnitt aus einer Fernsehshow, in der ich einen Zauberer spiele, der nicht spricht. Hin und wieder höre ich, das wäre ganz lustig. [ Das Video findet sich HIER - die Red. ]
Morgenpost Online: Man geht gern ins Kino und lacht. Aber wie schwer ist es wirklich, Komik herzustellen?
Steve Martin: Natürlich hätte man es am liebsten, wenn sich das Publikum vor Lachen so kugelt, dass sie nicht mal mehr auf die Leinwand schauen können. Aber seien wir mal ehrlich: Wann schafft man das schon? Zudem ist das Publikum bei Komödien unbarmherziger als bei Dramen. Da kann es passieren, dass zwei Stunden lang totale Ruhe herrscht. Und trotzdem hat das Publikum das Gefühl, einen Klassefilm gesehen zu haben. Wenn bei der Komödie keiner lacht, dann ist das ein Reinfall.
Morgenpost Online: Hätten Sie je gedacht, mit einem Film wie diesem bei der Berlinale zu landen?
Steve Martin: Nein, das überrascht mich doch sehr. Ich weiß, dass man den Film nicht blind eingeladen hat. Es haben Leute vom Festival den Film gesehen und offensichtlich gemocht.
Morgenpost Online: Woher die Überraschung?
Steve Martin: Weil wir die Deutschen allgemein als intellektuell ansehen und vermuten, sie würden wenig Spaß verstehen. Aber mir wird immer wieder gesagt, dass meine Filme und meine Art des Humors hier sehr gut ankommen. Das freut einen natürlich, wenn die Arbeit so geschätzt wird.
Morgenpost Online: Als junger Komiker folgt man den Großen. Welche waren das bei Ihnen?
Steve Martin: Ach, das sind so viele. Charlie Chaplin ist sicher einer der Allergrößten. Wahrscheinlich der Allergrößte überhaupt. Aber das muss man ein wenig einschränken, da das Wissen über Komiker in den Jahrhunderten vor dem 20. Jahrhundert nicht erhalten ist.
Morgenpost Online: Dient jemand wie Chaplin Ihnen heute noch als Inspiration?
Steve Martin: Auf jeden Fall! Seine Art, Komik zu erzeugen, welches Timing er hatte und so weiter. Das übt man ein Leben lang. Man weiß zwar, dass man zwangsläufig daran scheitert. Aber man versucht es trotzdem.
Morgenpost Online: Wann haben Sie gemerkt, dass Ihnen die Idole – bis auf wenige Ausnahmen – ausgehen, dass Sie in Ihrer eigenen Kategorie spielen?
Steve Martin: Das war schon sehr zeitig. So mit 19 0der 20 Jahren. Damals habe ich viel auf der Bühne gestanden, in diesen kleinen Programmen. Und natürlich habe ich auch zu Beginn Leute imitiert. Damit habe ich aber schnell aufgehört. Das ist der Fehler, den man zu gern macht. Sich an Leuten zu orientieren und zu denken, man wäre komisch. Falsch, nur wer den eigenen Weg findet, ist auf Dauer komisch.
Morgenpost Online: Nun spielen Sie hier eine Rolle, für die der großartige Peter Sellers in den Himmel gelobt wurde.
Steve Martin: Stimmt. Er war in der Rolle fantastisch. Aber genau deshalb durfte ich eben nicht den Weg gehen, den Peter Sellers beschritten hatte, um den Inspektor Clouseau zu spielen. Auch wenn mein Spiel manchmal nur eine Spur daneben liegt. Aber genau diese Spur macht es aus, dass ich nicht Peter Sellers imitiere.
Morgenpost Online: Wie viele Teile vom „rosaroten Panther“ wird es noch geben?
Steve Martin: Weiß man nicht. Wenn der Film ein Hit wird, dann wird es sicher weiter gehen. Aber man darf nicht vergessen, dass diese Reihe eine sehr beliebte ist. Also, nur wenn es auch eine neue und aufregende Geschichte gibt, werden wir weiter machen. Was man übrigens heute gern vergisst: Auch Peter Sellers wurde für Teil Zwei und Drei ordentlich gerügt.
Morgenpost Online: Komiker sind dafür berühmt berüchtigt, dass sie ihren Job sehr gern machen. Aber eigentlich gern auch mal was anderes machen würden.
Steve Martin: Das ist bei mir nicht anders. Aber man kann seine Karriere halt schlecht planen. Es gab den einen oder anderen Film, bei dem auch mal andere Fähigkeiten gefragt waren. Aber ich bin halt Steve der Clown. In dieser Rolle scheinen mich die Leute am liebsten zu sehen.
Morgenpost Online: Dann widersetzen Sie sich doch: die nächsten fünf Jahre nur noch Drama.
Steve Martin: Nein, das wäre mir auch zu eintönig. Ein bisschen Abwechslung hin und wieder ist ganz schön. Demnächst fange ich eine romantische Komödie an. Den neuen Nancy-Meyers-Film. Das ist schon mal eine kleine Herausforderung.
Morgenpost Online: Sind Sie der Typ, der am Ende das Mädchen bekommt?
Steve Martin: Ha, wenn ich Ihnen das jetzt schon verraten würde, dann müssten Sie ja nicht mehr ins Kino gehen. Lassen Sie es mich so sagen: Ich spielen den „love interest“.




