Wettbewerb - "Alle anderen"

Nicht nur Franzosen können streiten

Gitti und Chris wollen eigentlich idyllische Ferien auf Sardinien machen. Doch es kommt zum offenen Streit, als ein Freund nebst schwangerer Gattin auftaucht. Der einzige "rein" deutsche Wettbewerbsfilm der Berlinale zeigt in "Alle anderen" zwei großartige Schauspieler: Birgit Minichmayr und Lars Eidinger.

Foto: ddp / DDP

Warum nennt man eigentlich immer die Franzosen als erste, wenn es um Beziehungsdramen im Kino geht? Das können wir Deutschen mindestens genauso gut. Was uns fehlt, ist allerdings das Tüpfelchen Leidenschaft, um die Amour fou als solche verständlich zu machen. Umso mehr verstehen wir es aber, solche Beziehungen zu analysieren, zu sezieren, zu obduzieren.

Wie Gitti (Birgit Minichmayr) und Chris (Lars Eidinger) in Maren Ades Wettbewerbsbeitrag „Alle anderen“. Sie wollen eigentlich, in einem Ferienhaus auf Sardinien, gemeinsam Urlaub machen. Und wie das dann oft so ist, tritt das Gegenteil ein. Chris hat Versagensängste, beruflich und sexuell, und versucht sie halb im Spiel, halb im Ernst anzudeuten. Gitti hinterfragt weder sich noch andere und düpiert mit ihrer direkten Art. Fast die Hälfte des Films geraten sie immer wieder aneinander. Zum offenen Streit kommt es dann schließlich, als dann auch noch ein erfolgreicher Freund von Chris nebst schwangerer Gattin auftaucht.

Zu erleben sind hier zwei großartige Schauspieler: Birgit Minichmayr, die viel zu oft nur Nebenrollen spielt, und Lars Eidinger, ein Schaubühnen-Star. Zu sehen sind hier wundervoll gespielte, wohl auch improvisierte Szenen. Eine bündige Dramaturgie freilich wird daraus nicht. Immer wenn es eine Konsequenz geben müsste, gibt es stattdessen eine Inkonsequenz. Das ist so im Leben. Im Kino möchte man das anders sehen.

Der Titel ist indes sinnig. „Alle anderen“: Das muss der einzige „reine“ deutsche Wettbewerbsbeitrag (neben der Koproduktion „Sturm“) einlösen. Warum alle anderen großen deutschen Produktionen, wie „Effi Briest“, wie „John Rabe“ oder „Hilde“ nur im Berlinale Special laufen. Große Stoffe, großes Kino. Stattdessen im Wettbewerb: eine kleine Studie der Berliner Schule. Ein Sündenfall, und eine Wiederholungstat. Schon 2006 wurde ein Werk wie „Das Leben der anderen“ für den Wettbewerb abgelehnt, stattdessen lief dort seinerzeit „Sehnsucht“, eine Beziehungskiste von Valeska Grisebach. Die hatte bei „Alle anderen“ eine beratende Tätigkeit. Wenn das kein Zufall ist.

Wiederholungen Dienstag, 9.30 und 18 Uhr, Friedrichstadtpalast und 22.30 Uhr, Urania