Pop

Konzert im Heimathafen - Lena im Knicklichtermeer

Lena, vormals mit Meyer-Landrut, hat im Neuköllner Heimathafen ihren Tourauftakt gefeiert - und sich bei dem Konzert selbst gecovert.

Wirft Arme und Haare durch die Luft wie eine Schlenkerpuppe: Lena hat ihre Tour gestartet

Wirft Arme und Haare durch die Luft wie eine Schlenkerpuppe: Lena hat ihre Tour gestartet

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Es ist Herbst im Heimathafen. Junge Mädchen mit langem Haar und Strickschal verschlungenem Hälsen halten rot leuchtende Knicklichter in den Händen und rufen Lena, immer wieder: Lena, Lena, Lena. Dann endlich Regung auf der Bühne. Licht. Es trommelt, nein, Lena trommelt - zu den Klängen von „Seven Nation Army“. Die jungen Mädchen rufsingen wie im Fußballstadion: „Woah, oh, oh, oh“. Und ihre Lena, die springt vom Schlagzeug nach vorne, wirft Arme und Haare durch die Luft wie eine Schlenkerpuppe und singt „Beat To My Melody“ von ihrem neuen Album, auf dem sie so viel höher, so viel zarter singt, als zuvor und klingt wie eine Ellie Goulding die Katy-Perry-Songs covert.

„Jump! Jump!“, fordert die Sängerin mitten im Song und dann hüpfen alle, Lena und die Mädchen, bis sie außer Atem sind, und die Sängerin ganz nah am Mikro steht und sagt: Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie unfassbar nervös ich bin, weil das unser Tourstart ist. Aber ich hoffe wir haben eine geile Zeit zusammen. Applaus, Applaus - und dann hüpft Lena auch schon weiter. „Keep On Living“. Ihre schwarz gekleidete Band umspült sie mit Synthie- und Gitarrentönen. Ihre Vorband, Kat Vinter, singt auch ihren Background. Lena strahlt. Eine große Kamera, die filmt sie aus der ersten Reihe.

Rio Reisers „Junimond“ mit Lary

Es ist ein Konzert, wie ein YouTube-Kanal. Da sind die alten Lena-, die Meyer-Landrut-Songs, sie singt sie immer noch mit diesem leicht quarkigen Unterton und versuchten Cockney-Akzent. Und da sind die neuen, die viel lieblicheren und höher gesungenen „Crystal Sky“–Lieder, durch all die wird wild hüpfend durchgeskippt. Eine Pause bringt das obligatorische Tour-Selfie und ein Werbe-Block für die ebenfalls bei Universal unter Vertrag stehende Sängerin Lary. Die darf mit Lena erst Rio Reisers „Junimond“ singen. Dann sagt Lena, es wäre voll egoistisch von ihr, wenn sie der Lary nicht auch mal alleine die Bühne lassen würde, und verschwindet - Lary singt ihre Single „Problem“.

Auf YouTube gäbe es dafür einen Daumen nach unten, im Heimathafen geht man nach unten zur Toilette. Was auf einem YouTube-Kanal aber natürlich nicht fehlen darf sind Cover-Songs. Für die setzt Lena sich hin. Ohne Hüpfen und Haare schmeißen, niedlich singend umrahmt von ihrer Band, trifft sie jeden Ton. Der vielleicht schönste, engste, dichteste Moment des Abends ist, als Lena Sam Smith’ „Stay With Me“ singt.

„Satellite“ ohne Cockney- Akzent

Dann ist die Sängerin mal wieder von der Bühne verschwunden. Kat Vinter übernimmt, singt Justin Timberlakes „Cry Me A River“ in einer Florence and the Machine anmutenden Synthie-Version. Lena, die Titelheldin, die Gastgeberin kommt erst zu letzten Strophe wieder dazu. Sie wirbelt, hat Spaß, das Publikum auch. All die Cover-Songs, das lässt es ganz übermütig werden.

Auf YouTube würde sie Kommentare schreiben, hier geht das nicht, hier können sie nur rufen: Spiel doch mal was von Rammstein. Hab ich nicht geprobt, sagt Lena lapidar auf ihre Lena-Art. Dann vielleicht aber K.I.Z? Die Sängerin covert lieber sich selbst. Singt „das Lied, wo ich herkomme“ - „Satellite“ in einer ruhigen, sphärischen Version, ohne Cockney- Akzent.

Der Hit, er gleitet angenehm warm, wie weiches Wasser an einem vorbei. Gehüpft, gesprungen und Haare geworfen werden darf wieder zur Hit-Single „Traffic Lights“ und abschließend zum „Fack U Göthe“-Titelsong „Wild &Free“. Da fliegt auch Konfetti. Lena sagt, sie ist dankbar und hat alle lieb. Die Mädchen werfen ihre Knicklichter – in YouTube-Sprech ist das ein „Daumen hoch“.