Neu im Kino

„True Story“ - Wie James Franco Jonah Hill austrickst

Dieser Film basiert auf einer wahren Begebenheit, kommt aber ziemlich langatmig daher. Daran kann auch Felicity Jones nichts ändern.

Der Täter und sein Autor: Der Journalist Michael Finkel (

Der Täter und sein Autor: Der Journalist Michael Finkel (

Foto: Twentieth Century Fox / dpa

Eine schicksalhafte Begegnung. Zwei Männer treffen aufeinander. Jeder auf seine Art gestrauchelt. Der eine ein ruhmessüchtiger Journalist der „New York Times“, der seinen Job nach einer so bewegenden wie verlogenen Cover-Story verloren hat, der andere ein selbstverliebter Soziopath, der des vierfachen Mordes an seiner Ehefrau und seinen drei Kindern angeklagt ist.

Während der eine hofft, durch den zunächst so sympathisch wirkenden Killer wieder auf die Karrierespur zu kommen, nutzt der andere ihn durchtrieben aus.

Scheitern an der Faktentreue

„True Story – Spiel um Macht“, das Kinodebüt des renommierten britischen Theaterregisseurs Rupert Goold, nutzt diese tatsächlich wahre Geschichte für ein psychologisches Kammerspiel um Glaubwürdigkeit und Lügen, das aber trotz seiner namhaften Darsteller an seiner eigenen Faktentreue scheitert.

Und sich spannungslos an der Chronologie der Ereignisse entlang hangelt, wie sie der Journalist Michael Finkel in seinem 2005 erschienenen Buch „True Story: Murder, Memoir, Mea Culpa“ aufgeschrieben hat.

Der Mörder und der Zeitungsmann

Finkel, im Film gespielt von Comedian Jonah Hill, ist ein von Ehrgeiz getriebener Journalist, der es bei der „New York Times“ durch seine Reportagen zu Ruhm und Ehre gebracht hatte. Doch bei einer Story über moderne Sklaverei auf einer afrikanischen Kakaoplantage schießt er übers Ziel hinaus, projiziert die Geschichten, die ihm mehrere Kindersklaven erzählt haben, um der Dramatik Willen auf eine einzige Person.

Das kommt heraus, er wird gefeuert und verzieht sich in den Schnee von Montana, wo er mit seiner Freundin Jill (Felicity Jones) lebt und Trübsal bläst. Bis ihn der Anruf eines Kollegen aus Oregon erreicht, der ihn über einen mutmaßlichen Mörder befragen will. Der hatte sich, als er in Mexiko gefasst wurde, als „Michael Finkel von der New York Times“ ausgegeben.

Finkel ist sofort angefixt, er riecht förmlich eine Story, die ihn rehabilitieren könnte und nimmt Kontakt zu dem Inhaftierten auf, der in Wirklichkeit Christian Longo heißt und dem James Franco vergeblich versucht, Format zu verleihen. „Ich bin das wichtigste, was Ihnen passiert ist“, sagt er mal mit einem Augenzwinkern. Und doch nimmt man Franco den emotionslos berechnenden Killer keinen Moment lang ab.

Der Film „True Story“ konzentriert sich kammerspielartig vor allem auf die Gespräche der beiden Männer in dem nüchternen, engen Besucherraum des Gefängnisses, wobei in Rückblenden immer wieder Fetzen der wahren Geschichte eingestreut werden.

Da knistert nichts

Doch die beiden Protagonisten Jonah Hill und James Franco machen nichts daraus. Mitunter meint man, sie würden ihren Text gelangweilt von einem Teleprompter ablesen. Da knistert nichts.

Eine Folge „Law & Order“ ist spannender als diese handwerklich perfekt inszenierte Langatmigkeit.

Drama, USA, 2015, 99 min., von Rupert Goold, mit James Franco, Jonah Hill, Felicity Jones