Nein, einen Mops hat er nicht. Aber, sagt Johann von Bülow und verdreht damit augenzwinkernd ein berühmtes Zitat von Loriot, „ein Leben ohne Mops ist zwar sinnlos, aber möglich.“ Die Frage muss sein, das Zitat freilich auch. Denn damit sind wir schon mitten in der Geschichte. Loriot hieß mit „bürgerlichem“ Namen Vicco von Bülow, der Schauspieler Johann von Bülow ist also mit ihm verwandt. Eine Nähe, die der 42-Jährige bislang eher unter den Teppich gekehrt hat. Doch nun stellt er sich seinem großen Verwandten: In der Bar Jeder Vernunft liest der eine von Bülow, nennen wir ihn der Einfachheit halber JvB, von heute an Texte des anderen von Bülow.
Die Verwandtschaft ist keine enge, nur um viele Ecken. Kurioserweise ist es schon so, dass sich zwei von Bülows, wenn sie sich treffen, als Vetter und Kusine ansprechen. Und duzen. Auch wenn sie sich noch nie gesehen haben. Man darf sich das aber nicht so vorstellen wie Weihnachten bei den Hoppenstedts. Es gibt rund 700 Bülows, 20 Linien, von denen 12 noch existieren. Den Stammbaum kriegt man nicht so schnell erklärt. „Eigentlich“, sagt der Schauspieler, den wir in der Zooba neben dem Zoopalast treffen, „ist mir Loriot so weit entfernt wie Ihnen auch.“ Es habe da mal „eine absurde Familienveranstaltung in München“ gegeben, als er 10 Jahre alt war. Daran kann er sich aber kaum erinnern. Dass es da jemand Berühmten in der Familie gab, hat er als Kind vor allem an den Reaktionen von Mitschülern und Lehrern gemerkt, die die typische Bist-du-verwandt-mit...?-Frage gestellt haben.
Einen eigenen Namen erspielt
Als JvB sich entschloss, Schauspieler zu werden, wäre eine Namensänderung vielleicht ratsam gewesen. Aber da sei er „eher bockig“ gewesen: „Einen Beruf damit anzufangen, dass man etwas verstecken muss, macht einen unfrei und verquer.“ 1995 hat er seinen ersten Film „Nach fünf im Urwald“ gedreht, das war vier Jahre nach Loriots „Pappa ante Portas“. Und es hat eine ziemliche Weile gedauert, bis sich der Jüngere dem Zuschauer eingeprägt hat. Doch spätestens seit der genialen Guttenberg-Satire „Der Minister“, in der er dessen Ghostwriter gespielt hat, ist den Deutschen nicht nur das Gesicht, sondern auch der Name geläufig.
Und derzeit läuft es richtig rund für JvB: In der Fernsehserie „Mord mit Aussicht“ ist er gerade als Bürgermeister eingestiegen. Ab 6. November kommt sein neuer Film „Im Labyrinth des Schweigens“ ins Kino an, gerade abgedreht ist der Georg-Elser-Film des „Untergang“-Regisseurs Oliver Hirschbiegel. Und nach fünf Jahren Bühnenabstinenz probt er jetzt schon zum zweiten Mal in diesem Jahr mit Judith Rossmair ein Theaterstück ein, „Constellations“ von Nick Payne, das zwar im Hamburger St.-Pauli-Theater die deutsche Erstaufführung erlebt, aber, weil alle Beteiligten in Berlin wohnen, in Charlottenburg geprobt wird. Und dazwischen gibt es nun ein paar Abende „Zeit zu zweit“ mit Loriot.
Als er nach Berlin gezogen ist, hat JvB zufällig Loriots Tochter Susanne kennen gelernt. So kam es auch zu zwei Begegnungen mit Loriot. Und als der ihn dann einmal im Fernsehen gesehen habe, hätte er ihn auch mal angerufen. Mehr Kontakt hat es aber nicht gegeben. Auch die Anregung zu diesem Abend kam nicht von ihm, sondern von der Tochter: Susanne von Bülow hat mit „Der ganz offene Brief“ (Hoffmann und Campe, 280 S., 20 Euro) alte Texte Loriots aus den 50er-Jahren herausgegeben, die damals als Kolumne in der Illustrirten „Quick“ erschienen, und fragte ihn, ob er daraus nicht einen Abend gestalten wolle.
Einmalige Gelegenheit
„Natürlich habe ich erst mal gezögert“, gibt Johann von Bülow zu. „Man überlegt: Wirst du dann darauf festgelegt? Und nachher sagen viele: ‚Das hätte er mal besser bleiben lassen sollen‘.“ Aber erstens seien das weithin unbekannte Texte, von denen es keine Tondokumente und ergo keine Vergleichsmöglichkeiten gibt. „‚Herren im Bad’ neu einzuspielen, darauf hätte ich mich sicher nicht eingelassen.“ Zweitens aber habe Loriot, der damals jünger war als Johann von Bülow heute, damals schon Dinge geschrieben, aus denen später berühmte Sketche wurden. So kann man hier den jungen, unbekannten Loriot mit dem späten „Klassiker“ konfrontieren. Also ist das eigentlich ein Abend zu dritt, bei dem JvB nur als Medium fungiert.
Das ist auch nur als einmalige Angelegenheit zu verstehen. Um Loriot drei Jahre nach seinem Tod zu huldigen. Danach wird der Vetter wieder ausgeklammert. Das Ergebnis bleibt aber auch der Nachwelt erhalten: als Hörbuch zum „Ganz offenen Brief“.
Bar Jeder Vernunft, Schaperstr. 24., Tel.: 883 15 82. Termine: 21.-25. Oktober, 20 Uhr, 26. Oktober, 19 Uhr.


