„Planet der Affen“

Andy Serkis - der Star, den keiner erkennt

Er war der Gollum, King Kong und mischt jetzt den „Planet der Affen“ auf. Zu erkennen ist Andy Serkis dabei nicht. Aber das findet er eigentlich gar nicht schlecht. Er braucht keinen Glamour.

Foto: 20th Century Fox

Er hat in einigen der größten Blockbuster der letzten Jahre mitgewirkt. Nicht selten in einer Hauptrolle. Und doch kennt ihn kaum einer. Das muss man auch erst mal schaffen. Es erklärt sich aber, wenn man seine Rollen aufzählt: Andy Serkis war der Gollum in den „Herrn der Ringe“-Filme (und ist es wieder in den „Hobbit“-Aufgüssen), er war das Titelmonster im „King Kong“-Remake, der Käptn Haddock in Steven Spielbergs „Die Abenteuer von Tim und Struppi“. Und spielt jetzt, wie schon im Reboot, den Hauptaffen Caesar in „Planet der Affen – Revolution“. Aber er spielt in all diesen Filmen quasi nur als Statthalter: In einem mit zahllosen Kameras ausgestatteten Anzug werden all seine Gesten und Mienen aufgezeichnet, im Computer gespeichert.

Und dann auf die entsprechenden Wesen „hochgerechnet“. Das sogenannte Performance-Capture-Verfahren, eine Verfeinerung des alten Motion-Capture-Verfahrens. Dank diesem hat schon mal Tom Hanks im Trickfilm „Der Polarexpress“ praktisch alle Rollen selbst „gespielt“. Andy Serkis aber ist so etwas wie die erste Wahl, die Nummer Eins in dieser völlig eigenen Schauspielart. Er wird hoch gehandelt, wann immer es um fremde Wesen geht, die eine menschliche Seele erhalten sollen. Der Preis ist nur: Jeder kennt King Kong und Gollum. Aber kaum einer weiß, wie der Mann dahinter aussieht.

Persönlich ist er keine Bestie

Andy Serkis hat zwar auch einige Filme als ganz normaler Schauspieler absolviert, in denen er also sein eigenes Gesicht in die Kamera hielt. In „King Kong“ hat er nicht nur den Riesenaffen gespielt, sondern auch den Kombüsenkoch. Und im zweiten Teil des „Herrn der Ringe“ war er am Anfang noch als Hobbit Sméagol zu sehen, der dann aus Gier zum computeranimierten Gollumgestalt mutiert.

In echt sieht Serkis ganz anders aus. Nicht so haarig wie Kong und Caesar. Nicht so glubschäugig wie der Gollum. Und auch nicht so teigig und fetthaarig wie als Koch. Sondern im Gegenteil: sehr offen, sympathisch, gutaussehend. Weit entfernt von jeder Bestie. Der Brite ist in der Stadt, um den neuen „Planet der Affen“-Film zu promoten. Dafür ist ein ganzer Tag mit Presseterminen angesetzt, aber keine Premiere abends mit rotem Teppich. Sind ja keine Stars da, nur der Affe. Das ist wohl der Fluch der Performance-Capture.

Das Ideal: ganz hinter der Rolle verschwinden

Mal ehrlich: Frustriert das nicht, wenn man in all den Riesenfilmen mitspielt und doch nie wirklich dabei ist? Nein, da übt sich der 49-Jährige ganz in Bescheidenheit. „Ich bin nicht deshalb Schauspieler geworden, damit mein Gesicht erkannt wird.“ Das unterscheidet ihn schon mal von einem Großteil seiner Kollegen. „Ich wollte immer in einen Charakter schlüpfen und ganz dahinter verschwinden.“ Das Method-Acting von Stars wie Robert De Niro wird hier quasi auf die Spitze getrieben: ganz in der Rolle aufgehen, sich selbst vergessen machen. Dafür sei die PC-Technik ideal. „Darum“, das ist die Quintessenz von Andy Serkis, „geht es für mich beim Schauspielen.“ Eigentlich ist er damit so etwas wie der Avatar der Schauspielerei – auch wenn er ausgerechnet in „Avatar“ nicht mitgespielt hat.

Das hat auch seine Vorteile. Man kann morgens in den Supermarkt und abends ins Kino gehen. Garantiert wird ihn keiner erkennen, wird kein Paparazzi mit einer Kamera auflauern. Davon können andere Stars wiederum nur träumen. Andy Serkis aber kann sich schon in diesen Figuren wiederfinden. „Das ist schwer zu erklären“, gibt er zu, „aber jede Entscheidung, die du als Schauspieler triffst, wird in Mimik und Gestik ausgedrückt.“ Das sei einem dann einfach von den Augen abzulesen. Und, das setzt er gleich hinzu: Jeder, der ihn kenne, sehen ihn auch in diesen Rollen. Seine Freunde. Seine Frau. Seine Kinder.

Der Affe in dir

So ein PC-Anzug ist übrigens gar nicht schwer. Man merkt kaum, das man ihn anhat. Man merkt nur, dass man ständig Kameras vor den Augen hat. „Das macht Bewegungen ziemlich schwierig, weil Sie nicht genau schauen können, wo Sie hintreten.“ Und der Anzug heizt sich wegen der vielen Elektrik an einem langen Drehtag ganz schön auf. Trotzdem vergleicht Serkis das Ganze wie „Fahrradfahren mit einem Helm“: Irgendwann vergisst man auch, dass man den aufhat.

Nach dem ersten „Planet der Affen“ vor drei Jahren sieht man jetzt schon, wie weit die Technik sich seither entwickelt hat. Dass die Affen noch plastischer, noch menschlicher, noch „echter“ rüberkommen. Das führt auch zu dem seltsamen Erfolg, dass die Affen im Film besser spielen als die Menschen. Serkis gibt den Affen gern. Bei der ARbeit hat er auch das Tier in uns allen entdeckt. Und im Umkehrschluss, wie ähnlich die Tiere uns sind.

Gollum ist ihm am nächsten

Bei all den ikonographischen Figuren, die er schon gespielt hat (und die noch auf ihn zukommen werden: Gerade entstehen eine neue Episode von „Star Wars“ und der nächste Marvel-“Avengers“-Film): Welche Figur ist ihm die liebste? Auch hier antwortet er erst mal salomonisch. All diese Figuren seien letztlich Außenseiter, und er, Sohn einer Britin und eines Armeniers, hat sich auch immer so gefühlt – als einer, der sich zu einer anderen Kultur zugehörig fühlt. „So habe ich es mir jedenfalls zurechtgelegt, ich habe oft versucht, diese Faszination zu erklären.“ Am meisten fühlt er sich aber schon mit dem Gollum verbunden: „Mit ihm hat eine Reise begonnen. Nicht nur für die Figur, sondern überhaupt, wie diese Art von Arbeit funktioniert. Und welche Zukunft sie hat.“

„Ich könnte auch in Ihre Haut schlüpfen“

Als die ersten computeranimierten Filme auf den Markt kamen, sahen alle schon die Stardämmerung, den Untergang des Kinolandes gekommen. Weil bald keiner mehr Schauspieler bezahlen müsse, sondern umsonst aus dem Computer züchten könne. Das Gegenteil ist eingetreten: Erstens kosten diese Computerspielereien nicht weniger als Schauspieler. Zweitens aber spricht das Publikum so etwas nur an, wenn sie darin eine Seele erkennen können. Und das, dies ist eine tröstliche Botschaft, schaffen die Spezial-Effektler an ihren Flatscreens noch immer nicht alleine.

Es ist aber schon so, dass Andy Serkin heute alles spielen könnte. Marylin Monroe. Humphrey Bogart. „Ich könnte auch Sie spielen“, sagt er und grinst sardonisch. „Wir müssen Sie nur scannen, ziehen das dann auf den Computer – und ich kann in Ihre Haut schlüpfen.“ Das ist auch eine gruselige Vorstellung.

Hier sind wir dann doch an einem sehr heiklen Punkt angelangt. Serkis gibt zu: „Man könnte jemand wirklich in die Bredouille bringen, wenn man in Gestalt eines anderen etwas Unrechtes tut und dies aufzeichnet.“ Freuen wir uns über die menschlichen Affen im Kino. Und Hoffen wir, dass das alles Science-Fiction bleibt.